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Ungewöhnliches Musikinstrument : Alpenzauber im Norden

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Perleberger Gymnasiastin Tina Göhlich spielt Alphorn / Am Anfang war es eine kleine Bockflöte

svz.de von
erstellt am 23.Dez.2015 | 16:14 Uhr

16 Zentimeter maß ihre Blockflöte. Jetzt strömt die Luft aus ihrer kräftigen Lunge durch einen dreieinhalb Meter langen Hohlkörper, bevor der Ton an die Ohren der Zuschauer dringen kann. Tina Göhlich hat ihre Blockflöte gegen ein Alphorn getauscht.
Zugegeben, zwischen Blockflöte und Alphorn liegen ein paar Jährchen. Genau genommen sind es elf. Die damals Siebenjährige hatte kein richtiges Hobby, welches sie faszinierte, welches ihr Spaß machte. Aber in ihrem Heimatdorf Sargleben gab es den Verein Swingside. Deren Gründer Ricardo Danelzig sprach das Mädchen an, gab ihm eine Blockflöte. Warum nicht, sagte sich Tina Göhlich und nahm bei Danelzig Unterricht.

„Die Blockflöte ist ein guter Einstieg, man lernt Rhythmusgefühl, Noten und die Töne zu finden“, sagt sie heute. Als die Nachwuchsband Swingfive Posaunisten suchte, wechselte Tina Göhlich zu den Blechbläsern.
„Plötzlich waren die Löcher weg, die Luftführung war eine ganz andere. Du musst die Töne mehr hören.“ Eine Umstellung, die sie schnell meisterte, erste Auftritte folgten. An zwei Tagen in der Woche übte sie, heute täglich. 2008 kam noch ein Instrument dazu: das Tenorhorn.
Wieder musste sie umlernen, aber als Lohn winkten Auftritte mit der Big Band Swingside und einer weiteren Formation des Orchesters, der Kapelle Blecheinander. „Das ist wirklich anspruchsvolle Musik, da musste ich noch zulegen.“
Sie tat es und spürte, dass sie ihr Hobby gefunden hat. „Es macht Spaß und wir sind alle miteinander befreundet, machen auch außerhalb des Orchesters viel zusammen.“
Ende September stand wieder einmal Ricardo Danelzig vor ihr. In der Hand hielt er jedoch keine Blockflöte: „Willst du Alphorn probieren?“ Und ob sie wollte. Es war keine völlig neue Erfahrung für die Perleberger Gymnasiastin.

In Trainingslagern hatte sie wie viele andere Orchestermitglieder auch das Alphorn getestet. Aber das war Spaß, jetzt ging es um einen Auftritt auf dem Weihnachtskonzert in Balow, einem kleinen Dorf in Mecklenburg, kurz hinter Dallmin gelegen. Mit knapp 300 Gästen sind die ausverkauften Konzerte in Balow der jährliche Höhepunkt für Swingside. Dort ein Solo spielen zu dürfen, sei eine Auszeichnung. Erst übte sie gemeinsam mit Ricardo Danelzig, dann bei sich zu Hause. Nach Bockflöte, Posaune und Tenorhorn waren ihre Eltern manches gewöhnt. Der Aufbruch zu einer Probe gleicht meist einem halben Umzug. Und jetzt packte die Tochter doch tatsächlich ein ganzes Alphorn aus. „Hättest du nicht bei Flöte bleiben können?“, kommentierten ihre Eltern leicht sarkastisch.
Ihr war es egal. Sie übte und übte. Im Internet hörte sie sich immer wieder ihr Stück „Alpenzauber“ an. „Ich hatte ja keine Ahnung, brauchte ein Gefühl, wie es klingen muss, um dann die richtigen Töne zu finden.“ Nur langsam gelang ihr das immer besser. „Mal triffst du diesen, dann jenen Ton. Das ist ein schleichender Prozess, aber du spürst, es geht vorwärts.“
Am Ende hat es dann gepasst. Davon konnten sich auch ihre Eltern und Großeltern überzeugen, denen sie von ihrem Alphornsolo nichts verraten hatte. Und dann war es auch gar nicht mehr schlimm, dass ihre Tina nicht mit der Blockflöte auf der Bühne gestanden hatte.

Jetzt hat die Schule Vorrang, die Abiturprüfungen stehen an. Danach möchte sie Lehramt für die Grundschule studieren. Und das Alphorn? Das hat sie erst einmal wieder verpackt, schließt aber eine Wiederholung nicht aus. Doch wer weiß, mit welchen Instrumenten Ricardo Danelzig noch eines Tages vor ihr stehen wird.
 

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