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Mal reingeschnuppert : „Aber bitte nicht zu kurz“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Auch Bello muss mal zum Friseur – ein Besuch bei Doreen Smolen in Wittenberges einzigem Hundesalon

svz.de von
erstellt am 17.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Auf den ersten Blick sieht der Salon von Doreen Smolen in der Rathausstraße aus wie jedes andere Friseurgeschäft. Es gibt eine Empfangstheke, Pflegeprodukte stehen in den Regalen, Scheren, ein Föhn und Schneidemaschinen warten auf ihren Einsatz. Doch beim Blick auf einen der Kunden wird klar: Es handelt sich um einen Hundesalon.

Im Moment sitzt Benny auf dem Frisiertisch. Regungslos lässt der Bolonka die Prozedur über sich ergehen. Er scheint es schon fast zu genießen, dass Doreen Smolen an ihm herum hantiert. „Aber bitte nicht zu kurz“, appelliert Frauchen Heidelore Schubel an die Fachfrau. „Nee, ich habe die Maschine etwas länger eingestellt“, beruhigt Doreen Smolen. „In der kalten Jahreszeit reichen neun Millimeter.“ Benny kommt schon seit acht Jahren ins „Pfötchenstudio“. Ein zufriedener Stammkunde. Auch diesmal scheint er mit seinem Schnitt glücklich zu sein. „Benny muss regelmäßig zum Friseur, etwa alle fünf bis sechs Wochen. Sonst verfilzen die Haare so schnell“, erzählt Frauchen Heidelore Schubel. Dann ist es auch schon vorbei. Benny schüttelt sich kurz, bekommt zur Belohnung ein Leckerli und geht zur Tagesordnung über.

Als nächste ist Betty dran. Auch sie ist Stammkundin. Die siebenjährige Shih-Tzu-Dame weiß, was sie erwartet und nimmt’s gelassen. „Sie ist ein richtiger Schoßhund. Shih Tzus sind ruhig und gutmütig. Wie wir Männer“, scherzt Herrchen Hartmut Vietz, der extra aus Seehausen (Altmark) in den Hundesalon nach Wittenberge gekommen ist. Ruckzuck fallen die Haare, Trockenschnitt ist angesagt. „Am Kopf und an den Pfoten wächst das Fell am schnellsten“, weiß Doreen Smolen. Als es aber an die Haare in den Ohren geht, zieht Betty ihren Kopf immer wieder weg. „Ich weiß, dass dir das nicht gefällt. Aber die Milben sollen sich doch nicht festsetzen können“, beschwichtigt sie Doreen Smolen. Bei der 46-Jährigen sitzt jeder Handgriff.

Bevor die Bentwischerin ihr Zertifikat als Hundefriseurin in Händen halten konnte, musste sie in Rostock eine mehrwöchige Ausbildung und eine Abschlussprüfung absolvieren. Das war im Jahr 2006. „Ich fand diesen Beruf interessant. Damals war ich mit meinen Tieren Kundin in einem Salon in Wittenberge. Aber den gibt es nicht mehr. Und dich dachte, ich versuche es mal“, schildert sie.

Seit 2007 führt sie ihren Hundesalon, der jetzt der einzige in der Gegend ist. Das „Pfötchenstudio“ hat Stammkunden, die bis von Lenzen, Dömitz oder Perleberg in die Elbestadt kommen. Ob ihre Kunden zufrieden sind, könne Doreen Smolen nicht sagen. „Sie lassen sich nichts anmerken. Aber einige geben beim Waschen spezielle Geräusche von sich, als ob es ihnen gefällt.“

Gelegentlich wird es auch mal brenzlig für die Friseurin. „Ein Hund hat mal zugeschnappt, war aber nicht so schlimm. Er hat mich nicht erwischt. Ein anderer kam schon mit Maulkorb her und hat geknurrt. Wenn die Tiere es nicht wollen, hat es keinen Sinn. Dann schicke ich die Herrchen wieder nach Hause.“

Sind denn ausgefallene Fellfarben oder extravagante Schnitte nachgefragt? „Nein. Meine Kunden sind bodenständig. Bei mir gibt es nur unterschiedliche Shampoos für weißes, oder dunkles Fell.“ Die Expertin empfiehlt, dass Hunde nur ein- bis zweimal im Jahr gewaschen werden sollten. „Alles andere schadet der Haut. Es sei denn, der Hund ist schmutzig.“ Übrigens sind auch Katzen gern im „Pfötchenstudio“ gesehen. Das verrät ja schon der Name. „Nur Meerschweinchen hatte ich noch nicht.“

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