Medizin : Ärztin zieht es in die Provinz

Dr. Johanna Steiner tauscht Großstadt gegen Provinz: An der KMG-Klinik in Pritzwalk will sie ihre Facharztausbildung in der plastischen Chirurgie beenden.
Dr. Johanna Steiner tauscht Großstadt gegen Provinz: An der KMG-Klinik in Pritzwalk will sie ihre Facharztausbildung in der plastischen Chirurgie beenden.

Dr. Johanna Steiner tauscht Großstadt gegen Pritzwalk: Facharztausbildung an der KMG-Klinik

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12. März 2015, 08:00 Uhr

Im deutschsprachigen Raum ist Pritzwalk so ziemlich die größtmögliche Entfernung zu ihrem Heimatort, und auch kulturell dürfte Pritzwalk einen erheblichen Kontrast zu ihren bisherigen Stationen Graz, Wien, Berlin und München bilden. Dennoch hat sich Dr. Johanna Steiner beruflich für die Prignitz entschieden: An der KMG-Klinik will sie ihre Facharztausbildung beenden.

„Ich bin Ärztin geworden, weil man als Arzt gebraucht werden will. Hier werde ich gebraucht“, sagt sie. Wenn junge Ärzte nach Afrika gehen, klinge das zwar heroisch, aber man sollte nicht vergessen, „dass Menschen im ländlichen Raum ein Recht auf medizinische Versorgung haben“, so die 35-Jährige.

Aber das allein hätte für Pritzwalk nicht den Ausschlag gegeben. Es seien die medizinischen Möglichkeiten der plastischen Chirurgie in dem Haus, die sie angelockt hätten. Gerade der Bereich der wiederherstellenden Chirurgie sei in der Prignitz von Bedeutung. Gemeint sind ästhetische Korrekturen nach großen Operationen, zum Beispiel Tumorentfernungen, oder das Behandeln von offenen Wunden, die durch wochenlanges Liegen im Krankenbett verursacht wurden. All das reize sie, meint Johanna Steiner.

Aufgewachsen im österreichischen Graz begann sie dort ihr Studium und beendete dieses in Wien. 2010 wechselte sie für die Facharztausbildung ans Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn, wo sie vor allem Patienten mit schwersten Verbrennungen behandelte. Das sei eine wichtige Erfahrung gewesen, genau wie das letzte Jahr bei einem renommierten plastischen Chirurgen in München.

Acht Betten hat die Plastische Chirurgie in Pritzwalk, und die seien voll ausgelastet, sagt deren Leiter Christian Roessing. Eigentlich sei so eine Abteilung im ländlichen Raum eher ungewöhnlich, aber der Zuspruch beweise die Notwendigkeit. Roessing spricht von einem „bunten Mix“ der plastischen Chirurgie, den sein Team praktiziere. Darunter seien klassische Schönheitsoperationen eher die Ausnahme. „Offene Füße bei Diabetikern und andere alterstypische Erkrankungen zu behandeln ist unsere Hauptarbeit.“

Dass er pünktlich im Januar die zweite Assistentenstelle besetzen konnte, freut ihn. Allein am ersten Tag nach Erscheinen der Stellenanzeige habe es 20 Bewerbungen gegeben, am Ende waren es rund 50. Viele kamen wie Dr. Johanna Steiner aus weit entfernten Regionen. „Es ist ein beliebtes Fach geworden“, sagt er.

Ihre Heimat vermisst Johanna Steiner nicht, dafür gebe es viel zu viel Neues zu entdecken. Aber Freunde und Familie fehlen ihr. „Wenn wir uns sehen, genießen wir es bewusster“, sagt sie. Geht es nach den Plänen der jungen Frau, möchte sie in Pritzwalk in zwei Jahren ihre Facharztausbildung abschließen.

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