Wittenberge : Clara-Zetkin-Park: Atomunfälle mahnen zum Handeln

Teilnehmer verlesen die Forderungen nach einer Energiewende ohne Atom und Kohle. Darunter auch Anja Piel und Ursula Nonnemacher (1. und 2. v. l.).
Teilnehmer verlesen die Forderungen nach einer Energiewende ohne Atom und Kohle. Darunter auch Anja Piel und Ursula Nonnemacher (1. und 2. v. l.).

Gedenken an acht Jahre Fukushima und 33 Jahre Tschernobyl im Clara-Zetkin-Park in Wittenberge.

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29. April 2019, 12:00 Uhr

Wittenberge | Besucher des Clara-Zetkin-Parks bleiben stehen, blicken zur Fujiyama-Kirsche, an der Menschen mit Schutzanzügen herumlaufen und gelbe Fässer mit dem Symbol „Vorsicht erhöhte Strahlung“ aufstellen. Sie beobachten die Vorbereitungen für das traditionelle öffentliche Gedenken an die Atomunfälle von Fukushima (11. März 2011) und Tschernobyl (26. April 1986). Aufgerufen hatte der Bündnisgrüne Wolfgang Herms. Noch in der DDR habe er aktiv in der Gesellschaft für Natur und Umwelt mitgearbeitet. „Gleich nach der Wende war ich aktiv beim Kampf gegen das Atomendlager in Gorleben dabei“, erzählt er.

Atomkatastrophen forderten zahlreiche Opfer

Mit diesem Gedenken, das es inzwischen seit 2014 in Wittenberge gibt, soll gleichzeitig die Forderung nach einer Fortsetzung der Energiewende untermauert werden, so Herms. 16 Teilnehmer sind dem Aufruf gefolgt, die meisten gehören zu Bündnis 90/Die Grünen, darunter auch die beiden Landtagsfraktionsspitzen aus Niedersachsen und Brandenburg, Anja Piel und Ursula Nonnemacher, die am Vortag in der Ölmühle getagt hatten.

Wolfgang Herms erinnert in seinen einführenden Worten an die zahlreichen Opfer, die die beiden Atomkatastrophen forderten. Nach Tschernobyl würden noch heute hunderttausende Betroffene an strahlenbedingten Krankheiten leiden. In Fukushima hätten 200 000 Menschen ihre Heimat verlassen müssen, „von denen noch heute 50 000 in Behelfsunterkünften leben und sich weigern in ihre verstrahlten Dörfer und Städte zurückzukehren“.

Unter den Teilnehmern ist auch Veronika Benecke vom Hilfswerk „Kinder von Tschernobyl“ aus Beuster. Ihr Verein, lädt seit vielen Jahren Kinder aus der weißrussischen Stadt Narowlja für vier Wochen nach Deutschland ein. „Eine Woche verbringen sie davon in Wittenberge“, erzählt sie. Dadurch wisse sie um die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. „Der Ort liegt an der Grenze zum verstrahlten Gebiet“, sagt sie. „Eigentlich sollte auch hier keiner mehr leben.“ In unmittelbarer Nachbarschaft zur Fujiyama-Kirsche stehen die drei Birken, die weißrussische Kinder hier pflanzten. Jungen und Mädchen aus Narowlja werden in einigen Wochen im Park sein, und der Katastrophe gedenken. Dies sei immer sehr beeindruckend sagt Wolfgang Herms, wenn sie dies mit weißrussischen Volksliedern tun.

Auch Dorothee Wauer von der evangelischen Kirchengemeinde Wittenberge erinnert sich an den Reaktorunfall. „Wir lebten damals in Mittenwalde. Und während in Westberlin Panik ausbrach, lief bei uns alles ganz normal weiter.“

Energiewende ohne Atom und Kohle

Die Teilnehmer im Clara-Zetkin-Park sind sich einig, dass Deutschland dringen eine Energiewende ohne Atom und Kohle benötige. Deshalb verlesen sie noch einmal die Forderungen der Deutschen Sektion der internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges, die diese am 11. März diesen Jahres veröffentlicht hatten. Nach dem Atomausstiegsbeschluss müssten zudem alle Kohlekraftwerke zügig abgeschaltet werden.

Es müsse jetzt dringend gehandelt werden, sind sich alle Anwesenden einig. Anja Piel und Ursula Nonnemacher loben das Engagement der Schüler mit ihrer „Fridays for Future“-Bewegung. „Sie haben aufgerüttelt, machen deutlich, dass wir ihre Zukunft zerstören“, so Piel. Allerdings müssen sie auch feststellen, dass die jungen Klimaprotestler am Sonnabend im Clara-Zetkin-Park fehlen.

„Natürlich werden wir hier von Wittenberge aus nicht das Weltklima reparieren“, sagt Anja Piel. Aber wenn jeder seinen Beitrag leiste, „dann haben wir etwas in Bewegung gebracht“. Mit einer Gedenkminute für die Opfer von Fukushima und Tschernobyl geht die Veranstaltung zu Ende. Doch das Thema lässt die Teilnehmer nicht los, in kleinen Gruppen stehen sie noch zusammen tauschen sich aus. Währenddessen bleiben die Parkbesucher wieder stehen, blicken rüber zur Fujiyama-Kirsche, wo noch immer Menschen in Schutzanzügen stehen, die jetzt die Fässer mit dem Symbol „Vorsicht erhöhte Strahlung“ einsammeln und verstauen, um sie spätestens in einem Jahr an gleicher Stelle wieder auszupacken.

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