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Der Prignitzer

22. November 2017 | 19:39 Uhr

Glasmeisterei : Alles wieder in Blei gefasst

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Glasermeister Michael Zinner im Einsatz für denkmalgeschützte Werke.

von
erstellt am 02.Nov.2017 | 12:00 Uhr

140 Fenster des Rathaus werden bis ins nächste Jahr hinein denkmalgerecht erneuert. Die Stadt hat den Auftrag an die für derartige Arbeiten spezialisierte Tischlerei Wegner in Karstädt vergeben. Die Instandsetzung begann im Juni im Südflügel. Im perfekten Zustand präsentiert sich dort seit einigen Tage nun wieder das große Abschlussfenster im oberen Flur. Es ist etwas Besonderes, unterscheidet sich von den normalen Bürofenstern durch Glasmalereien im Randbereich und durch die kleinen quadratischen Scheiben, die in Blei gefasst sind.

Ein Fall für den Wittenberger Glasermeister Michael Zinner. Denn nicht alle Scheiben in dem mit Bau des Rathauses 1914 entstandenen Fensters waren im Original erhalten. „Es mussten Scheiben austauscht werden, die irgendwann später augenscheinlich mal ausgewechselt worden waren und deshalb nicht in das Gesamtbild des Fensters passten“, erklärt Zinner. Und er berichtet von der Zusammenarbeit mit der Firma Schulz in Bad Wilsnack. Denn auch die handwerklichen Künste eines Glasmalers waren gefragt.

In seiner Ausbildung hat Zinner Bleiverglasung gelernt. „Das gehörte damals dazu und wird heute auch noch gelehrt.“ Allerdings würden Bleiverglasungen von Kunden heute so gut wie gar nicht verlangt, sagt Zinner. Anders verhält es sich, wenn sein Meisterbetrieb historische Fenster restauriert.

Und wie funktioniert Bleiverglasung? Der Meister holt einen Streifen Blei, wie er für derartige Verglasungen genutzt wird. Das Wichtige, so erklärt Zinner, ist das H-Profil, das sich im Querschnitt gut erkennen lässt. In dieses Profil werden die Glasscheiben eingelegt. Der biegsame Bleistreifen wird um die Scheiben gelegt, angerieben, damit das Glas fester sitzt, mit einem Spezialkitt versehen und schließlich verzinnt, damit das Blei nicht unter Witterungseinflüssen leidet, das Fenster dicht bleibt. So gearbeitet ist auch das Rathausfenster, das nun die nächsten gut 100 Jahre halten soll und wird, ist Zinner überzeugt. Bleiverglasung hat immer auch etwas von einem Puzzle, weil es in der Regel aus verschiedenen Gläsern zu unterschiedlichsten Formen zusammengefügt wird, sagt Michael Zinner. „Aber es ist eine schöne, weil anspruchsvolle und abwechslungsvolle Arbeit.“ Wenn er wirklich mal Zeit habe – was viel zu selten vorkomme – dann fertigt er bleigefassten Glasschmuck, geeignet beispielsweise für Fenster. „Das ist nach wie vor gut gefragt.“  

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