Prignitzer Landwirtschaft : Ackerflächen werden immer teurer

Der Preis für landwirtschaftlichen Grund und Boden steigt deutlich an.
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Der Preis für landwirtschaftlichen Grund und Boden steigt deutlich an.

Quadratmeterpreis hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt / Kreisbauernverband ist in Sorge

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17. August 2016, 04:45 Uhr

In der Prignitz wird durch den Verkauf von Agrarflächen so viel Geld wie seit vielen Jahren nicht mehr umgesetzt. Im Vorjahr wechselten laut Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Prignitz 3250 Hektar den Besitzer, etwas mehr als im Vorjahr. Die Verkäufe haben sich nach einem Einbruch 2013 deutlich erhöht. Der Quadratmeterpreis hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt. Damals wechselten rund 3507 Hektar für 16,3 Millionen Euro den Besitzer. Im Vorjahr wurden für eine kleinere Gesamtfläche rund 37 Millionen Euro bezahlt. Spitzenreiter sind die Bereiche Putlitz, Triglitz und Meyenburg mit Durchschnittswerten von 1,4 0 Euro je Quadratmeter. Für besonders hochwertige Äcker werden 2,50 Euro je Quadratmeter gezahlt. 30 Prozent der Käufer kamen von außerhalb. Sie erwarben aber 57,4 Prozent der Fläche und zahlten 24 Millionen Euro, 63,9 Prozent des Gesamtumsatzes. Beide Werte lagen deutlich über den Zahlen von 2014. Es zeichnet sich ein Trend ab, dass für größere Flächen ein höherer Quadratmeterpreis erzielt wird.

Der Kreisbauernverband betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. Die Wirtschaftslage der Agrarbetriebe und die Bodenpreise stünden in keinem gesunden Verhältnis, betonte Vorsitzender Lothar Pawlowski, der Aufsichtsratsvorsitzende der Agrargenossenschaft Karstädt ist. Zu den Milchpreisen, die seit längerer Zeit für Verluste sorgten, kämen schwache bis durchschnittliche Ernten bei Getreide hinzu. Auch bei Raps liege der Ertrag ein Viertel unter den Vorjahren, wozu neue Pflanzenschutzvorgaben beitrügen. „In den Vorjahren haben wir Verluste aus der Milchproduktion durch Erlöse bei Marktfrüchten ausgeglichen, das geht in diesem Jahr nicht“, so Pawlowski. „Nur Mais bringt noch auskömmliche Erlöse.“

Höhere Bodenpreise bringen die Agrarbetriebe zusätzlich in Bedrängnis. Steigende Pacht- und Bodenpreise bedingen einander. Trotz der kritischen Erlösstruktur müssen die Betriebe mehr an die Verpächter bezahlen. Meist gehört den Agrargenossenschaften nur ein Drittel des bewirtschafteten Bodens. „Die Agrarbetriebe bemühen sich aus strategischen Gründen, und um die Betriebsstrukturen zu erhalten, in ihrem Bereich angebotene Flächen zu erwerben, auch wenn die Refinanzierung schwierig ist“, so Pawlowski. „Da beißen viele Betriebe in den sauren Apfel, denken an die nächste Generation. Deutlich schwerer ist es bei auswärtigen Verkäufen und Auktionen, dann kommen Prignitzer Agrarunternehmen häufig nicht zum Zuge.“

Betriebe aus den Altländern und Kapitalanleger gingen von anderen Berechnungsgrundlagen aus, erläutert Pawlowski. Zudem seien Investitionen in „Grund und Boden“ besonders nachhaltig, existierten ewig weiter. Ob die 30 Prozent Anteil dieser Käufer am Gesamtmarkt das reale Bild widerspiegeln, bezweifelt der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. Häufig würden Gesellschaften vor Ort oder Beauftragte eingesetzt, das verzerre die Statistik. Verkauft wird vorwiegend bei Betriebsaufgabe oder im Erbfall, wenn die Kinder und Verwandten außerhalb der Region leben, Erbengemeinschaften auszuzahlen sind.

Steigende Bodenpreise belasten auch Land, Landkreis und Kommunen, die Flächen für den Straßen- und Radwegebau, Hochwasserschutz, Wasserbauvorhaben und Areale für daraus folgende Ausgleichsmaßnahmen benötigen. Das Preisniveau bereitet auch Naturschutzstiftungen und anderen Trägern Probleme, die für Projekte Agrarflächen kaufen. Sie werden verpachtet und auf spezielle Weise bewirtschaftet, beispielsweise um geschützte Arten und Landschaftsbilder zu bewahren.  

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