Arbeiten in der Prignitz : Aus Kollegen wurden Freunde

Daria Nazarkina (l.) und Mareike Müller haben auch in ihrer Freizeit viel Zeit miteinander verbracht und sind Freundinnen geworden. Diese Informationstafel steht auf dem Gelände des Besucherzentrums. An deren Erarbeitung hat Mareike Müller von Anfang bis Ende mitgearbeitet.
Daria Nazarkina (l.) und Mareike Müller haben auch in ihrer Freizeit viel Zeit miteinander verbracht und sind Freundinnen geworden. Diese Informationstafel steht auf dem Gelände des Besucherzentrums. An deren Erarbeitung hat Mareike Müller von Anfang bis Ende mitgearbeitet.

Mareike Müller und Daria Nazarkina arbeiten als Freiwillige im Besucherzentrum in Rühstädt

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07. Mai 2019, 05:00 Uhr

Schulabschluss in der Tasche – und was dann? Diese Frage stellen sich derzeit wieder viele junge Prignitzer Schüler. Neben Auslandsjahr, Studium und Ausbildung gibt es die Möglichkeiten, an einem Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder einem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) teilzunehmen. Mareike Müller, 18 Jahre alt (BFD), und Daria Nazarkina, 19 Jahre (FÖJ), arbeiten seit September im Besucherzentrum Rühstädt. Beide sind für ihre Arbeit in die Prignitz gekommen und fühlen sich hier wohl. Sie sprachen mit Volontär Paul Grotenburg.

Sie kommen beide nicht aus der Prignitz. Wo ist Ihre Heimat und warum arbeiten Sie hier in Rühstädt?
Mareike Müller: Ich komme ursprünglich aus Diepholz in Niedersachsen. Nach meinem Abitur im vergangenen Jahr wusste ich noch nicht so genau was kommt. Ich wollte aber viele verschiedene Erfahrungen sammeln und neue Aufgaben kennenlernen, um mich für einen späteren Beruf zu orientieren. Da ich mich schon länger für Naturschutz interessiere, habe ich in diese Richtung recherchiert und mich bei passenden BFD-Einsatzstellen beworben. Am Ende habe ich den Zuschlag in Rühstädt bekommen.
Daria Nazarkina: Bei mir war es ähnlich. Nur dass meine Heimat etwas weiter entfernt ist. Ich komme aus Moskau. Da ich sehr an Sprachen und Natur interessiert bin, wollte ich auch diese beiden Interessen verknüpfen. Mein Bruder, der in Berlin lebt, hat mich dann auf verschiedene deutsche Internetseiten hingewiesen, und so bin ich auf die Stelle in Rühstädt aufmerksam geworden, habe mich beworben und es hat geklappt. Anschließend habe ich als Vorbereitung sechs Monate einen Deutschkurs besucht.

Sie absolvieren auf dem Papier unterschiedliche Arten von Freiwilligendiensten. Unterscheiden sich auch Ihre Aufgaben?
Müller: Nein, wir machen beide das Gleiche. Es sind lediglich andere Bezeichnungen und in der Regel auch von unterschiedlichen Träger organisiert. Und die Zielgruppe variiert etwas. Der Bundesfreiwilligendienst ist für Menschen zwischen 16 und 99 Jahren, das Freiwillige Ökologische Jahr richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren.

Wie sehen Ihre Aufgaben aus?
Müller: Man muss zwischen Winter- und Sommersaison unterscheiden. Gerade jetzt, wo viele Touristen hier ins Besucherzentrum kommen, arbeiten wir in der NABU-Ausstellung, wo wir Fragen der Besucher beantworten und Hinweise zur Region geben. Im Winter sind es komplett andere Aufgaben. Da habe ich zum Beispiel an der Erstellung einer Informationstafel, die hier auf dem Gelände aufgestellt wurde, mitgearbeitet. Das Thema lautet „Temporäre Kleingewässer“. Ich musste mich dafür sowohl in das Thema als auch in die unterschiedlichen Computerprogramme einarbeiten.
Nazarkina: Ich habe währenddessen viele Flyer und Poster entwickelt. Und wir haben Nistkästen gebaut, die wir momentan im Shop-Bereich der Ausstellung verkaufen.

Was war Ihr persönliches Highlight bei der Arbeit bisher?
Müller: Für mich ganz klar die Infotafel. Ich habe von der Recherche bis zum Aufstellen an allem mitgearbeitet. Es war cool, ein Projekt von Anfang bis Ende zu begleiten und jeden Schritt mitzuerleben.
Nazarkina: Puh, gar nicht so leicht zu beantworten. Ich habe viele spannende Aufgaben erlebt. Dabei muss ich gestehen, dass ich etwas ganz anderes erwartet habe, als ich mich beworben habe.

Inwiefern?
Nazarkina (lacht): Ich habe gedacht, ich arbeite viel mit Tieren. Das war jedoch nicht so. Keine Frage, ich habe viel Zeit in der Natur verbracht, aber ich war mindestens genau so viel im Büro und habe dort am Computer gearbeitet.

Waren Sie enttäuscht, als Ihre Erwartungen sich nicht bestätigten?
Nazarkina: Nein, ganz und gar nicht. Ich war einfach überrascht und wenn ich mich nun für ein Highlight entscheiden muss, dann hat mir vor allem das Planen und Entwickeln von Flyern und Plakaten sehr viel Spaß gemacht.

Rühstädt ist keine Metropole und auch nicht unbedingt der Ort, an dem sich junge Leute nach ihrem Abitur aufhalten wollen. Wie sieht Ihre Freizeit aus?
Müller: Das stimmt, trotzdem wurde uns nicht langweilig. Wir hatten jeder unser eigenes Zimmer im Besucherzentrum. Dort wohnen wir zusammen mit weiteren Freiwilligen, die bei der Verwaltung des Biosphärenreservats arbeiten. Da gibt es genug Gelegenheit, Zeit miteinander zu verbringen: An Spieleabenden, beim Fahrradfahren oder beim gemeinschaftlichen Kochen.
Nazarkina: Das stimmt, wir alle haben viel zusammen erlebt und sind sehr gute Freunde geworden.

Welche Tipps geben Sie interessierten jungen Leuten, die gerade im Abistress stecken und sich Gedanken über ihre Zukunft machen? Was müssen Sie mitbringen für ein FÖJ oder den BFD?

Müller: Auf jeden Fall sollten sie Spaß im Umgang mit Menschen haben und ein hohes Interesse für die Natur mitbringen. Außerdem sollten sie teamfähig sein, denn wir alle arbeiten sehr eng zusammen.

Wie sieht Ihre persönliche Zukunft aus?
Müller: Ich möchte in Lüneburg Nachhaltigkeitswissenschaften und Kulturwissenschaften studieren. Für meine berufliche Karriere kann ich mir vorstellen, als Journalistin im Bereich Naturschutz tätig zu werden und so Menschen zu erreichen und zu bewegen.
Narzarkina: Ich werde nach Russland zurückkehren. Auf Dauer ohne Familie und die Freunde in einem anderen Land zu leben, ist schwer. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen wiederzukommen. Auch, um meine Sprache weiter zu verbessern. In Moskau würde ich gerne Sprachwissenschaften studieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

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