365 000 Hektar mit Munition verseucht

Hüllen entschärfter Mini-Bombe. dpa
Hüllen entschärfter Mini-Bombe. dpa

svz.de von
12. Juli 2012, 09:28 Uhr

Potsdam | Brandenburg hat ein Bomben-Problem. Nirgendwo sonst in Deutschland liegen so viele Granaten, Waffen, Bomben und Munition im Boden. 365 588 Hektar der Landesfläche sind belastet. Brandenburg hat eine Gesamtfläche von knapp 29500 Quadratkilometern. Eine Aufgabe, die den Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) nach Einschätzung seines technischen Leiters, Horst Reinhardt, noch viele Jahrzehnte beschäftigt wird. Wie lange genau, kann Reinhardt nicht sagen. Denn niemand wisse, wie viele und welche Kriegshinterlassenschaften sich noch in der Erde befinden, wie zeitaufwendig die Bergung ist, welche Kosten verursacht werden, wie geräumt werden muss, erklärt Reinhardt.

245-mal wurde der KMBD im Auftrag des Land es im vergangenen Jahr aktiv. 8,781 Millionen Euro zahlte Brandenburg dafür. Im Auftrag von Bund, Land und Kommunen sind im vergangenen Jahr 3997 Hektar geräumt worden, heißt es im Jahresbericht des Räumdienstes. 601 Hektar wurde aus dem Kampfmittelverdacht entlassen. Knapp 650 Tonnen Munition wurden vernichtet. 20 000 Euro verdiente der Räumdienst mit dem Schrott. Besonders häufig wurden im vergangenen Jahr Granaten (53 922 Stück), Munition für Handwaffen (1 007 944 Stück) und Zündmittel (32 177 Stück) gefunden.

Die Belastung mit Munition ist regional unterschiedlich. Besonders betroffen sind Potsdam, Halbe, die Spree-Neiße-Linie, Brandenburg/Havel und Neuruppin. Allein in Oranienburg wurden in den vergangenen 20 Jahren 162 Großbomben gefunden. 93 davon hatten einen gefährlichen Langzeitzünder. Deshalb weist der KMBD darauf hin, die Munition und Bomben im Laufe der Zeit nicht ungefährlicher werden. Alter und Korrosion können ganz im Gegenteil die Gefahr sogar noch erhöhen.

Das bekamen die Einwohner von Neuhausen (Spree-Neiße) Ende des vergangenen Jahres zu spüren. Unter einer Straße war eine Riegelmine explodiert und hatte einen großen Krater aufgerissen. Verletzt wurde niemand. Der KMBD suchte daraufhin die Gegend systematisch ab und stieß immer wie auf Blindgänger. Sie wurden vor Ort gesprengt. Weniger Glück hatte eine Mitarbeiter des KMBD. Im Zwischenlager Priort detonierte Munition und verletzte den Mann schwer an der Hand.

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