Schule in Glöwen : 50 Jahre – Schule im Wandel der Zeiten

Berufsorientierung, ein wichtiges Thema der Gegenwart.
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Berufsorientierung, ein wichtiges Thema der Gegenwart.

Die Oberschule Glöwen begeht in der kommenden Woche mit Festveranstaltung und Schulfest ihr Jubiläum

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17. September 2017, 07:00 Uhr

Seit 197 Jahren hat Glöwen eine Schule, das neue Gebäude wurde vor 50 Jahren gebaut. Das feiern die 200 Schüler in der kommenden Woche. Der „Prignitzer“ nahm das Jubiläum zum Anlass, um zurückzublicken, die Gegenwart zu betrachten und einen Blick in die Zukunft zu wagen.

Bereits im Jahr 1820 wurde in Glöwen ein erstes Schulhaus mit Stall gebaut, wie in der Schulchronik zu lesen ist. Steigende Kinderzahlen machten 1850 eine Verlängerung des Schulhauses an beiden Giebeln um drei Meter notwendig und 1866 den Bau eines zweiten Schulhauses. 1920 gab es die Erweiterung zur Vier-Klassen-Schule.

Anfang der 1960er Jahre, inzwischen besuchten auch die Schüler der oberen vier Klassen aus Bendelin und Groß Leppin in Glöwen den Unterricht, wurde in sieben Gebäuden in riesigen Klassen – 40 bis 43 Schüler – unterrichtet. Ein Schulneubau war dringend erforderlich und wurde 1965 auch genehmigt. Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1966. Am 1. September 1967 nahmen 450 Schüler, 30 Lehrer und vier Erzieher das neue Schulhaus in Besitz.

Der Lehrer für Geschichte, Kunst und Englisch, Ulrich Beeck, kam zwei Jahre nach der Eröffnung aus Berlin ins Prignitzdorf. „Es war meine erste und letzte Anstellung“, sagt er. Auch wenn er 2006 aus dem Dienst ausschied, begleitet er die Schule und ihre Entwicklung bis heute. Er berichtet, dass der ungewöhnliche Schulbau, den das Landbaukombinat Schwerin einst errichtete, die Grundstruktur von Ställen hat. „Daher auch diese Trakteinteilung der Flachbauten“, erzählt Beeck.

Die Polytechnische Oberschule Glöwen hatte zunächst keinen Namen, erst in den 1970er Jahren wurde es die POS „Hans Beimler“. So nach und nach wurden auch die sogenannten Teiloberschulen – Schulen, die Schüler der 1. bis 4. Klasse unterrichteten – geschlossen, und die Schüler kamen nach Glöwen.

„Von Beginn an reichten die Klassenräume nicht aus“, berichtet Ulrich Beeck. Es gab 20 Klassen, aber keine 20 Klassenräume. „So waren Schüler zum ESP- und UTP-Unterricht anderswo bzw. zum Sport. Das brachte eine gewisse Entlastung“, so der ehemalige Lehrer. „Außerdem wurden beispielsweise auch Nebenräume für Physik und der Werkraum als Klassenräume genutzt. ESP (Einführung in die sozialistische Produktion) wurde im Kreisbetrieb für Landtechnik unterrichtet, und auch UTP (Unterrichtstag in der Produktion) fand in der Praxis, also in Betrieben, statt. Erste Abhilfe kam 1985/86 mit dem Bau des Schulspeisegebäudes mit zwei weiteren Klassenräumen.

Dann kam die Wende. Christel Rost, die schon Ende der 1980er Jahre die Schule leitete, blieb im Amt. Sie erhielt das Vertrauen des Kollegiums. An ihrer Seite hatte sie ein engagiertes Team, das sie auf dem Weg in die neue Zeit begleitete.

Christel Rost war es auch, die neue Konzepte einführte. So schrieb sich die Glöwener Schule schon 1990 die Integration auf die Fahne. „In einer Zeit, wo noch niemand über Inklusion sprach, da gab es dies schon bei uns“, berichtet Ulrich Beeck.

Trotzdem geriet die Glöwener Schule in schwieriges Fahrwasser. Der Sekundarbereich stand mehr als einmal zur Disposition. Mit Unterstützung des Landes, engagierter Lehrer und Eltern ist es gelungen, die Schule von Klasse 1 bis 10 in Glöwen zu erhalten. „Wir hatten auch die Unterstützung der Gemeinde“, hebt Beeck hervor. Ganz engagiert die damalige Kämmerin und heutige Bürgermeisterin Anja Kramer. In der Funktion der Schulelternsprecherin kämpfte sie mit an vorderster Front. Sie erinnert sich an Unterschriftensammlungen und die Fahrt ins Bildungsministerium.

Ringsum begann das große Schulsterben. „Kleetzke wurde aufgelöst, Kunow, Lindenberg und letztlich auch Kleinow geschlossen. „Das Einzugsgebiet hat sich erweitert, trotzdem hat sich die Schülerzahl nicht erhöht“, blickt der ehemalige Lehrer auf die aktuelle Situation.

Durch die Integrationsarbeit an der Oberschule wurden in der Vergangenheit auch Schüler aus Kyritz, Neustadt (Dosse) oder Havelberg in Glöwen unterrichtet. „Vor zehn Jahren, als wir 40 Jahre Schule Glöwen feierten, ging es schon einmal um den Erhalt des Oberschulteils“ erinnert sich Beeck. „Damals gingen 14 Schüler aus Havelberg, das ja schon zu Sachsen-Anhalt gehört, auf unsere Schule. Letztlich konnte auch in diesem Jahr eine 7. Klasse eröffnet werden.

Wie der jetzige Schulleiter Jörn Atlas, der 2004 nach Glöwen kam, sich erinnert, hat der damalige Bildungsminister Holger Rupprecht eine Ausnahmeregelung für die Schule durchgesetzt. „Nach einer Podiumsdiskussion mit dem Bildungsminister, verabschiedete dieser sich mit den Worten: ,Ich kann nichts versprechen, ich setze mich aber dafür ein!’“, erinnert sich Jörn Atlas. „Letztlich setzte er eine Unterfrequentierung für 7. Klassen im ländlichen Raum durch.“

Ulrich Beeck erinnert noch an den harten Winter 1978/79. Die Heizung in der Schule war ausgefallen, und Glöwen hatte kurzfristig wieder die Situation, die 1967 zum Schulneubau führte: „An zwölf Standorten wurde unterrichtet“, erinnert er sich. „Wir Lehrer waren unterwegs zu den Schülern, die sich unter anderem in drei Gaststätten, in den Speiseräumen der LPG und des Kreisbetriebs für Landtechnik sowie verschiedenen anderen Räumen des KfL und bei den Grenztruppen befanden.“

Gegenwärtig bereiten Lehrer, Schüler und die Partner von Feuerwehr, Jugendclub, Sportverein, die Kita sowie der JNWB den Festakt sowie das Schulfest zum 50-jährigen Bestehen der Schule vor. Im Hinterkopf immer die ungewisse Zukunft. Zuletzt hat Glöwen für die Oberschule erneut eine Ausnahmegenehmigung erhalten und ist mit einer 7. Klasse ins Schuljahr 2017/18 gestartet. „Es geht jetzt darum, auch für die Zukunft eine Sondergenehmigung zu bekommen“, meint Schulleiter Jörg Atlas. Er weiß ein höchst motiviertes Team an seiner Seite. Diese motivierte Lehrerschaft ist für ihn eine Grundlage, um weiterzumachen, um diesen wichtigen Schulstandort im Süden des Landkreises zu erhalten. „Ich habe schon einmal an einer Schule den Schlüssel rumdrehen müssen“, erinnert er sich an seine Zeit in Heiligengrabe. „Wir feiern 50 Jahre und wollen dann nicht hier den Schlüssel rumdrehen.“ Aus seiner Sicht muss für die Oberschulen im ländlichen Raum das Schulgesetz geändert werden. „Das, was Rupprecht einst erwirkte, eine Unterfrequentierung der 7. Klassen im ländlichen Raum, muss fest formuliert werden“, ist er sich sicher. Dabei müsse letztlich auch eine Einzügigkeit möglich sein. „Schule ist nicht nur Schule, Schule ist auch ein kultureller Ort im Dorf.“

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