Prognos-Studie : 402 Gründe für eine lebenswerte Prignitz

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Unsere Antwort auf den letzten Platz: Verraten Sie uns Ihre Gründe für eine lebenswerte Prignitz

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10. März 2014, 18:00 Uhr

Jetzt ist Schluss mit der kollektiven Depression. Die Prignitz ist nicht länger das Schlusslicht unter allen 402 deutschen Landkreisen, wenn es um die Zukunftsaussichten geht. Unsere Zeitung möchte zusammen mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Gründe präsentieren, warum unsere Heimat lebenswert ist.

Anlass für unsere neue Serie ist die im Spätherbst vorgestellte Studie des Instituts Prognos mit Hauptsitz in Basel. Im Zukunftsatlas 2013, den Prognos alle drei Jahre neu erstellt, wird der Prignitz eine düstere Zukunft bescheinigt. Die demografische Entwicklung: niederschmetternd. Arbeitsmarkt und Innovationskraft: stagnierend auf niedrigem Niveau. Der Wohlstand: im letzten Sechstel der Tabelle. Das sind nur einige der 29 bewerteten Faktoren. Statt Chancen gibt es Risiken, statt Dynamik herrscht Stillstand – so das Ergebnis der Wissenschaftler.

Wir Menschen hier vor Ort sehen das anders. Das zeigten Reaktionen aus Politik, Wirtschaft, Familie und Freundeskreis nach unserer Veröffentlichung. Deshalb haben wir uns entschieden, gemeinsam mit Ihnen auf die Studie zu antworten. Mit jedem genannten Grund rücken wir in unserem Ranking um einen Platz vor. Den Auftakt machen heute Redakteure unserer Zeitung.

401:
Einige meiner Freunde leben in Regionen, die laut Prognos einen Top-Ten-Platz belegen. Es sind Kreise, in denen Mitarbeiter des Arbeitsamtes um ihre Jobs bangen, weil es de facto Vollbeschäftigung gibt. Die Kommunen dort reden nicht über Sparkonzepte, sondern investieren das aus diversen Quellen reichlich fließende Geld. Manchmal bin ich neidisch, aber ganz schnell freue ich mich wieder. 900 Meter liegen zwischen meinem Heim und meiner Arbeitsstelle. Selbst im Schlenderschritt brauche ich maximal zehn Minuten. Bei einem durchschnittlich zehnstündigen Arbeitstag, bei Sonn- und Feiertagsdiensten ist das für mich ein unschlagbarer Vorteil, den ich genieße. Meine Freunde im fernen Süden sind teilweise bis zu drei Stunden täglich mit Auto oder ÖPNV unterwegs. Diese Zeit spare ich für meine Familie. Das macht die Prignitz für mich lebenswert.
Hanno Taufenbach, "Prignitzer"-Redaktionsleiter

400:
Viele Menschen verlassen die Prignitz aus beruflichen Gründen. Ich kam vorrangig aus beruflichen Gründen hierher. Obwohl ich in der Großstadt geboren und aufgewachsen bin, könnte ich heute in solchen Ballungsgebieten nicht mehr leben. Von daher freue ich mich, dass es im Herbst des vergangenen Jahres geklappt hatte, den Job beim „Prignitzer“ zu bekommen. Die trüben Wintermonate konnte ich zum Einarbeiten nutzen, doch ich freue mich auf das Frühjahr und den Sommer hier an der Elbe, um auch fernab des Jobs die touristischen Sehenswürdigkeiten zu erkunden.
Martina Kasprzak, "Prignitzer"-Redakteurin

399:
Für mich ist die Prignitz lebenswert, weil wohnen hier noch günstig ist. Münchner, Hamburger und Berliner können von diesen Quadratmeterpreisen nur träumen. Als ich vor knapp drei Jahren von der Hauptstadt in die Brandenburger Peripherie zog, waren Wohnungsbesichtigungen plötzlich eine wahre Freude. Keine Massenbesichtigungen mit Schlangen vom fünften Stock bis zur Haustür. Keine Provision. Auswahl! Für den Preis meiner modernen 56 Quadratmeter-Wohnung mit zwei Zimmern in Wittenberge hätte ich in Berlin höchstens eine heruntergekommene 30-Quadratmeter-Erdgeschosswohnung im tiefsten Wedding bekommen. Hier wohne ich in ruhiger Lage, trotzdem ist das Stadtzentrum zu Fuß erreichbar. Und mit den gesparten Scheinen lassen sich dann prima Berliner Freunde in ihren überteuerten vier Wänden besuchen.
Susann Matschewski, "Prignitzer"-Volontärin

