94 Kilometer im Laufschritt

Marion Krieg mit einem Teil der Läuferriege. Alle fürs Foto zusammenzubekommen, ist schwer machbar, da auch ehemalige Schüler starten.
Marion Krieg mit einem Teil der Läuferriege. Alle fürs Foto zusammenzubekommen, ist schwer machbar, da auch ehemalige Schüler starten.

Arnold-Gymnasium startet ein letztes Mal beim Lauf zwischen den Meeren / Wehmut schwingt mit, doch Einsatz ist mittlerweile zu hoch

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09. April 2015, 14:30 Uhr

Am 30. Mai ist es wieder soweit: 600 Mannschaften schicken ihre Läufer auf die Strecke quer durch Schleswig-Holstein von Husum an der Nordsee bis Damp an der Ostsee. Zum 10. Mal startet der Lauf zwischen den Meeren und zum 8. Mal dabei, das Gottfried-Arnold-Gymnasium. „Ein letztes Mal“, ergänzt Marion Krieg. „Für uns ist es nicht nur ein großer organisatorischer Aufwand, Unterbringung und Startgeld kosten immer mehr. Ohne die Startprämie für den Sieg unserer Schülermannschaft 2013 hätten wir es jetzt schon nicht stemmen können“, gesteht die stellvertretende Schulleiterin.

Als die Prignitzer das erste Mal in Husum die Laufschuhe schnürten, da war die Konkurrenz mit unter 100 Teams noch recht überschaubar. Heute sind es 600 und alles bekommt immer mehr einen professionellen Touch. Schülerteams können da rein vom Finanziellen kaum noch mithalten, so Marion Krieg. Ein wenig Wehmut ist nicht zu überhören. „Es hat immer riesen Spaß gemacht, es war einfach etwas Besonderes.“

Einst hatten Marion Krieg und ihre Kolleginnen dieses Sportevent im Internet entdeckt und als bald auch die Schüler dafür begeistert. Bis auf 2014 war das Perleberger Gymnasium fortan jedes Jahr mit am Start, die letzten Jahre sogar mit zwei Mannschaften.
Zehn Läufer schickt jedes Team auf die Strecke, nach durchschnittlich acht bis elf Kilometern wird der Staffelstab an den nächsten übergeben. Nach gut 94 Kilometern ist dann das Ziel in Damp erreicht.

Noch einmal will die Mannschaft der Perleberger Penne alles geben. Zum ersten Mal hat Marion Krieg, die von ihrer Kollegin Dorit Köhn unterstützt wird, die Qual der Wahl. „Es wollen mehr mitmachen, als wir auf die Strecke schicken können.“ Die Wahl fiel so auf jene, die sich all die Jahre besonders engagierten. „Ich denke, wir haben wieder eine gute Mischung von gestandenen Läufern und Erststartern.“

Mit Ludwig und Friedrich werden die Kuhns, die inzwischen längst studieren, dieses Mal nur als Duo starten. Das Team der Ehemaligen vervollständigen Lisa Herr, Sarah Böhm, Stephan Krakow und Julia Bausemer. Letztere wird als Startläuferin ins Rennen gehen – „Hut ab, denn auf ihr ruht eine große Verantwortung. Sie muss für uns im Starterfeld eine gute Ausgangsposition erkämpfen. Das ist überhaupt der schwierigste Part“, so Marion Krieg. Bis dato war das Stephan Krakows Rolle, die er überaus erfolgreich meisterte. Doch beim letzten Mal will er den Lauf nach Hause bringen, sprich Schlussläufer sein.

Die Youngster in der Truppe sind Justus Petrick, Herrmann Arndt und Felix Thonagel, alle Klasse 12. „Wir machen das Sportabi, trainieren entsprechend. Da ist der Lauf eine gute Vorbereitung“, so die drei. Mit von der Partie auch wieder Schulsekretärin Silvia Buss und mit 46 Jahren auch die Erfahrenste in der Staffel. Für sie war es keine leichte Entscheidung. Eine schwere Krankheit setzte sie 2014 für ein dreiviertel Jahr komplett außer Gefecht. Sie weiß, wie es sich anfühlt, auf einen Rollator angewiesen zu sein. „Zuhause habe ich ihn genommen, auf der Straße habe ich mich nicht getraut“, gesteht sie. Inzwischen läuft sie wieder, trainiert für Husum. „Zehn, elf Kilometer schaffe ich schon, aber nicht wettkampfmäßig.“ Ein wenig Angst habe sie schon zu versagen, trotzdem will sie dabei sein. „Mit jungen Leuten zu laufen, ist was anderes. Schon fühlt man sich nicht mehr so alt und krank.“

Es ist die Atmosphäre, die die Perleberger jedes Jahr aufs Neue fasziniert. „Und darauf freuen wir uns wieder besonders“, gesteht Ludwig Kuhn.

An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an all die Sponsoren, die über die Jahre dazu beitrugen, dass das Gottfried-Arnold-Gymnasium faktisch als Botschafter aus der Prignitz im Laufschritt zwischen den Meeren von sich Reden machte. 

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