Bombensprengung : Ab 8 Uhr wird es in Breese ernst

Der Sperrbereich reicht im Westen bis zum Raw-Gelände. Im Osten endet die Gefahrenzone im Breeser Amselweg.  Grafik: Amt B.W./W.
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Der Sperrbereich reicht im Westen bis zum Raw-Gelände. Im Osten endet die Gefahrenzone im Breeser Amselweg.

Etwa 180 Einwohner informieren sich über die geplante Bombensprengung am 31. März

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11. März 2016, 21:00 Uhr

Sachlich ging es bei der Einwohnerfragestunde zur geplanten Bombensprengung in Breese am 31. März zu. Etwa 180 Menschen kamen am Donnerstagabend zu der Veranstaltung ins Groß Breeser Dorfgemeinschaftshaus.

Die meisten Fragen drehten sich darum, wer für mögliche Schäden an den Häusern aufkommt, die in der 1000-Meter-Sperrzone liegen. „Wer zahlt, wenn meine Fenster kaputt gehen oder die Fassade Risse bekommt?“, fragte ein Bürger. „Das müssten Sie mit Ihrer Versicherung klären. Die würde dafür aufkommen, wenn Sie gegen Brände, Blitzschläge und Explosionen versichert sind“, erklärte Torsten Jacob, Direktor des Amtes Bad Wilsnack/Weisen.

Das bestätigte gestern auch Versicherungsmakler Maik Raband aus Breese gegenüber dem „Prignitzer“. „Wenn man den Bereich ,Feuer’ versichert hat, dann sind die Schäden automatisch abgedeckt.“

Gerd Fleischhauer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Brandenburg wies darauf hin, dass Schäden nicht ausgeschlossen werden könnten. Die Empfehlung des Experten: Fenster ankippen, damit eine starke Druckwelle durch das Gebäude hindurch kann. „Wer Jalousien hat, kann diese herunterlassen, aber dann bitte einen Spalt frei lassen.“

Angst vor Dieben, die die Ausnahmesituation ausnutzen und in die Häuser innerhalb der Sperrzone einbrechen, müsse niemand haben, betonte Jacob. „Wir sind an diesem Tag für die Sicherheit zuständig und sorgen dafür, dass niemand in die Sperrzone hineinkommt.“

Gerald Neu, Leiter des Ordnungsamtes Bad Wilsnack/Weisen, wies darauf hin, dass ein möglicher Stromausfall erst nach dem Ende der Sprengung beseitigt werden kann. „Das heißt, dass auch Breeser, die nicht in der Sperrzone wohnen, solange ohne Strom auskommen müssten.“

Am 31. März müssen die Einwohner, die innerhalb des 1000-Meter-Bereichs leben, bis 8 Uhr ihre Häuser verlassen haben. „Danach werden wir kontrollieren, ob tatsächlich jeder das Gebiet verlassen hat“, so Torsten Jacob. Er appellierte, dass jeder Betroffene die Vorgaben befolgen sollte. „Ansonsten muss die Polizei unmittelbaren Zwang anwenden und das muss ja nicht sein.“

Wer an dem Tag keine andere Möglichkeit hat unterzukommen, wird mit Bussen von den Haltestellen Perleberger und Wittenberger Straße in das Dorfgemeinschaftshaus nach Groß Breese gebracht. „Ich setze aber auf die Eigeninitiative der Menschen. Unsere Kapazitäten im Dorfgemeinschaftshaus sind begrenzt“, sagte Werner Steiner, Bürgermeister der Gemeinde Breese.

Ramona Pump ist von der Evakuierung betroffen und will sich am 31. März mit Bekannten „einen schönen Tag machen“. „Wir wollen grillen. Was die Sprengung betrifft, habe ich ein komisches Gefühl, weil man die Situation nicht kennt“, sagt sie.

Christel Wendt macht sich Sorgen um ihren Wintergarten. „Ich hoffe, die Scheiben halten, falls eine starke Druckwelle kommt.“ Christel und Detlef Walter haben in dem Zeitraum Urlaub und wollen mir ihrer Enkeltochter einen Ausflug machen. „Wir haben schon das Hochwasser überstanden und das werden wir auch packen. Man muss bedenken, dass die Bomben schon längst hätten explodieren können“, sagte Detlef Walter. Daher seien seine Frau und er froh, dass die Kriegsüberreste beseitigt würden.

Auf Wittenberger Stadtgebiet liegt unter anderem das Raw-Gelände in der Sperrzone. Daher bleibt das Werk am 31. März geschlossen. Laut Ordnungsamtschef Gotthard Poorten ist das Lkw-Fahrverbot in der Stadt an diesem Tag aufgehoben, damit Lieferverkehr das Industriegebiet Süd erreichen kann. „Wenn möglich, sollten die Firmen aber auf größere Lieferungen verzichten“, so Poorten.

Die Bohrungen im Erdreich neben dem Breeser Sportplatz sollen kommenden Dienstag beendet sein. „Danach untersuchen wir die Anomalien, die die Sonden festgestellt haben“, so Fleischhauer. Etwa 40 seien es bisher.

„Worum es sich genau handelt, wissen wir noch nicht. Vom alten Fahrrad bis hin zu Weltkriegsmunition und eben Fliegerbomben kann das alles sein“, so der Experte. Somit ist nicht hundertprozentig sicher, dass es sich um Bomben handelt. Aber die Wittenberger Stadtchronik berichtet von Luftangriffen der Alliierten im Frühjahr 1945.

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