Dorfgeschichte Pinnows mit Verbindung in die USA : 750 Jahre auf 60 Chronik-Seiten

Eine Reproduktion der Ersterwähnungsurkunde, die in Magdeburg lagert: „Hinricus de Pinnowe“ und eine Siedlung werden schon 1265 genannt, eine Ortsgründung nicht. Deswegen wird für Pinnow erst das Jahr 1266 als Gründungsjahr festgelegt.  Repro: Dorfchronik
Eine Reproduktion der Ersterwähnungsurkunde, die in Magdeburg lagert: „Hinricus de Pinnowe“ und eine Siedlung werden schon 1265 genannt, eine Ortsgründung nicht. Deswegen wird für Pinnow erst das Jahr 1266 als Gründungsjahr festgelegt. Repro: Dorfchronik

Um Pinnows Dorfjubiläum vorzubereiten, wurden sogar handschriftliche Zeugnisse und Bilder aus den USA genutzt

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15. Juni 2016, 15:00 Uhr

Wie die Jungfrau zum Kinde kamen Klaus und Ingetraut Räder nach eigenen Angaben ins Festkomitee, das sich seit Monaten mit der Vorbereitung von Pinnows großem Dorfgeburtstag am kommenden Wochenende befasst. „Einer sagte, mach’ mal die Chronik“, sagt Klaus Räder. Und so machten sich er und seine Frau sowie Ursula Wulkow, Edeltraut Draegert, Hartmut Rusch und andere Mitstreiter an die Aufarbeitung, für die es galt, ein dreiviertel Jahrtausend Pinnower Geschichte aus Quellen und Zeitzeugenberichten zu rekonstruieren.

„Wir haben uns im vergangenen Jahr zusammengesetzt. Wir wussten von einer älteren, handschriftlichen Chronik. Da waren Kopien in Amerika unterwegs. Die Eltern von Edeltraut Draegert kannten noch eine Auswandererfamilie namens Herrlinger. Deren Nachfahren haben das Material gesucht und uns geschickt.“ Altes Bildmaterial wurde so verfügbar und auch das Historische Ortslexikon von Liselotte Enders half mit vielen Fakten aus. Kurz vor Abschluss der Recherchen fiel ihnen eine alte Schulchronik in die Hände „Leider konnten wir davon nicht mehr so viel einarbeiten, aber wer sich um das 775. Jubiläum kümmert, der hat noch viel Material übrig“, so Klaus Räder.

Seit über 25 Jahren wohnen die Räders in Pinnow, Ingetraut Räder ist gebürtige Pinnowerin. Auch für die Eheleute war manches in der Ortsgeschichte neu. „Mit all den Quellen, die wir gelesen haben, wurde es immer interessanter. Zum Beispiel hatten hier zwei Rittergüter bestanden. Wir haben die Besitzverhältnisse von 1266 bis 1945 ergründet“, so Klaus Räder. Dann kam nach der Wende eine große Phase des landwirtschaftlichen Umbruchs. Die einschneidendsten Ereignisse sind wohl der Dreißigjährige Krieg, an dessen Ende nur noch drei Einwohner in Pinnow lebten, und der große Dorfbrand von 1843.

Aus der jüngeren Geschichte erfährt man etwas über den Fernmeldeturm Pinnow – mit 121 Metern das höchste Gebäude in der Prignitz – der von 1959 bis 1961 erbaut wurde. Benötigt wurde er, um Fernsehsignale von Adlershof nach Schwerin zu übertragen. Und eine kleine Entdeckung hielt die Recherche auch noch bereit: Auf alten Bildern erkannte Klaus Räder, von Haus aus gelernter Maschinenbauingenieur, dass die Kirche früher über eine Turmuhr mit einem Holzzifferblatt verfügte. „Das Uhrwerk haben wir im Kirchturm gefunden. Es zu reparieren würde wohl tausende Euro kosten.“

Wer mehr erfahren will, der kann die Chronik ab Freitag auf dem Festgelände kaufen. 125 Exemplare wurden zunächst gedruckt. Die Hefte mit knapp 60 Seiten sollen allen Interessierten zum Selbstkostenpreis angeboten werden. „Und zehn Stück gehen nach Amerika“, verrät Klaus Räder.

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