Start in den Job : Als Späteinsteigerin erfolgreich

Computer, Headset und sehr viele Gespräche prägen für Marina Schitowa die Ausbildung.
Foto:
Computer, Headset und sehr viele Gespräche prägen für Marina Schitowa die Ausbildung.

Marina Schitowa hat ihre Rückstände nach dem verspäteten Beginn der Lehre rasch aufgeholt – Unternehmen offen für solche Konzepte

svz.de von
05. März 2016, 05:00 Uhr

In der Prignitz sind immer mehr Unternehmen bereit, auch noch Wochen nach dem Start des Ausbildungsjahres Azubis einzustellen. „Weil deutlich mehr Stellen als Bewerber vorhanden sind, gehen Firmen mit dem Thema offener um. Das sehen wir auch daran, dass viele ihre Lehrstellenangebote erst im Oktober oder November aus den Datenbanken nehmen“, sagte gestern Ina Kaiser-Hagenow von der Agentur für Arbeit anlässlich der Woche der Ausbildung, die vom 7. bis 11. März stattfindet.

Gute Erfahrungen mit dem späten Einstieg einer Auszubildenden hat beispielsweise Adecco Business Solutions in Wittenberge gemacht. Marina Schitowa hatte dort im November 2015 die Lehre zur Kauffrau für Dialogmarketing begonnen. In Kasachstan geboren und mit sieben Jahren als Spätaussiedlerin mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen, hatte sie im Vorjahr in Witten ihr Abitur abgelegt. Dann traf sie ihre große Liebe und zog nach Wittenberge.

„Ich habe mich dann sofort auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz gemacht, hatte zuerst eine Lehre als Bankkauffrau im Kopf“, erzählte die 20-Jährige. „Dann habe ich die Anzeige für die Ausbildung zur Kauffrau für Dialogmanagement gelesen, zuerst gestutzt, weil mir der Beruf wenig sagte, mich dann aber informiert und angerufen.“ Marina Schitowa bekam schon am nächsten Tag einen Gesprächstermin in der Firma, konnte ihre Bewerbungsunterlagen einreichen und sollte Anfang 2016 zu einem Bewerbungsgespräch kommen. Doch sie war ungeduldig und wollte mehr, rasch ein Praktikum beginnen. Doch dieses drohte an der Frage der Versicherung zu scheitern.

Die junge Frau wandte sich an Berufsberaterin Angela Prause mit der Bitte um Hilfe. Beide sprachen lange miteinander. „Ich kannte Marina Schitowa schon, wollte aber noch mehr wissen, um ihr bestmöglich helfen zu können“, erzählte die Berufsberaterin. Im folgenden Gespräch mit Ariane Möbis, Ausbildungsverantwortliche und Trainerin bei Adecco in Wittenberge, wurde die Idee geboren, Marina Schitowa den verspäteten Einstieg in das schon laufende Lehrjahr zu ermöglichen. Einer Abiturientin mit einem Notendurchschnitt von 1,8 müsste es doch möglich sein, das Versäumte in überschaubarer Zeit nachzuholen, lautete ihre Überlegung.

Die junge Frau, die möglichst rasch auf eigenen Beinen stehen und ihr Leben in der neuen Heimatstadt strukturieren wollte, sagte zu und stieg im November 2015 in das Lehrjahr ein. Zwei Ausbildungswochen bei Adecco in Wittenberge und eine am Berufsbildungszentrum in Potsdam lautet seitdem ihr Lebensrhythmus. „Ich bin überall gut unterstützt worden, die Lehrer in Potsdam haben mir sogar die versäumten Lehreinheiten ausgedruckt. Inzwischen bin ich mit der Theorie weitgehend auf dem Stand der anderen Auszubildenden“, schätzte Marina Schitowa ein.

In Wittenberge hat sie bereits ihr eigenes Kundenprojekt, das in den kommenden Monaten stetig wachsen soll. „Am leichtesten fällt mir die Arbeit, wenn die Kunden freundlich sind, am schwersten, wenn sie wütend sind oder mich nicht zu Wort kommen lassen. Auch damit komme ich inzwischen aber klar“, sagte die Auszubildende. „Marina ist ein sehr kommunikativer Typ. Sie geht die Kundengespräche immer sehr sachlich und informativ an, ist immer ruhig und freundlich, lässt sich nicht aus dem Konzept bringen“, konstatierte ihre Trainerin.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen