Jugendlicher angeklagt : Ärger wegen eines Elektro-Bretts

Mothna Al Husseen wurde auf dem Paul-Lincke-Platz von der Polizei kontrolliert, sein elektronisches Board wurde beschlagnahmt.
Mothna Al Husseen wurde auf dem Paul-Lincke-Platz von der Polizei kontrolliert, sein elektronisches Board wurde beschlagnahmt.

Polizei beschlagnahmt das Gefährt eines jugendlichen Flüchtlings auf dem Paul-Lincke-Platz in Wittenberge. Nun droht dem 16-Jährigen eine Freiheitsstrafe

23-76616880_23-77885790_1457459114.JPG von
06. Juni 2017, 21:00 Uhr

Mothna Al Husseen hat Ärger mit der Polizei. Und das aus einem Grund, der ihm unklar ist. Der 16-jährige Syrer war am Abend des 22. Mai auf dem Paul-Lincke-Platz in Wittenberge unterwegs – mit einem sogenannten E-Board. Das ist ein zweirädriges, akkubetriebenes Gefährt, das sich durch Gewichtsverlagerung fortbewegt – und das mit bis zu 15 Kilometern pro Stunde.

Da am besagten Montagabend an gleicher Stelle die AfD zu einer Kundgebung geladen hatte, waren auch Polizisten vor Ort, denen der Flüchtling mit dem ungewöhnlichen Untersatz gleich auffiel. „Sie haben das Board beschlagnahmt. Warum, haben sie nicht gesagt“, schildert Bärbel Treutler, die den Jugendlichen und dessen Familie aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit im Sprachcafé kennt. Das Board kaufte Mothna zusammen mit seiner Mutter im Internet bei einem Versandhändler. Sie vereinbarten eine Ratenzahlung der fälligen 230 Euro. Versprochen wurde auf der Internetseite, dass das Gerät der „perfekte Spaß für drinnen und draußen“ sei. „Es wird nicht gleich ersichtlich, dass das Board nicht auf öffentlichen Straßen bewegt werden darf“, kritisiert Treutler. Denn da liegt das Problem: Das Elektro-Brett hat keine Straßenzulassung und darf demnach nur auf Privatgrundstücken genutzt werden. Auf der Internetseite steht erst am Ende der Artikelbeschreibung, dass das Board nicht im Straßenverkehr verwendet werden darf. „Das wusste ich aber nicht. Ich möchte das Board gern zurück“, erzählt Mothna Al Husseen.

„Da für das Gerät keine Betriebserlaubnis vorgelegt werden konnte, ist zum Feststellen der tatsächlichen Leistungsstärke/Geschwindigkeit die Sicherstellung erforderlich“, so Polizeisprecherin Dörte Röhrs auf Anfrage. Der 16-Jährige, der einen Aufenthaltsstatus bis 2019 besitzt, hat nun Angst vor den rechtlichen Konsequenzen. Im Raum stehen Fahren ohne Fahrerlaubnis im öffentlichen Straßenverkehr und der Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz. Jeweils droht dem Jugendlichen laut Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe. Ein Ermessensspielraum bestehe nicht, da das Vorliegen einer Straftat nicht ausgeschlossen werden kann. „Eine Entscheidung wird durch das zuständige Amtsgericht getroffen“, so Röhrs. In wie weit der Aufenthaltsstatus von Mothna Al Husseen im Falle einer Verurteilung in Gefahr ist, konnte Oberstaatsanwalt Jürgen Schiermeyer aus Neuruppin am Dienstag nicht sagen.

Laut Bärbel Treutler überlegen die Ehrenamtler aus dem Sprachcafé, ob ein persönliches Gespräch mit der Polizei sinnvoll wäre. „Bisher haben sich Kontakte mit Einrichtungen wie Standesamt Perleberg, Bürgerbüro Wittenberge, Jobcenter Wittenberge, Wohngeld- und Elterngeldstelle des Landkreises, Bildungsträgern sowie den Wohnungsgenossenschaften immer als eine sehr positive ,Brücke’ erwiesen. Missverständnisse konnten ausgeräumt werden“, so Treutler.

Liebe Leserinnen und Leser,
im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserer Webseite haben wir unter diesem Text die Kommentarfunktion deaktiviert. Leider erreichen uns zu diesem Thema so viele unangemessene, beleidigende oder justiziable Kommentare, dass eine gewissenhafte Moderation nach den Regeln unserer Netiquette kaum mehr möglich ist. Wir bitten um Verständnis.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert