Wittenberge : 5000 Kilometer auf dem Tandem

Vincent und Micheline machen mit ihrem Tandem einen Stopp an der Zeitreise.
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Vincent und Micheline machen mit ihrem Tandem einen Stopp an der Zeitreise.

Micheline Schillings und Vincent Guissard aus Belgien starteten am 1. Juni in Norwegen und machten jetzt Station in Wittenberge

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09. Juli 2014, 08:00 Uhr

Mit guter Laune auch widrigem Wetter trotzen – seit Anfang Juni sind Micheline Schillings und Vincent Guissard mit dieser Einstellung gut gefahren. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die beiden Belgier aus der Stadt Namur, 65 Kilometer südöstlich von Brüssel, haben fast zwei Drittel ihres Reiseabenteuers auf dem Tandem hinter sich gebracht, als sie die Nacht zu gestern in Wittenberge Station machten.

„Am 1. Juni sind wir vom norwegischen Brevik am Oslofjord aus zu einer Fahrradtour über insgesamt 4840 Kilometer und durch sechs Länder gestartet“, erzählt Vincent. Von Belgien aus an Bord eines Frachtschiffes nach Norwegen gekommen, arbeiteten sich die beiden Radler einmal durch das norwegische Gebirgsland an die Westküste bis nach Stavanger und wieder zurück
bis Oslo.


Schrecksekunde am Lysefjord


„Am Ende des wunderschönen Lysefjords schien unser Abenteuer nach rund 400 Kilometern bereits zu Ende. In einem Tunnel sind wir auf einer Ölspur ausgerutscht und schwer gestürzt, die Gabel des Tandems war gebrochen“, erzählt der Abenteurer. „Ein sehr netter Busfahrer hat uns zum nächsten Fahrradladen gebracht, und in einer Nachtschicht hat der Mechaniker unser Rad repariert“, ergänzt Micheline. Hilfsbereit und freundlich seien die Norweger, wenn das Eis einmal gebrochen ist. Und die Landschaft erst. „Unbeschreiblich. Fjorde, Berge, Fjell“, schwärmen beide unisono.

Über Oslo und Göteborg weiter mit der Fähre nach Frederikshavn führte der Weg aufs dänische Festland, über die dänischen Inseln wieder nach Schweden. „Ganz anders ist die Landschaft da, weniger schroff als in Norwegen, alles ganz bunt von den vielen Blumen“, sagt Micheline. Von Ystad in Südschweden – vielen bekannt aus Mankells Wallander-Krimis – setzen die Radler mit der Fähre erst nach Bornholm über, wo sie drei Tage pausieren, und erreichen schließlich Polen. „Das ist schon ein Kulturschock, denn auf dem Land sieht es dort noch immer aus wie im Ostblock“, berichtet Vincent.

Als sie mit ihrem voll bepackten Tandem – Kleidung, Proviant und Zelt für die Übernachtung wiegen rund 40 Kilogramm – die Grenze nach Deutschland überschreiten, wähnen sich beide nach fast 3000 Kilometern im Radlerhimmel. „Gut ausgebaute Radwege, weitgehend lochfreier Asphalt, das war schon toll.“ Zwei Tage Auszeit gönnen sie sich in Berlin, weil Vincent sich krank fühlt. Zudem statten sie hier dem Fahrradhersteller Pedalpower einen Besuch ab und schwärmen von ihrer Reise mit einem dieser Drahtesel.


Elberadweg leider am Fuß des Deiches


Auf dem Elberadweg geht es schließlich gen Hamburg. „Es ist nur schade, dass der gute Weg oft unten hinter dem Deich langführt, da hat man gar nichts von der schönen Flusslandschaft“, bemängeln die Radler. Dennoch genießen sie die Fahrt entlang des Stromes. „Es ist alles schön eben, man kommt gut voran, es ist nicht so anstrengend wie in Norwegen oder Schweden“, sagt Micheline.

Von Hamburg aus geht es die Nordseeküste entlang nach Amsterdam und von dort wieder nach Hause ins wallonische Namur. „Die Idee zu dieser Tour entstand auf einer Radreise durch England. Eigentlich wollten wir primär Norwegen mal sehen, aber schnell wurde eine halbe Europatour daraus“, sagt Vincent.

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