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Dorfjubiläum : 775 Jahre Geschichte auf Rädern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein kleines Dorf blickt zurück: 775 Jahre genau, denn so alt ist Dallmin laut urkundlicher Ersterwähnung. Und das wurde seit Donnerstag gefeiert.

Ein kleines Dorf blickt zurück: 775 Jahre genau, denn so alt ist Dallmin laut urkundlicher Ersterwähnung. Und das wurde seit Donnerstag gefeiert mit Theater, Festveranstaltung, Gottesdienst und toller Geburtstagsparty. Der Hingucker aber war der Festumzug. In rund 50 Bildern, liebevoll und zum Teil sehr aufwändig gestaltet, wurde die Geschichte des Dorfes in Teilen wieder lebendig. Und der Clou: Sie rollte als Tross auch durch die große Festscheune. Riesen Kompliment den Machern.

Für Hans-Ulrich Schwieger und Christine Henning ist das ein bisschen der krönende Abschluss. Der Ortsvorsteher hat den Staffelstab nun an einen jüngeren weitergeben.


Dorf hatte alles, was man zum Leben brauchte


Und Christine Henning hat ihre „erste Broschüre“ herausgebracht. Als sie im Juni 2013 aufhörte zu arbeiten, da wollte sie im örtlichen Heimatverein eigentlich nur ein wenig mitmachen bei den Jubiläumsvorbereitungen. Draus geworden ist eine Festschrift mit dem geschichtliche Abriss von Dallmin. „Das Schwere war, auf wenig Platz, viel zu erzählen“, gesteht sie offen ein. 15 Briefe hatte sie im November 2013 an Vereine verschickt mit der Bitte, sie mit Chroniken und Bildern zu unterstützen. Und dann brach eine Flut über sie herein. „Allein die Feuerwehr ist 100 Jahre alt und hat eine Menge zu erzählen.“

Ob Kreisringbahn, Sparverein „Falscher Fuffziger“, Karnevalsklub oder Jagdgenossenschaft – das kleine Dorf hatte und halt viel zu bieten. Einzig um Handel und Wandel ist es sehr ruhig geworden, gesteht Christine Henning. Als sie 1972 nach Dallmin kam, „da brauchte man nirgends hinzufahren“. „Wir hatten alles am Ort – Schuster, Bäcker, Arztpraxis, Gemeindeschwesternstation, zwei Konsum-Verkaufsstellen, Textilladen, Apotheke, Post, Schule und …“ Heute gibt es Gott sei Dank noch die Kita und „Sparmüller“, wie der kleiner Laden im Dorf genannt wird. 1920 erbaut, betrieben die Vorfahren des heutigen Besitzers hier eine Bäckerei und ein Tanzcafé.

Ja, auch das hatte Dallmin zu bieten wie auch ein Schloss. Letzteres gibt es immer noch, in den Jahren haben aber die Besitzer und Bewohner gewechselt, weiß Christine Henning zu berichten. Familie Detloff von Winterfeld errichtete 1567 im Renaissancestil den Rittersitz. In der Dorfkirche erinnert heute noch ein Epitaph aus dem Jahre 1610 an Detloff von Winterfeld. Es ist übrigens das älteste Bildnis, „faktisch das Urbildnis“ des Adelsgeschlechts, so die Chronistin.

Als es keine männlichen Winterfeld-Nachfolger mehr gab, ließ der königlich-preußische Staatsminister a. D. Gustav von Jagow 1808 auf den mittelalterlichen Fundamenten ein barockes Schloss erbauen. Auch diese Linie starb aus. Die von Podbielski wurden die neuen Besitzer. Doch noch im gleichen Jahr starb Theophilus von Podbielski. Somit wurde seine Sohn Victor im Alter von 35 Jahren Gutsbesitzer und Patron der Kirche. Und er schuf viel für die Region, für Dallmin. Nicht von ungefähr galt er als Wegbereiter moderner Produktionsmethoden. Er ließ bauen und das „in fester Ausführung“, sprich ob Haus, Schnitterkaserne oder Scheue, alles wurde gemauert. Noch heute tragen Gebäude im Dorf die Initialien VvP, so auch die große Scheune, in der am Wochenende gefeiert wurde. „Er prägte das Gesicht unseres Dorfes“, erzählt Christine Henning. Denn der Bau der Kreisringbahn 1911 und im gleichen Jahr der Stärkefabrik gehen mit auf sein Konto. Für die Dallminerin um so unverständlicher, dass es ihn zu DDR-Zeiten nicht gab, er keine Rolle in der Schule spielte. Stichwort Schule: Auch wenn heute Dallmin keine mehr hat, auf eine lange Geschichte kann sie dennoch verweisen. Bereits im Jahre 1600 war die Rede von einer von der Kirche geführten Matricula.

Noch bis ins 18. Jahrhundert hielt sich diese Parallelität von Kirchen- und Lehramt. Übrigens, entlohnt wurde der Kantor/Küster mit Naturalien, kleinen Stücken Land und Barem. Drei Pfennig flossen aus dem Gotteshaus, drei kamen vom Pfarrer, jedes Haus zahlte zwei Pfennig wie auch jede Braut.

Viele spannende Geschichten hat die Dallminerin ausgegraben, sich erzählen lassen und mit Unterstützung des Dorfes für die Festschrift zusammengestellt. Und sie hat mehr als 800 Fotos im vergangenen Sommer geschossen. Zum 775. Dorfgeburtstag bekam so jeder Haushalt sein eigenes Foto als Postkarte, auf dem einen oder anderen ist gar der Hausherr zu sehen. Gerade die Älteren waren sichtlich erstaunt, ihr Haus auf einer Postkarte zu sehen. „Allein das Verteilen hat mir riesigen Spaß gemacht. Wir haben schon viel gelacht“, gesteht Henning. „Und es hat uns alle noch wieder ein Stück mehr zusammen geführt.“


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erstellt am 02.Jun.2014 | 12:00 Uhr

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