zur Navigation springen
Der Prignitzer

23. November 2017 | 05:01 Uhr

Museum : Als Lenzen Handwerkerstadt war

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ausgestellte Bestände aus dem Fundus der Stadt ermöglichen im neuen Heimatmuseum eine Reise in die Vergangenheit

svz.de von
erstellt am 07.Dez.2015 | 10:16 Uhr

„So viele Handwerker und Läden gab es hier, fast alle sind weg“, sagt Klaus Jahnke am Samstag bedauernd beim Rundgang durch das neue Heimatmuseum Lenzen. „Vieles sieht man nur noch hier.“ In langen Reihen sind Werkzeuge, Formen und Materialien vieler Gewerke ausgestellt. Manchmal hilft nur fragen, um herauszufinden, wozu sie einst benötigt wurden. Nicht so beim Schuhmacher. In der kleinen Schuhmacherei stehen Utensilien von Hammer bis Stiefelknecht. „Das gehörte meinem Großvater“ erzählt Gabi Steinbrenner. „Er saß immer beim Arbeiten am Fenster und die Leute konnten ihm zuschauen. Wenn wieder einige Paare fertig waren, durfte ich sie zu den Kunden bringen“, so Steinbrenner. „Die Groschen und Fünfziger, die sie mir für den Weg gaben, waren mein Taschengeld.“ Zumindest das Schuhmacherhandwerk ist in Lenzen kein nur noch im Museum zu erlebendes Gewerk, eine Werkstatt gibt es noch in der Stadt.

„Es hat viel Zeit und Kraft gekostet, hier im Dachgeschoss des früheren Deutschen Hauses die Räume einzurichten, um den Fundus der Stadt nach fast 20 Jahren Pause wieder zu zeigen“, erzählt Bürgermeister Christian Steinkopf. Er hofft auf gemeinsame Angebote mit anderen in Haus angesiedelten Einrichtungen wie BUND, Naturwacht. Filzschauwerkstatt, Kleingastronomie und Kochwerkstatt

„Mit dem Zusammenwirken verschiedener Partner haben wir in Lenzen einige Erfahrungen. Zum Beispiel bei der Burgweihnacht kooperieren Stadt, Karnevalsverein, Bund für Umwelt und Naturschutz und der Trägerverein der Burg“, betont Steinkopf.

Bürgern und Besuchern von Lenzen anschaulicher die Vergangenheit nahe bringen zu können, darüber freut sich auch Stadtführerin Erika Otto. „Ich bin immer wieder gefragt worden, wo der Fundus der Stadt nach dem Auszug aus der Burg geblieben ist. Viele Reisegruppen wollten mehr über die lange Historie wissen. Wenn der Wunsch besteht, führe ich Besucher auch hierher“, verspricht Erika Otto. Eine weiteren Partner wünscht sich die Stadtführerin noch. „Die Kirche liegt gegenüber und wird von Frühjahr bis Herbst von Besuchern gut angenommen. Vielleicht sind gemeinsame Angebote möglich.“

Wer den Weg bis unter das Dach auf sich nimmt, um mehr von der Stadt zu erfahren, den erwarten Stücke vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert, aber auch einige ältere Exponate. Neben den Erläuterungen zur Stadtgeschichte gibt es für Museumsbesucher noch einen Bonus. Aus den Fenstern über den Dächern der Fachwerkhäuser erschließt sich ein schöner Blick über Teile der historischen Altstadt.

Schon das nächste Projekt hat Besucherin Anke Brandes nach ihrem Rundgang im Blick. „Hier passen nicht alle Möbel hinein, wir haben noch die Ausstattung des alten DDR-Konsums. Das könnten wir in den Räumen am Turm zeigen.“ Auch ein ausgestelltes Hochrad regte zu Ideen an. In einer kleinen Besuchertraube wird gegrübelt, ob noch jemand in Lenzen und Umgebung mit diesem Gefährt umgehen kann. „Ja vor zehn Jahren war doch …“, genau kann jedoch niemand sagen, wer diese nicht ungefährliche Kunst noch beherrscht. Aber so ein Hochrad würde sich bei diversen Veranstaltungen gut machen, sind sich all einig.

Vorerst ist das Museum nur auf Anfrage geöffnet. Interessenten müssen sich bei der Lenzen-Information unter Tel. 038792/7302 anmelden. Dort werden die Schlüssel verwahrt. Hinweisschilder auf die neue Attraktion werden noch in den nächsten Wochen gestaltet und aufgestellt.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen