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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 03:08 Uhr

Alpha auf Landgang in der Elbestadt

vom

svz.de von
erstellt am 22.Jan.2012 | 08:35 Uhr

Wittenberge | Bei dem nasskalten Wetter hätte das ein oder andere Mitglied aus der U-Bootbesatzung Alpha eine Tauchfahrt dem Stadtrundgang am Sonnabend vielleicht vorgezogen. Ansonsten war der Spaziergang mit Ackerbürgerin Mathilde und dem Schützenkanonier Wilhelm Barow ein interessanter Auftakt ihres Besuchs in der Partnerstadt Wittenberge. Auf Einladung der Schützengilde war Kommandant Korvettenkapitän Stefan Mayer mit seinen Männern in ihrem Stammhafen "Hotel Prignitz" eingelaufen.

Fast wäre es nichts geworden mit dem Besuch. "Wir hatten schon abgesagt. Als dann aber unser Einsatz verschoben wurde, konnten wir doch noch zusagen", erzählt Kommandant Mayer, der vor einem Jahr das Kommando übernahm. Seit dieser Zeit hat sich bei den U-Boot-Fahrern viel verändert. Die Marine fasste die vier Boote U 31 bis U 34 zu einem Verband zusammen. Wittenberges bisheriges Paten-Boot U 31 ist jetzt die Besatzung Alpha.

"Die Boote sollen besser ausgelastet werden, deshalb rotieren die Besatzungen. Vergangenes Jahr waren wir mit U 34 drei Monate im Mittelmeer im Einsatz.,Jetzt haben wir U 33 übernommen", erklärt Stefan Mayer. 2013 kommen zwei weitere Boote dazu, die Zahl der Besatzungen steigt auf acht. Mit Ausnahme der notwendigen Wartungsarbeiten auf der Kieler HDW Werft können die Boote dann ständig im Einsatz bleiben, auch wenn beispielsweise eine Besatzung im Urlaub oder zur Weiterbildung ist.

Das Ende der Wehrpflicht habe erste Auswirkungen. Rekruten bleiben aus, so Mayer. Bisher waren sie zur Wache auf der Werft eingesetzt und sind auf dem Versorgungsschiff des Verbandes mitgefahren. Nun müssten Soldaten die Lücken füllen. Der Kommandant nennt ein weiteres Problem: "Aus den Rekruten hatten wir für die Boote unseren Nachwuchs gewonnen. Jetzt müssen wir direkt an die Jugendlichen heran."

Sicher sei die Marine attraktiv, aber als Rekrut habe man viel mehr Einblick gewonnen, bevor man sich für eine Offizierslaufbahn entschied. Aber ohne Wehrdienst habe ein Jugendlicher vielleicht niemals ein U-Boot betreten und soll sich dennoch dafür entscheiden.

Bis zu drei Wochen auf Tauchfahrt, auf engstem Raum zusammen mit den Kameraden - das sei psychisch und physisch anstrengend. Das beginne bei einfachen Dingen wie mit dem Rauchverbot während einer Tauchfahrt. Maximilian Höpfner weiß, wie schwer das sein kann. "Aber sobald der Deckel zu ist, habe ich kein Bedürfnis mehr zu rauchen", erzählt der junge Mann. Mancher habe sich dadurch gar das Rauchen abgewöhnt. Wer gesundheitlich fit ist und sich für acht Jahre verpflichtet, könne sich bewerben - Männer und Frauen. Aktuell gehören zwei Frauen zu den fahrenden Besatzungen. Bei entsprechender Qualifikation können sie ebenfalls Wachoffizier oder Kommandant werden, sagt Stefan Mayer.

Unter den Männern am Sonnabend sitzt auch Kapitänleutnant Stefan Janssen. 15 Jahre ist er zur See gefahren, diente fünfeinhalb Jahre auf U 31. Seit dem vergangenen Jahr ist Janssen Leiter einer Werftgruppe, hat gerade die Hüllenreparatur von U 31 überwacht. Sein Abschied vom U-Boot hat einen privaten Hintergrund: Durch die Patenschaft hat er in Wittenberge sein Herz verloren - an die Stadt und an eine junge Frau. Nun könne er jedes Wochenende nach Wittenberge kommen.

Die Besatzung hat ebenfalls die nächsten Einladungen erhalten. Gildepräsident Ingo Rodowski würde sich über einen Besuch zum Schützenfest freuen, wenn der Verein im Sommer seinen 430. Geburtstag feiert. Einige der Soldaten würden gerne zum Stadt- und Hafenfest kommen, "weil es immer so schön sein soll". Unsere Zeitung sprach eine Einladung zum Drachenbootrennen aus. Eine U-Bootbesatzung im Drachenboot hätte sicherlich seinen Reiz für das beliebte Rennen.

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