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Oberschule simulierte Europawahl : 54 Prozent der Schüler wählten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Friedrich-Gedike-Oberschule simulierte Europawahl / NPD-Ergebnis sorgt für reichlich Diskussionsbedarf

von
erstellt am 22.Mai.2014 | 08:00 Uhr

Robert Wieneke ist 15 Jahre jung und besucht die Friedrich-Gedike-Oberschule. „Für die Wahl habe ich noch nicht das Alter. Heute aber darf ich bereits ein Kreuz auf der Stimmzettel für die Europawahl machen“, sagt er und verschwindet hinter einer Wand aus Aufstellern. Er finde die Sache nicht schlecht. „Indem man den Wahlzettel durchliest, beschäftigt man sich auch damit. Außerdem habe ich mir genauer die Wahlplakate angesehen, die Gesichter und was sie sagen.“ Aufs Onlineportal habe Robert zudem geschaut, den Wahlomat genutzt und nun entsprechend sein Kreuzchen gemacht.

Ausschlaggebend für die am Sonntag anstehend Europawahl ist dieses jedoch nicht. „Aber wir haben die Wahl schon mal probiert“, fügt Larah Scheuer an. Sie besucht die 7. Klasse und gehört dem Wahlvorstand an. Gemeinsam mit den Sozialarbeiterinnen des Jugendhilfe Nordwestbrandenburg e. V. (JNWB) Karin Konopka und Claudia Hinze haben sie das Szenarium einer Europawahl organisiert.

Rund 360 Schüler der 7. bis 10. Klasse besuchen derzeit die Oberschule. Sie alle waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. „Ganz freiwillig“, ergänzt Larah. Sie selbst hat sofort ihre Mitarbeit zugesagt, als darum ging, die Wahl vorzubereiten. „Mal dabei zu sein und irgendwie war ich auch neugierig, wie so was abläuft“, gesteht sie. Wieviel Arbeit das macht, das hätten sich die Siebentklässler nicht träumen lassen. „Seit Februar binden sie zwei bis drei Stunden wöchentlich ans Bein“, ergänzt Karin Konopka.

Larah ist der kreative Typ im Wahlvorstand. Sie hat unter anderem die Info-Tafeln mitgestaltet, aber eben auch beim Verteilen der Flyer Gespräche geführt. „Klar kostet das Überwindung gerade mit den Älteren ins Gespräch zu kommen“, räumt sie ein. „Gib her – schmeiß ich doch weg“, bekam sie da schon mal zur Antwort. „Doch letztlich sind sie zur Wahl gekommen.“

Wie sich zeigt, haben Larah und ihr „Trupp“ viele motiviert abzustimmen. „Ich glaube, wir müssen noch Wahlscheine nachdrucken“, ruft in diesem Augenblick Charlotte Ullmann.

Die Wahlbeteiligung lag am Ende bei 54 Prozent –ein super Ergebnis angesichts der viel zitierten Wahlmüdigkeit bei den Erwachsenen. Und doch ist da ein bitterer Beigeschmack. Ein Blick auf das Wahlergebnis sagt warum: 23 Prozent erhält die SPD, 19 Prozent die CDU, 18 Prozent die NPD und 13 Prozent die Linke. Abgeschlagen: Grüne mit drei Prozent, AfD mit zwei Prozent wie noch etliche der insgesamt 24 Parteien und Vereinigungen auf dem Wahlzettel.

Für die Jugendsozialarbeiterin schellen da schon die Alarmglocken, auch wenn etliche womöglich ihr Kreuz bei der NPD gemacht haben um zu sehen, „was wir nun tun“, ist sich Karin Konopka sicher. Für sie heißt das, „mit der Wahl ist nicht alles zu Ende. Ich weiß, wo ich einmal mehr ansetzen muss“.

Auch Schulleiterin Gisela Hauck betont, dass das Ergebnis Thema auf der nächsten Lehrerkonferenz ist, „wir uns abstimmen, wie wir mit den Schülern, dieses Ergebnis be- und auswerten.“ Auch wenn der eine oder andere mit seinem Votum vielleicht nur provozieren wolle, das Thema muss diskutiert werden. Das Erscheinungsbild der Schule sei aber nicht so, betont die Schulleiterin, wohlwissend, dass sich jene, die sich dieser Gesinnung anschließen, die nicht unbedingt zur Schau trügen. Doch es gebe leider auch andere Beispiele, bestätigt Gisela Hauck, zu finden unter anderem im Hausaufgabenheft eines Schülers. „Wir haben Berichte geschrieben, Anzeige erstattet, die ganze Sache ging zur Staatsanwaltschaft“, berichtet sie. Die Antwort von dort: Die Sache sei nicht strafrelevant, da ein Hausaufgabenheft nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Derartiges auf der Schulbank oder Hauswand – und schon sehe die Sache anders aus. „Für uns ist das Hausaufgabenheft aber die Verbindung zwischen Elternhaus und Schule“, betont Hauck. Erhalte man dann so eine Antwort, fühle man sich von der Rechtsbehörde wenig unterstützt. Zudem sei sie, wie auch etliche Schüler, die sie ansprachen, nicht gerade glücklich darüber, dass unmittelbar vor der Schule ein Wahlplakat der NPD hänge. Es zu entfernen, sei Sachbeschädigung, denn die Partei ist nicht verboten. „Unsere Schule ist aber Wahllokal.“ Inwiefern ein solches Plakat unmittelbar vor einem solchen hängen darf, da wolle sie sich schlau machen.


 

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