zur Navigation springen
Der Prignitzer

18. November 2017 | 15:22 Uhr

40 Jahre stand sie vor Schülern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Gisela Hauck, Leiterin der Oberschule, geht in den Ruhestand – auch mit etwas Wehmut, denn „ich war gern Lehrerin“

von
erstellt am 01.Sep.2016 | 10:57 Uhr

Ein letztes Mal lässt Gisela Hauck gestern ihren Blick über den Schreibtisch im Schulleiterzimmer der Friedrich-Gedike-Oberschule schweifen. Alles ist übergeben, einzig die Schlüssel hält sie noch in der Hand. „Die gebe ich jetzt ab, dann bin ich endgültig Pensionärin.“ Die Worte selbst gehen ihr leicht über die Lippen, die innere Anspannung kann sie dennoch nicht verbergen. Verständlich, 40 Jahre Lehrerin, davon 25 Jahre als Schulleiterin, die lassen sich nicht so einfach ausblenden. „Es war mein Leben, mein Beruf und ich war gern Lehrerin.“

Geliebäugelt habe sie mit dem Lehrerberuf eigentlich immer. Doch dann entschied sie sich aber für Zahnmedizin. Dass daraus letztlich nichts wurde, darüber war die gebürtige Havelländerin aber nicht allzu traurig.

1975, erster Schultag als junge Lehrerin an der Groß Pankower Schule. Die PKW-Kreise, wie zu DDR-Zeiten Prignitz, Kyritz und Wittstock genannt wurde, waren bei den Absolventen alles andere als begehrt. „Ich kam vom Land, mir machte das nichts aus“, plaudert Gisela Hauck aus der Schule. Eine Wohnung und den fachgerechten Einsatz hatte man ihr und ihrem Mann zudem versprochen. Lehrerin für Bio und Chemie, Deutsch, Schulgarten und Klassenlehrerin einer 5. – das erwartete sie. „Wie es eben so war an einer kleinen Schulen.“ Auch die erste Wohnung war recht spartanisch mit Klo auf dem Hof, „aber allemal besser als unsere in Bestensee, wo mein Mann damals unterrichtete. Von der Pumpe auf dem Hof mussten wir hier das Wasser bis ins Dachgeschoss tragen“, erinnert sie sich und ein Lächeln huscht über ihr Gesicht.

Als bald bezogen die Haucks dann auch ihre Neubauwohnung in Groß Pankow. „Ich habe mich in der Gemeinde von Anbeginn wohl und zuhause gefühlt.“

1991 übernahm Gisela Hauck die Leitung der Groß Pankower Schule, vier Jahre später die in Bad Wilsnack. „Es waren schöne Jahre aber eine sehr harte Zeit“, gesteht sie offen, denn in dieser musste sie sieben Schulen schließen. Wolfshagen, die Sekundarstufe Groß Pankow, die Schule in Kunow, die Oberstufe in Bad Wilsnack, aus der Realschule in Perleberg wurde die Oberschule, in der fortan auch die Schüler aus Karstädt, Berge und der Perleberger Gesamtschule gingen, denn die Einrichtungen gab es nicht mehr.


Lostopf entschied über Arbeitsstelle


Damit mussten Kollegen umgesetzt werden, mitunter bis nach Hennigsdorf fahren. „Mein eigener Mann musste nach Breddin“, erinnert sie sich. Viele Tränen flossen damals und immer wieder die Frage, warum ich? Das Ungerechte daran, ein Lostopf entschied praktisch über Verbleib oder Umsetzung der Kollegen. „Es war eine harte Zeit, denn es ging ins Persönliche. Auch von den Eltern mussten wir uns vieles anhören. Doch was sollten der Schulrat, der Landkreis und wir machen, es fehlten nun einmal die Kinder.“

Zehn Jahre leitete Gisela Hauck die Oberschule. „Ich werde schon ’was vermissen“, gesteht sie, „denn es war eine tolle Zeit mit den Kollegen auch wenn nicht immer nur die Sonne schien. Das muss so sein, denn ohne Regen weiß man die Sonne nicht zu schätzen. “ Sie habe eine fertig sanierte Schule übernommen, die Turnhalle wurde gerade komplett auf Vordermann gebracht, ein Arbeitslehrehaus gebaut, die Kleinsportanlage erneuert „und jetzt haben wir auch eine Mensa. Entstanden ist ein richtiges kleines Schulzentrum. Besser kann es gar nicht sein“.

Wie die Hartware, so die Software. „Wir hatten das Flip (Fördern, Lernen, Integrieren, Probieren), ein Integrierten Projekte von Jugendhilfe und Schule zur Vermeidung von Schulabbrüchen bei Schulverweigerern. Wir hatten das Tandem-Projekt für Schüler mit Problemen im sozialem Bereich. All das wird es aber nun nicht mehr geben. Dafür haben meine Kollegen nun neun Schüler mit Förderbedarf in Klassen mit 25 Schülern.“


Lehrerberuf ist auch ein Spagat


Die Schule als Gebäude biete ideale Bedingungen, die Arbeit der Kollegen sei aber alles andere als leichter geworden. Und diese Probleme beschäftigen sie, „ich kann nachts immer noch nicht durchschlafen, weil mir so vieles im Kopf ’rumgeht“. Dennoch sei sie schon etwas gelassener, auch weil sie wisse, dass eine gute Truppe von engagierten Kollegen an der Schule ist, auch junge Kollegen hinzu gekommen sind. Sie müssen nun den Spagat meistern zwischen vollen Klassen, Schüler fördern und motivieren, denn nicht jeder geht gern zur Schule, und der Ausbildung des Lehrernachwuchses. „An den Hochschulen und Unis bekommen sie wissenschaftlichen Stoff vermittelt. Vor der Klasse nützt das nicht viel. Das Wissen müssen sie hier methodisch aufarbeiten, auf die Praxis herunter brechen. Das müssen sie lernen. An der Seite von gestandene Kollegen geht das am einfachsten. Doch die müssen auch Zeit dafür haben.“

Von ihren Kollegen, von allen, die sie in den 40 Jahren begleiteten, habe sie sich verabschiedet. Und als Erinnerung und Dankeschön ließen diese es in dem Spendentopf für den Schulförderverein tüchtig klingeln. 200 Euro kamen zusammen und noch einmal 500 sponserte Manfred Müller. Er und vor allem die Familie Franke aus Boberow waren die Ideengeber für den heutigen Schulnamen und haben all die Jahre auch immer den Kontakt gehalten.

Sie habe jetzt Zeit, sagt Gisela Hauck, Zeit für ihre sechs Enkel, für den großen Garten, für Hund, Sauna und zum Lesen. Als Vorlese-Oma werde man sie bestimmt demnächst im Kindergarten antreffen. Jetzt aber wird erst einmal in Urlaub gefahren, „vielleicht komme ich dann auch ganz runter und bin einfach nur noch Pensionärin.“

Postskriptum: Über ihren Nachfolger entscheidet am 15. September die Schulkonferenz.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen