Kreiskrankenhaus in Perleberg : Medizintechnik in XXL

Öffnungen werden größer. Beim Computertomografen sind es 80 Zentimeter, weiß Medizintechniker Sebastian Böhm.
Öffnungen werden größer. Beim Computertomografen sind es 80 Zentimeter, weiß Medizintechniker Sebastian Böhm.

Ob MRT, Bett oder OP-Tisch – Krankenhaus achtet beim Einkauf auf die steigende Zahl fettleibiger Patienten.

svz.de von
22. März 2019, 20:00 Uhr

Die Menschen werden dicker. Fastfood und Bewegungsmangel sind die Hauptursachen für Übergewicht. Dabei nimmt auch die Zahl der extrem Übergewichtigen zu. Das führt zu Problemen beim Rettungsdienst, in Kliniken und verringert im Notfall die Überlebenschancen der Patienten. In einer dreiteiligen Serie wollen wir uns diesem Thema widmen. Heute:das Kreiskrankenhaus.

Patienten werden im Durchschnitt schwerer

Sebastian Böhm braucht in keine Statistik zu schauen, die die Zunahme der Fettleibigkeit mit Zahlen belegen würde. Wenn der Medizintechniker in den Bestellkatalog schaut, weiß er, dass Patienten im Durchschnitt schwerer werden. Die Industrie hat längst darauf reagiert. Geräte und Öffnungen werden größer, die Tragekapazität nimmt zu.

Als das Haus 2003 eröffnet wurde, waren die Betten für ein Gewicht zwischen 130 und 170 Kilogramm ausgelegt. „Heute sind es 230 bis 270 Kilo einschließlich der Matratze“, sagt Böhm. Fast alle Betten im Haus seien jetzt auf diesem Standard. Schwerlastbetten könnten ein noch größeres Gewicht tragen. „Falls wir ein solches brauchen, bekommen wir das von einer Leihfirma geliefert.“

Es gibt speziell für die Intensivstation mit Luft gefüllte Matratzen. Sie sollen bei übergewichtigen Patienten das Risiko des Wundliegens verringern. „Man kann sie punktuell unterschiedlich stark mit Luft befüllen, die Druckpunkte verschieben“, erklärt Böhm. Patientenstühle sind bis zu 150 Kilogramm Körpergewicht ausgelegt. Für die Geriatrie hat die Klinik Stühle mit bis zu 180 Kilogramm angeschafft.

Von den vier OP-Tischen im Haus ist bisher einer erneuert worden. Hatten die alten eine Obergrenze von 225 Kilogramm, verkraftet der neue 400 Kilogramm. „Seine Platten sind verbreitert und verlängert worden, es gibt diverses Zubehör.“

Hersteller vergrößern die Öffnungen

Hersteller von Computertomographen und von MRT-Geräten haben die Öffnungen vergrößert. Das 2012 neu erworbene MRT hat eine im Durchmesser 70 Zentimeter große Öffnung. „Das ist heute Standard. Bei Vorgängermodellen waren es 60 Zentimeter“, so Böhm. Ähnlich der Computertomograph. Seine Öffnung hat einen Durchmesser von 80 Zentimetern.

Das schlägt sich im Preis nieder. Mehr verbautes Material macht die an sich schon teure Medizintechnik noch teuerer. Ein Krankenhausbett kostet im Schnitt 2000 Euro. Spezialgeräte ein Vielfaches. Auch Nebenkosten steigen. Großgeräte verbrauchen mehr Strom, müssen stärker gekühlt werden. Teilweise werden komplett neue Hilfsmittel erfunden, so wie der Patientenlifter. Ein am Oberkörper befestigter Gurt hilft beim Aufrichten und Gehen. Er kann bis zu 200 Kilogramm anheben.

Das Thema macht vor keiner Abteilung im Haus halt. Selbst vor der Prosektur nicht. Dort werden die Leichen aufbewahrt. „Die Türöffnungen können in manchen Fällen zu klein sein“, sagt Geschäftsführer Karsten Krüger.

Die schwerer werdenden Patienten bedeuten trotz diverser technischer Hilfsmittel auch für das Personal eine höhere körperliche Belastung. Das zeige sich an einer Zunahme von Erkrankungen an Bandscheiben und dem Stütz-und Wirbelsystem, so Krüger.

Auf das globale Problem Übergewicht hat das Haus mit seinem Ernährungsberaterteam reagiert. Ursprünglich mit drei Mitarbeitern gestartet, sind es heute fünf. Sie geben den stationären Patienten Hinweise für die Verpflegung, führen Einzel- oder Gruppengespräche. Ebenfalls beraten sie ambulante Patienten und machen im Bedarfsfall Hausbesuche.

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