Fischzucht in der Prignitz : Afrikanischer Wels aus Pröttlin

Florian Kätelhön präsentiert einen im Kescher abgefischten afrikanischen Wels.
Florian Kätelhön präsentiert einen im Kescher abgefischten afrikanischen Wels.

Die Landgenossenschaft hat mit ihrer Fischzucht ein Alleinstellungsmerkmal in Brandenburg

svz.de von
29. Dezember 2016, 21:00 Uhr

Wenn auf der Speisekarte Prignitzer Gaststätten afrikanischer Wels aufgeführt ist, kommt der nicht aus Afrika, sondern aus Pinnow. Genauer gesagt, aus der Aquakultur der Landgenossenschaft Pröttlin.

Zehn bis 15 Gramm sind die „Fingerlinge“ schwer, wenn sie in die ersten beiden Becken der Fischhalle auf dem Gelände der Milchviehanlage Pinnow kommen. Nach jeweils sechs Wochen werden sie sortiert und in weitere Becken umgesetzt, bis sie nach vier/fünf Monaten ein Schlachtgewicht von 1,5 Kilogramm erreicht haben. Die Fütterung mit Kraftfutter aus Getreide, Fischöl und Fischmehl funktioniert vollautomatisch.

Jungfische und Futter kauft die Landgenossenschaft Pröttlin über die Fischgut Nord eG ein. In der Fischgut Nord Abtshagen (bei Grimmen) und Fischgut Mitte Schkölen (Saale-Holzland-Kreis) sind vornehmlich zwölf landwirtschaftliche Unternehmen organisiert, die anfallende Wärme aus eigenen Biogasanlagen für die Fischproduktion nutzen. Ebenso übernehmen die Fischgut-Genossenschaften die fachliche Betreuung aller Mitgliedsbetriebe sowie die Erarbeitung und Kontrolle einheitlicher Produktionsstandards. Auch befindet sich in Abtshagen eine firmeneigene Versuchsanlage zur Erzeugnisentwicklung und für Schulungszwecke der Mitgliedsbetriebe.

Unter der Dachmarke „filetas“ übernimmt die Fischgut-Genossenschaft die gemeinsame Vermarktung. Der Schlachtbetrieb selbst befindet sich im vorpommerschen Lüchow bei Gnoien. „Von den 20 Tonnen Fisch, die wir jährlich erzeugen, werden 16 Tonnen über den Fischgut- Vertrieb vermarktet. Die restlichen vier Tonnen verkaufen wir direkt ab Hof an Privat, Gaststätten und andere Abnehmer“, erzählt Siegfried Schlestein, gemeinsam mit Heinz-Uwe Jaap Vorstandsvorsitzender der Landgenossenschaft, und zuständig für den Bereich Tierzucht. Die Aquakultur ist hier nur eine Minisparte und macht gerade mal ein Prozent des Betriebsumsatzes aus. Schwerpunkte sind die Milchproduktion und der Feldfruchtanbau.

Zur Fischaufzucht gehört Wärme und die bezieht die Aquakultur in Pinnow aus der betriebseigenen Biogasanlage. Die erste ging 2006 in Betrieb, eine zweite kam 2010 dazu. Die erzeugte Elektroenergie reicht aus, um jährlich etwa 1800 Haushalte zu versorgen. Um in den Genuss eines Preisbonus’ pro Kilowattstunde bei der Einspeisung ins Stromnetz zu kommen, suchte die Landgenossenschaft nach einer optimalen Nutzung der Wärme, die beim Verbrennungsprozess des Biogases zur Stromerzeugung entsteht. „Etwa 20 bis 25 Prozent benötigen wir als Eigenbedarf für die Biogasanlage und zehn Prozent für die Aquakultur. Die optimale Wassertemperatur liegt bei 28 Grad. Größter Wärmeabnehmer ist eine benachbarte Putenkükenanlage“, informiert Siegfried Schlestein. Die Idee, Wärme für die Fischaufzucht zu nutzen, brachte der Sarglebener von der Hochschule mit, wo neben Landwirten auch Fischer studierten. Mit der Aquakultur haben die Pröttliner ein Alleinstellungsmerkmal. „In Brandenburg sind wir der einzige Landwirtschaftsbetrieb, der Fischaufzucht betreibt. Auf Beratungen werde ich nicht gefragt ,Wie geht es euren 1300 Milchkühen?’, sondern ,Wie geht es deinen Fischen?’“, sagt Schlestein schmunzelnd. Großartige Gewinne seien damit allerdings nicht zu machen. „Der Absatz funktioniert zwar, doch wie aktuell bei Milch, Fleisch oder Getreide preislich teilweise auf niedrigem Niveau. Dagegen rechnen muss man das teure Futter“, so der Vorstandsvorsitzende. Mehr einbringen würde eine stärkere Direktvermarktung, doch dafür müsste man noch mal investieren. Auch fehle das notwendige Umfeld, wie die Nähe zu Großstädten.

Manfred Drössler

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