Perleberg : Adlig durch die Systeme

Das Hotel „Prinz Heinrich“ erhielt seinen Namen nach dem jüngeren Bruder des Kaisers Wilhelm II.
Das Hotel „Prinz Heinrich“ erhielt seinen Namen nach dem jüngeren Bruder des Kaisers Wilhelm II.

Das 64. Erinnerungsblättchen ist der Lehrerin Eva von Plotho gewidmet

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14. August 2019, 05:00 Uhr

Vor 35 Jahren, am 16. Juli 1984, starb die Lehrerin Eva von Plotho. Das 64. Erinnerungsblättchen ist der Lehrerin mit großem Namen gewidmet, so Martina Hennies vom Perleberger Kulturamt. Sie hat maßgebend an dem Blättchen mitgewirkt.

Die 1895 geborene Tochter eines adligen Gutsherren erlebte in ihrer Biografie den harten Übergang vom herausgehobenen Lebensstil der Adelsschicht Ende des 19. Jahrhunderts über die Zeit des Dritten Reiches zum Sozialismus. Da wurden bürgerliche Familientradition und Adelskultur diskreditiert. Immer wieder wandelt sich das offizielle Geschichtsbild, das die Lehrer vermitteln mussten.

Überhaupt durchlebte Eva von Plotho einige schwierige Zeitepochen. Bereits als sie Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Arbeit am Perleberger Lyceum aufnahm, machten die Zeitumstände das Leben und Lehren schwer. Anfang des 20. Jahrhunderts war eine eigenständige und berufstätige Frau keine Selbstverständlichkeit, das Unterrichten an höheren Schulen noch eine Männerdomäne, in der sie sich ihren Platz erkämpfen wollte.

Obgleich ihre Familie in direkter Verwandtschaft zu Elisabeth von Plotho stand, deren Schicksal Theodor Fontane in „Effi Briest“ verarbeitete, lebte die unverheiratete Eva von Plotho mit ihrem Lehrergehalt in bescheidenen Verhältnissen. Daher hätte der Verlust ihrer Berufstätigkeit existenzielle Folgen gehabt, wäre sie als Lehrerin gegen die nationalsozialistische Ideologie oder später als nicht konform mit der sozialistischen Ideologie missliebig aufgefallen.

Nachdem das Lyceum 1949 zur Erweiterten Oberschule (EOS) umgewandelt wurde, gab es besonders in den 1950 Jahren bis zum Mauerbau 1961 politische Maßregelungen von Schülern, von denen sich einige nach Westberlin oder in die Bundesrepublik absetzten, um Verhaftungen zu entgehen.

Eva von Plotho lebte nach ihrer Pensionierung 1955 in einer Wohnung in der Lenzener Straße 1, wo sie verstarb.

Die Rückseite des Erinnerungsblättchens enthält eine Beschreibung des ehemaligen Hotels in der Wittenberger Straße 35.

Zu erhalten ist das Erinnerungsblättchen wie die anderen auch in der Stadtinformation, Großer Markt 12.

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