Historische Landtechnik : Ablegen, binden, aufstellen

_mg_2638
Foto:
1 von 5

In Bendelin wird vorgeführt, wie einst mit Pferdegespann, Ableger und Mähbinder geerntet wurde

von
28. Juli 2014, 08:00 Uhr

Der Anlasser orgelt und orgelt, der Auspuff spuckt Qualmwölkchen in den blauen Himmel. Dann setzt sich der Mähdrescher vom Typ Fortschritt E175 vor vielen staunenden Besuchern in Bewegung. Hoch konzentriert sitzt Fahrer Rudi Krüger am Steuer und bedient gleichzeitig das Schneidwerk, während sein Kollege Rudi Krüger bereit steht, um bei Problemen mit dem Transport des Mähgutes einzugreifen.

„Als die beiden noch bei der LPG in Lohn und Brot standen, wurden sie nur ,Eins‘ und ,Zwei‘ genannt“, sagt Landwirt Karsten Krüger schmunzelnd. „Der Einfachheit halber.“ Krüger hat einen Teil seines Feldes am Ortsrand von Bendelin zur Verfügung gestellt, damit die Söllenthiner Joachim Heise, Günter Muxfeld und Harald Koherr, kurz HeiMuKo, mit ihren historischen Landmaschinen vorführen können, wie vor vielen Jahrzehnten Getreide geerntet wurde. „Das ist einfach toll, was die alten Herren hier zeigen. Die jüngeren kennen das ja alles nicht mehr“, sagt Krüger begeistert.

„Was uns eint, ist die Liebe zur alten Technik“, sagt Harald Koherr, während er einen rund 100 Jahre alten so genannten Ableger für die Vorführung bereit macht. „Das Gerät wird von Pferden gezogen, schneidet das Getreide ab und legt es sauber aufs Feld, so dass es anschließend gebunden werden kann. So wurde damals geerntet, das kann man sich heute kaum noch vorstellen.“

Wie recht er hat, bestätigen rund 30 Augenpaare von Schaulustigen, die gespannt verfolgen, wie sich Sven Toppel in den Metallsattel des Ablegers schwingt und die Pferde mit sanftem Gertenhieb antreibt. Die Maschine setzt sich in Bewegung, die Messer klappern, die Ablegearme rotieren durch die Luft. Und das Getreide fällt sauber ausgerichtet auf den Acker. „Das Teil fährt sich herrlich“, sagt Toppel, dem sein Vater Lothar die Bedienung des Ablegers erklärt hat. „Wenn meine Generation, ich bin 35, das nicht lernt, gehen Tradition und Wissen verloren.“

Zahlreiche Geräte haben die HeiMuKos im Laufe der Jahre restauriert und führen sie regelmäßig bei Erntefesten – auch weit über die Kreisgrenzen hinaus – vor. „Mähen, binden, dreschen – wir können nahezu alles zeigen, was einst zur Ernte gehörte“. „Und es macht wirklich großen Spaß, diese Tradition zu erhalten“, sagt Harald Koherr. „Und es ist sehr schöner, dass immer wieder so viele Besucher kommen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen