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Perleberger Steinmetz : 40 Jahre in Stein gehauen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Reimund Walz begann am 1. September 1976 seine Lehre als Steinmetz und arbeitet heute noch in der Firma Fliege

von
erstellt am 01.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Dachdecker wie sein Vater, das wollte Reimund Walz nicht werden. „Ich bin auch nicht höhentauglich, zumindest heute nicht mehr“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln. Ein Handwerk sollte es aber sein, so wurde er eben Steinmetz. Zupacken, das konnte er und „in Zeichnen hatte ich stets eine Eins. Mit Sport die einzigen“, fügt er mit einem spitzbübischen Augenzwinkern an. Ein Steinmetz ist schließlich auch ein kleiner Künstler.

Bei Gerhard Fliege begann Reimund Walz am 1. September 1976 die Lehre, fast gemeinsam mit dessen Sohn und späterem Firmennachfolger Jörg. Beide lernten nicht nur vom Altmeister das Handwerk von der Pike auf, beide wurden auch Freunde. Ungeschminkt gestehen sie, dass die Lehrjahre wahrlich keine Herrenjahre waren. „Das ist auch gut so. Das Wort des Chefs war Maßstab. Nur so lernt man auch was“, plaudert der heute 56-Jährige ein wenig aus dem Nähkästchen. Schützenhilfe bekommt er da von seinem heutigen Chef.

Den Umgang mit Knüppel, Scharriereisen und Schlageisen, das haben sie gelernt, problematischer war es um das Material bestellt. „Das Kontingent reichte für drei Monate Arbeit, dann hätten wir dicht machen müssen“, berichtet Jörg Fliege. Also fuhr man zum Materialholen in die Oberlausitz nie mit leeren Fahrzeugen. „Wir nahmen alte Grabsteine mit und tauschten die gegen aufgearbeitete ein.“

Sandsteinarbeiten – das ist das Metier des Steinmetzes. Neben Grabmalen wird auch für den Bau gewerkelt, entstehen Fensterbänke, Küchenarbeitsplatten und Treppen in der Werkstatt in der Wilsnacker Straße. Und auch historische Denkmale, besser gesagt deren Restaurierung, tragen die Handschrift des Firma Fliege. „Wir haben das Stadtwappen im Stadtpark gemacht, dem Roland sein Schwert, das Schlossermeister Will gefertigt hat, angepasst, das Freimaurerwappen im ,Effi’ stammt auch von uns“, listet Reimund Walz auf. Ebenso die Tafeln an der Ziegelhofbrücke und an der Hamburger Torbrücke und „auch den Greif auf dem Rathaus haben wir schon mehrfach neu vergoldet“.

Naturstein war zu DDR-Zeiten kontingentiert. Notgedrungen wurde viel aus dem nicht so langlebigen Terrazzo gefertigt. Der Irrsinn – Terrazzo war dennoch viel teurer als Naturstein, weil die Bearbeitung einfach arbeitsintensiver war.

Mit der Wende nahmen die Grabmale nicht nur an Größe zu, lange Wartezeiten waren passé, denn Materialengpässe, die gab es nicht mehr. Inzwischen werden die Steine immer kleiner und auch weniger, denn die Zahl der anonymen und Urnenbeisetzungen nimmt immer mehr zu, weiß Reimund Walz. Vieles läuft in dem altehrwürdigen Handwerksbetrieb heute längst maschinell, „nur das Schrifthauen, die Ornamentik ist immer noch filigrane Handarbeit“, ergänzt der Steinmetz und deutet auf die vielen Zeichnungen an der Wand. Denn bevor in Stein gehauen, wird jedes Motiv zu Papier gebracht. Die Steine selbst kommen heute immer weniger aus Deutschland. Indien und China haben auch hier den Markt erobert, „produzieren zu einem Preis, den kaum einer hier bieten kann“, gesteht Jörg Fliege. Und während früher der Steinmetz alte Grabsteine aufkaufte, muss heute für deren Entsorgung bezahlt werden. „Sie aufzuarbeiten wird teurer als neue herzustellen. So wandern die alten Steine in den Schredder“, so der Firmenchef.

Eine Menge habe sich in den 40 Jahren, wo Reimund Walz das Steinmetzhandwerk erlernte, geändert. Nicht alles zum Besten. Dennoch, er liebe diesen Beruf und habe damals alles richtig gemacht. In der Firma habe er gelernt und werde hier auch bis zur Rente arbeiten, „einfach weil es Spaß macht und mein Beruf ist“.

 

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