398:
Ich liebe die Prignitz, wegen der schönen Landschaft, wegen der Ruhe und den bodenständigen Menschen.
Kathrin Schmidt

397:
2011 wieder heimgekehrt, Stadtleben habe ich satt gehabt, einfach zu viele Menschen auf einen Haufen. Wenn man einen guten Beruf erlernt hat, findet man hier auch ohne weiteres Arbeit, das Angebot könnte mehr sein. Und die ganzen ,Auswanderer‘ kommen auch immer wieder gerne in die gute alte Heimat, und bei manchen munkelt man, dass sie ganz wieder heimkehren wollen. Sohnemann war auch ein Grund dafür, wieder in die Heimat zurück zu kommen.
Matthias Freuling

396:
Mir fallen drei Argumente ein. 1. Die Prignitz ist ein Ort, der Erholung und Entspannung. 2. Die Leute halten zusammen und kümmern sich umeinander. 3. Die Straßen sind super und die Luft viel frischer.
Jennifer Wolter

395:
Für mich ist die Prignitz nicht nur eine liebens- und lebenswerte Region, sondern sie hat auch wirtschaftlich gute Chancen.  In dieser Auffassung   bestätigen mich unter anderem die Fachleute der Zukunftsagentur Brandenburg und der Investitionsbank des Landes: Dr. Steffen Kammradt und Tillmann Stenger.
Auf ihrer Kreisreise im Herbst vergangenen Jahres stellten die Vertreter  beider Institutionen gemeinsam fest: „Die Prignitz hat sich zu einem starken Wirtschaftsstandort in Brandenburg entwickelt.“ Sie sehen sie als  Drehscheibe zwischen den Metropolen Hamburg und Berlin und sagen: „Die Prignitz spielt zunehmend ihre hervorragende geografische Lage mit einer gut ausgebauten Infrastruktur und den Anbindungen an große Häfen aus. Im vergangenen Jahr war die Prignitz ein ausgezeichneter Standort für Investitionen und für Innovationen.“
Dieser Meinung kann ich mich nur anschließen.
Torsten Uhe

394:
Es ist das Licht früh am Morgen oder am Abend, der Blick auf den Sonnenuntergang über Wittenberge, der Duft von Wäldern und Wiesen, aufsteigender Nebel über Stepenitz und Elbe, das Vogelgezwitscher in den Gärten und der Anblick der Tiere im Wald, das friedliche Bild der Mutterkuhherden – die Ruhe, die die Landschaft ausstrahlt.
Ich mag es sehr, dass ich Menschen finden oder auch meiden kann, ganz wie ich es möchte. Die meisten Leute hier sind freundlich und zuversichtlich und machen mir den Umgang mit ihnen leicht.
Viel schöner wäre es hier aber noch, wenn die Prignitzer ihren Müll nicht überall hinschmeißen würden. Ich wünsche mir eine saubere Natur, um hier glücklich zu bleiben.
Kathrin Lockenvitz

393:
Ich bin hier geboren und aufgewachsen und möchte nirgendwo anders sein. Habe eine ganz tolle Arbeit und liebe die Menschen hier und die Umgebung.
Antje Lischetzke

392:
Als gebürtiger Wittenberger habe ich fast mein ganzes Leben in der Stadt und somit in der Prignitz verbracht. In der Friedrich-Ludwig-Jahnschule bekamen wir das Rüstzeug fürs Leben. 1972 begann meine Lehre  zum Bau- und Möbeltischler in Raw. Diesem Betrieb, ich bezeichne ihn gerne als meinen Betrieb,  verdanke ich ein regelmäßiges Einkommen bis zum heutigen Tage.
Hier habe ich  meine Frau kennen gelernt. In der Wendezeit sind wir der Heimat treu geblieben und ich erinnere mich an Regine Hildebrandt, die uns genau dazu ermuntert und Mut gemacht hatte. Als Hobbyfotograf und Weitgereister kann ich sagen: Unsere Stadt an der Elbe, die Prignitz mit all ihren Sehenswürdigkeiten wie der Plattenburg, die Landschaft und ihre Weite – all das ist wunderschön. Für meine Zukunft befürchte ich keine Depression. Die Macher der Prognos-Studie sehen viel zu wenig die Menschen und viel zu sehr die nackten Zahlen.
Reinhard Redder

391:
Mit einer der schönsten Gründe macht die Prignitz für mich lebenswert: Die Liebe. Vor bald 14 Jahren kam ich hierher, um meiner früheren Freundin in Berlin etwas näher zu sein. Jahrelang pendelte ich an   freien Tagen oder Wochenenden in die Hauptstadt, genoss aber da schon die hier herrschende wohltuende Ruhe und die Herzlichkeit vieler Menschen.  Vor etwas mehr als zwei Jahren fand ich über den Sport in der Prignitz die Liebe meines Lebens. Und damit auch endgültig ein neues Zuhause. Im Juni werden wir beide uns das Ja-Wort geben.
Oliver Knoll

390:
Vor zehn Jahren kam ich das erste Mal in die Prignitz, der Pferde wegen. Auf dem Pferdehof Schörfke in Klein Warnow verbrachte ich tolle Reiterferien. Ich fühlte mich in der Prignitz sofort wohl, als Großstadtkind war die weitläufige Natur etwas ganz besonderes für mich.
Von da an kam ich immer wieder in die Prignitz. Ich mag die offenherzigen Menschen, die das  Gegenteil zur Anonymität in der Großstadt bilden, und das entspanntere, naturnahe Leben hier. Als ich nach meinem Freiwilligen Ökologischen Jahr in der Prignitz meine Liebe hier fand, hielt mich in der Großstadt nichts mehr.
Letztes Jahr zog ich her und fahre nun  mit dem Zug zur Uni. Der Fahrtweg verlängerte sich dabei nur unwesentlich, denn einmal quer durch die Großstadt dauert fast genauso lange. Seitdem ich in der Prignitz wohne, leben mein Hund und ich sehr viel ruhiger und wir freuen uns  auf einen tollen, entspannten Sommer.
Christin Warnat

389:
Ich stamme aus Liebenau im Osterzgebirge und kam über Umwege 1985 hierher in die Prignitz. Meine Kinder wuchsen hier auf bzw. wurden hier geboren. Hier ist weites grünes Land mit netten Menschen, schönen Dörfern und Städten. Hier kann man wandern und sehr viel sehen und erleben. Und man kann hier weite Strecken mit dem Fahrrad fahren, bequem auf plattem Land und ohne schnell zu ermüden, ganz anders als in meiner alten Heimat mit hohen Bergen und tiefen Tälern. Dort mache ich gern mal Urlaub, aber hier, hier lebe ich und bin froh, eine neue Heimat gefunden zu haben. Heimat ist da wo dein Herz wohnt. Das stimmt vollkommen.
Kerstin Walther

388:
Von Anbeginn war die Lokalredaktion mein Arbeitsplatz, bis 2001 allerdings im Land Mecklenburg-Vorpommern. Wie sieht es woanders aus? Diese Frage stellen sich sicher etliche – die einen aus Neugier, andere aus Angst, vielleicht etwas zu verpassen. Bei mir traf wohl beides zu. Doch warum  in die weite Ferne schweifen, hatte ich das andere Land doch fast vor der Haustür. Schließlich fängt hinter Grabow  Brandenburg an. Aus heutiger Sicht muss ich sagen,  Lokalpolitik gleicht sich überall, anders sind aber die Menschen. Und das fiel mir schon am zweiten Arbeitstag  in der Prignitz auf. Ich hatte mich gerade in der Zeitung vorgestellt, da sprachen mich Perleberger direkt auf der Straße an. „Sie sind doch die Neue!“ In Mecklenburg-Vorpommern wäre das nie passiert. Heute  ist es ein Zeitfaktor, ob ich zu Fuß oder mit dem Auto in der Stadt unterwegs bin. Während ich vor 13 Jahren höchstens zehn Minuten zu Fuß für derartige Strecken benötigte, wird heute schnell eine Stunde draus.  Es mag mit daran liegen, dass auch ich älter geworden bin, aber vor allem kenne ich inzwischen  ganz viele Perleberger und noch mehr kennen mich. Beim kurzen Hallo auf der Straße erfahre ich vieles. Nur Weniges mag sich anschließend in der Zeitung wiederfinden und ist dennoch von unschätzbarem Wert, weil es mir sagt, wie die Menschen hier ticken. Und sie ticken wie ich. Vielleicht liegt es daran, dass ich in Perleberg geboren bin.
Doris Ritzka

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