Lenzen/Neuruppin : Briefzusteller in Nazi-Kleidung unterwegs

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Neuruppiner Unternehmen kündigte seinem Mitarbeiter, der in Lenzen Post zustellte.

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05. Februar 2019, 20:00 Uhr

Weil er im Dienst in Lenzen Naziklamotten getragen hat, ist ein Postbote des Neuruppiner Unternehmens „TurboPost“ nun gekündigt worden. Der Briefzusteller hatte sein Fahrzeug auf der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße geparkt. Doch anstatt, wie üblich, seine Post nur in den Kasten des direkt benachbarten Grundstücks einzuwerfen, und dann zum nächsten Haus weiterzufahren, ging er die ganze Straße zu Fuß ab. Ein „Prignitzer“-Leser, der diese Szene beobachtete, ist sich auch recht sicher, den Grund dafür erkannt zu haben. Denn der Mann trug keine Dienstkleidung von „TurboPost“. Stattdessen stellte er seine Briefe in einer schwarzen Jacke zu. Deutlich sichtbar waren die roten Buchstaben darauf: „Division 88“.

Was Eingeweihte wissen: Die „8“ ist eine Chiffre für den achten Buchstaben des Alphabets, das H. Die Zahl 88 codiert in rechten Kreisen also die Buchstaben „HH“, die Abkürzung für „Heil Hitler“. Der Leser unserer Zeitung stellte den Postboten daraufhin zur Rede, fragte ihn, ob er wisse, was die Symbole bedeuten. Der Mitarbeiter des Postdienstleisters antwortete ausweichend – und öffnete während des Gesprächs die Jacke. Auf dem darunter erkennbaren Shirt waren die Buchstaben NSDA erkennbar. Der „Prignitzer“ fragte deswegen bei der Polizeidirektion Nord nach. Die Antwort kam aus dem Staatsschutzdezernat: Weder die Jacke noch das Shirt des Mitarbeiters seien so verboten. „Dennoch begründen die Wahrnehmungen natürlich eine rechtsextreme Einstellung des Postboten.“

Das Unternehmen erklärte auf Nachfrage, dass bei „TurboPost“ grundsätzlich das Tragen von Dienstkleidung Pflicht sei. „Allerdings war es unser Versäumnis, den entsprechenden Mitarbeiter, der seit drei Wochen bei uns gearbeitet hat, noch nicht eingekleidet zu haben“, erklärte Geschäftsführer Matthias Bartsch. „Nachdem uns die Nachricht erreichte, dass der Mitarbeiter die beschriebene Kleidung trägt, wurde umgehend reagiert.“ Denn das Unternehmen distanziere sich von derartiger Kleidung und toleriere keine derartigen Auftritte. „Es gab umgehend Gespräche mit dem Mitarbeiter, dass wir dieses Verhalten in der Öffentlichkeit in Ausübung der Tätigkeit in keiner Art und Weise tolerieren können“, sagt Bartsch auf Nachfrage des „Prignitzer“. „Das Arbeitsverhältnis mit dem Mitarbeiter ist gekündigt.“

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