Urlaubschaos in Wittenberge : Ärzte im Urlaub, Patienten in Not

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Vertretung während der Herbstferien funktioniert in Elbestadt nicht problemlos.

svz.de von
01. November 2014, 12:00 Uhr

Ferienzeit – Urlaubszeit. Wenn die Kleinen schon mal nicht die Schulbank drücken müssen, dann nutzen auch Berufstätige die Gelegenheit, vom Arbeitsalltag abzutauchen. Normalerweise hat das wenig Einfluss auf das alltägliche Leben. Doch dank der Herbstferien klafft derzeit in Wittenberge ein regelrechtes Urlaubsloch bei der ärztlichen Versorgung.

Ein Leser, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte, fragte klagend in unserer Redaktion: „Gehen eigentlich alle Ärzte gleichzeitig in den Urlaub und machen ihre Praxen dicht?“

Besagter Herr erzählt, dass er an einem Herbstferien-Wochenende aus dem Krankenhaus entlassen wurde, nachdem man ihn dort wegen akuter Atemnot behandelte. Gleich am drauffolgenden Montag wollte er sich beim Hausarzt seines Vertrauens ein Rezept für ein dringend benötigtes Asthmaspray besorgen.

An der Praxis jedoch fand sich nur ein Hinweis, dass wegen Urlaubs geschlossen sei. Freundlicherweise wurden aber mehrere Vertretungsärzte aufgelistet, an die sich der Rezeptsuchende wenden sollte. Bei der ersten Urlaubsaushilfe – nur eine Etage höher – platzte der Warteraum jedoch aus allen Nähten. „Da ja mehrere Ärzte auf dieser Liste standen und ihre Sprechzeiten angeboten wurden, wollte ich in eine andere Praxis.“

Die nächste fand sich anderthalb Straßen weiter. Mit Erstaunen stellte der Atemwegserkrankte auch dort fest, dass die Türen wegen Urlaubs geschlossen waren. Völlig genervt peilte der Mann daraufhin das nahegelegene Praxenhaus in der Friedrich-Ebert-Straße an. „Nicht ein einziger Arzt hatte dort Sprechstunde. Auch da waren alle im Urlaub“, erzählt er aufgebracht. Während seine Lunge nach Luft keuchte, stieg in seinem Bauch allmählich die Wut hoch. „Wenn sie die Vertretungen aushängen, dann nehme ich an, dass diese Ärzte auch geöffnet haben“, meint er.

Davon gehe auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin-Brandenburgs (KVBB) in Potsdam aus, die für die ärztliche Versorgung im Land verantwortlich zeichnet. So lautet der Tenor der Vereinigung, dass ein Arzt, der wegen Urlaubs seine Praxis schließt, für eine Vertretung zu sorgen habe. „Die Urlaubsvertretung werde von den niedergelassenen Ärzten vor Ort eigenständig organisiert“, erklärt eine Sprecherin. Da in Wittenberge auf alle Vertretungsärzte ausführlich per Aushang hingewiesen wurde, gehe die Vereinigung davon aus, die Ärzte wurden über den Auftrag der Urlaubsvertretung informiert und sie hätten dazu ihr Einverständnis erklärt. Demnach seien die Mediziner ihrer Pflicht nachgekommen, heißt es aus Potsdam. Unser Leser stand bei den Aushilfen dennoch vor verschlossenen Türen.

Bei einem akuten Ärztemangel, Wittenberge in der Ferienzeit dabei exemplarisch, weise der Verband jedoch jegliche Fragen nach einer übergeordneten Organisation von sich. Es gäbe keinen Schlüssel, der festlege, wie viele Ärzte pro Patient sicher angeboten werden müssten, sagt die KVBB-Sprecherin. Und weiter: „Letztlich liegt es am Patienten, sich bei uns über den Notstand schriftlich zu beschweren.“ Erst dann könne man bei den Ärzten nachhaken.

Diese Möglichkeit habe auch der Asthmapatient aus Wittenberge. „Dennoch bleibt ja die Frage unbeantwortet, wie in Engpässen die Versorgung durch Arztpraxen von außen ausreichend sichergestellt werden kann“, gibt er zu Bedenken.





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