Ab jetzt kann der Kirchturm wachsen

<strong>Die Zimmerei Gadow und Rose aus Perleberg</strong> arbeitet seit vergangener Woche am Grundgerüst   für die Kirchturmspitze.
Die Zimmerei Gadow und Rose aus Perleberg arbeitet seit vergangener Woche am Grundgerüst für die Kirchturmspitze.

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04. Juni 2012, 06:28 Uhr

Wittenberge | Bislang ist die evangelische Kirche mit ihrem Turm bis über die Elbe hinweg sichtbar. Das katholische Gotteshaus dagegen reiht sich eher unauffällig in die Häuser der Umgebung in der Innenstadt ein. In wenigen Monaten wird sich das ändern. Seit Ende Mai ist auf dem Pfarrhof geschäftiges Treiben angesagt. Hier entsteht die komplette Kirchturmspitze mit einer Höhe von 18 Metern, bevor sie mit Hilfe eines Krans auf den Mauersockel gehievt wird. Dann imponiert das Haus mit 42 Metern Höhe. Die katholische Kirchengemeinde als Bauherr hatte zuvor grünes Licht gegeben, nachdem die Finanzierung in trockenen Tüchern war.

"Wir wollen die Spitze originalgetreu nachbauen", erläuterte Günter Mikolasch, Vorsitzender des Fördervereins zum Wiederaufbau des zerstörten Kirchturms. Selbst an die Vieraltürmchen - die vier Spitzen an den Ecken wird gedacht. Diese werden allerdings erst aufgemauert, wenn der Turm aufgesetzt ist. Die Holzarbeiten übernimmt die Zimmerei Gadow und Rose aus Perleberg. Sie wird die kommenden Wochen das Grundgerüst anfertigen.

Der Schwellenkranz besteht aus Eichen-, die restliche Konstruktion aus Kiefernholz. Für die Dachbekleidung aus Kupfer konnte der Förderverein eine Firma aus Potsdam gewinnen. "Sie fertigen auch das 3,5 Meter hohe Kreuz mit der Kugel an", so Mikolasch. Künftig zeigt eine Uhr auch wieder die Zeit an. Ein Ziffernblatt wird an der Seite zum Marktplatz angebracht. Hier muss der Förderverein etwas vom Original abweichen: Das hatte vier Ziffernblätter.

Mit dem neuen Dach kann die katholische Kirche das alte Kapitel nach 65 Jahren schließen und die Vergangenheit besiegeln. Das bisherige schlichte Satteldach erinnerte an die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Am 10. April 1945 zerstörten Bomben auf Wittenberge auch den Turm.

Seit sechs Jahren hat sich der Förderverein den Wiederaufbau auf die Fahne geschrieben und die Werbetrommel gerührt. Nach sechs Jahren war für Mikolasch und seine Mitstreiter klar: "Wir können es schaffen." 150 000 Euro kostet das gewaltige Vorhaben. Davon trägt der Förderverein zwei Drittel, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken sowie das Kultusministerium Brandenburg beteiligen sich ebenfalls finanziell. "Ohne die vielen Spenden von den Bürgern, könnten wir das Vorhaben nicht umsetzen", sagt Mikolasch, "wir haben sehr viel Unterstützung erfahren nicht nur in Form von Geld, sondern auch von Aktivitäten, dafür möchten wir uns noch einmal recht herzlich bedanken." Niemals hätte er damit gerechnet, dass in so kurzer Zeit eine so stattliche Summe zusammenkommt.

Nicht mehr in den Händen des Fördervereins, aber dennoch eine wichtige Maßnahme ist die Neueindeckung des Kirchenschiffs, die die katholische Kirchengemeinde in Auftrag gegeben hat. Sind die Bauarbeiten am Kirchturm beendet, beginnen Dachdecker damit das Gebäude mit neuen Dachziegeln zu versehen. Die katholische Kirchengemeinde schlägt mit dieser Maßnahme zwei Fliegen mit einer Klappe, denn die Kosten für das Gerüst können durch die Nutzung am Turm gemindert werden. "Das Dach hätten wir sowieso machen lassen müssen", sagt Dekan Bertram Pricelius vom Pfarramt Wittenberge-Havelberg.

Insgesamt belaufe sich Bausumme beider Projekte auf 170 000 bis 180 000 Euro. Ist der Hof beräumt, sind die Bauarbeiten beendet, feiert die Kirchengemeinde im Herbst ein großes Fest.

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