Wittenberge muss sich wandeln : Allende-Viertel: So geht es weiter

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Stadt lädt zu Informationsveranstaltung über den Stadtumbau: Riesiger Andrang. Zweite Zusammenkunft ist geplant.

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26. März 2014, 22:00 Uhr

Wie geht es weiter im Allende-Viertel? Antworten auf diese Frage wollten am Dienstagabend so viele Wittenberger haben, dass der Platz in der Awo-Begegnungsstätte in der Perleberger Straße nicht ausreichte. An die 200 Bürger konnten sich einen Stuhl im Saal bzw. im angrenzenden Raum sichern. Einige Besucher harrten knapp zwei Stunden stehend im Flur aus, nur um Informationen zu erhalten. Andere mussten wieder gehen. Für sie wird es einen extra Termin zum Allende-Viertel geben, sagt Bürgermeister Dr. Oliver Hermann, denn jeder solle gut informiert werden, in die Entwicklungen, die sich in dem Gebiet zwischen Schwimmhalle und Weisener Straße, zwischen Kyritzer Straße und Horning vollziehen, einbezogen sein.

Das Stadtoberhaupt versicherte – und das war quasi auch eine Grundbotschaft dieses von der Stadt organisierten Informationsabends: „Wir werden verantwortungsvoll mit dem Gebiet umgehen, mit Ihnen und nicht gegen Sie arbeiten.“ Die zweite Grundbotschaft, die vor allem auch die beiden Großvermieter, nämlich die Wohnungsbaugesellschaft (WGW) und die Wohnungsgenossenschaft „Elbstrom“, vermittelten: Niemand werde von einem Tag auf den anderen seine Wohnung durch Abriss verlieren. Karsten Korup als geschäftsführender WGE-Vorstand versicherte: „Wir lassen unsere Genossenschafter nicht im Stich.“ Der WGW-Geschäftsführer, Torsten Diehn, erklärte mit Nachdruck: „Wir werden Sie bei der Suche nach einer neuen Wohnung unterstützen, sollte Ihr Haus rückgebaut werden.“

Die WGW und die WGE als die beiden mit Abstand größten Vermieter, werden den Stadtumbau, sprich den Rückbau, der sich in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten im Allende-Gebiet vollzieht, tragen müssen. Mit jedem Haus, das sie abreißen lassen, vernichten sie ein Stück ihres Besitzes.

Derzeit leben in Wittenberge rund 18 000 Menschen. 2000 Wohnungen im gesamten Stadtgebiet sind nicht vermietet, das entspricht 18 Prozent des Bestandes. Nach statistischen Erhebungen werden 2030 zirka 13 000 Wittenberger die Stadt bevölkern. Ohne weiteren Stadtumbau stünden dann annähernd 5000 Wohnungen leer. „Wir können die Dinge nicht laufen lassen, müssen agieren“, sagte Bürgermeister Dr. Hermann. Der gezielte Stadtumbau werde weitergehen. Schwerpunkt für den Rückbau ist das Allende-Gebiet. Das hat die Kommune in ihrer Fortschreibung der Stadtumbaustrategie bereits 2009 erklärt. Einhergehen mit dem am Bedarf bzw. Leerstand orientierten und längerfristigen Rückbau soll eine Aufwertung des Gebietes, sprich der Erhalt und die Modernisierung infrastruktureller Einrichtungen wie Schule und Sporthalle sowie die Begrünung von Abrissflächen und das Anlegen neuer Wege sein. Gegebenenfalls wird auch die Dr.-S.-Allende-Straße nicht in ihrer jetzigen Form erhalten. Der Stadtumbau versteht sich als Doppelstrategie, nämlich als Einheit von Rückbau und Aufwertung.

Derzeit leben im Allende-Quartier zirka 2100 Einwohner, 2020 werden es nach heutigen Schätzungen 1500 sein, 2030 noch zirka 1000 Bewohner. Das Allende-Gebiet ist ein großes Wohnquartier. Hier befanden sich mit Stand Ende 2012 genau 1919 Wohnungen, davon 1715 in Plattenbauten. Der Wohnungsgenossenschaft gehörten bzw. gehören davon 827, der WGW 764. Hinzu kommen 124 Wohnungen mit betreutem Wohnen. Ebenfalls mit Stand 31. Dezember 2012 – ein aktuellerer steht nicht zur Verfügung – waren 37 Prozent der WGE-Wohnungen nicht vermietet. Sechs Prozent der WGW-Wohnungen standen leer.

Die Wohnungsgenossenschaft hat sich dazu bekannt, welche ihrer Häuser wann – immer unter Prüfung der aktuellen Gegebenheiten – abgebrochen werden bzw. erhalten bleiben sollen. Genossenschafter finden die Auflistung im „Elbstrom-Kurier“ 1/2012. In diesem Jahr will die WGE noch die Kyritzer Straße 7a bis 9b und im nächsten Jahr die Dr.-Salvador-Allende-Straße 24 bis 40 mit insgesamt 130 Wohnungen rückbauen.

Die WGW wird nach derzeitigen Plänen innerhalb der nächsten fünf Jahre keine Häuser herunternehmen. Geschäftsführer Diehn versprach auf der Informationsveranstaltung am Dienstag seinen Mietern: „Wir verständigen Sie sehr rechtzeitig über alle angedachten Schritte.“ An strukturelle Aufwertung ist in naher Zukunft die Sanierung der Schulaußenhülle und die Neustrukturierung der Sporthalle geplant.

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