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Schäfer weist Vorwürfe von sich : 3000 Liter für die Herde

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach dem Fall der fast verdursteten Schafherde meldet sich Schäfer Marc Mennle zu Wort und weist auf Ungereimtheiten hin.

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erstellt am 08.Jul.2015 | 22:00 Uhr

Im Fall der Schafherde, die am Freitagabend auf einem Deich nahe Lenzen in brütender Hitze ohne Wasser ausharren musste (wir berichteten) meldet sich nun der Tierhalter zu Wort.

„Ich war mit einem Kollegen am Freitag bei der Herde“, sagt Schäfer Marc Mennle. „Wir haben die Tiere am Morgen getränkt, bis kein Schaf mehr trinken wollte.“ Dann sei er mit der Herde ein Stück umgezogen. Die Gefäße auf der Weide seien voll gefüllt worden, und erst dann hätten er und sein Kollege die Herde gegen 18 Uhr verlassen. Insgesamt hätten sie an diesem Tag rund 3000 Liter Wasser für die Tiere auf die Koppel gebracht. Warum die Schafe bereits nach anderthalb Stunden kein Wasser mehr in den Behältern hatten, kann sich Mennle nicht erklären. „Vielleicht haben die Schafe die Kübel umgekippt, aber das glaube ich nicht. Wer weiß, vielleicht waren es auch bösartige Menschen.“

Den laut Veterinäramt wünschenswerten schattigen Bereich für die Tiere habe Mennle einrichten wollen, dafür aber keine Genehmigung bekommen. „Ich bin Pächter auf dem Deich und darf auch nur den Deich selbst samt etwa fünf Meter des Deichfußes einzäunen. Am aktuellen Standort gab es daneben eine Baum- und Strauchgruppe, die wir zunächst mit eingezäunt hatten, um den Tieren schattige Plätze zu bieten. Da die Gehölze im Bereich des Biosphärenreservats liegen, dürfen sie aber nicht bewirtschaftet werden, hieß es von der Reservatsverwaltung. Also habe ich sie am Freitag wieder ausgezäunt.“

Schließlich kritisiert Mennle die übetriebene Formulierung, dass die ganze Herde am Verdursten gewesen sei. „Das wundert mich doch sehr. Zum einen ist auf dem Foto, dass dazu in der Zeitung war, zu erkennen, dass der Großteil der Herde nicht dort steht, wo der Feuerwehrmann den Bottich auffüllt. Wären die Schafe wirklich am Verdursten gewesen, hätten sie den Kameraden umringt und sich um den Bottich geschart.“ Zum anderen bezweifle er, dass Passanten, die Feuerwehr oder Pressevertreter den Gesundheitszustand von Tieren fachlich richtig einschätzen können.

Biosphäre weist Vorwürfe zurück

Die Verwaltung des Biosphärenreservats weist die Vorwürfe von Schäfer Mennle indes zurück. „Es ist grundsätzlich richtig, dass der Schäfer nur den Deich samt Deichfuß nutzen kann“, sagt Reservatsleiter Dr. Sven Rannow. „Das Nutzungsverbot für angrenzende Sträucher und Waldbereiche indes ergibt sich aus dem Verbot der Waldweide in Deutschland. Mit der Aufforderung, die Flächen aus der Weide zu nehmen, haben wir also nur geltendes Recht angewendet.“ Weiterhin sei es Zufall, dass genau in diesem Bereich Bäume und Sträucher in der Nähe des Deiches stehen. „Wir haben lange Deichabschnitte, wo außer Gras überhaupt nichts wächst, und auch da muss der Schäfer dafür sorgen, dass seine Tiere Schatten finden oder sie gegebenenfalls bei extremer Hitze von der Weide nehmen“, sagt Rannow.

Dass die Verantwortung für ein schattiges Plätzchen beim Tierhalter liegt, bestätigt Amtstierärztin Sabine Kramer. „Wenngleich es im Gesetz nicht explizit festgeschrieben ist, gibt es doch Empfehlungem von Experten, auf den Weideflächen einen ausreichenden Witterungsschutz zur Verfügung zu stellen.

Pannen im Polizeieinsatz

Was den Polizeieinsatz in dieser Causa angeht, räumt Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord, ein, dass es nicht optimal gelaufen sei. Tatsächlich sie die Polizei nachweislich um 19.41 Uhr alarmiert worden. „Zunächst wurde ersucht, den Besitzer der Schafherde festzustellen“, sagt Reinhardt. Dazu habe es intensive telefonische Bemühungen und auch einen Kontaktanruf beim Landkreis gegeben. „Das blieb zunächst ohne Ergebnis“, so Reinhardt.

Da der Anrufer angab, zunächst selbst für Wasser zu sorgen, seien die mit dem Fall befassten Kollegen offenbar nicht von einer gegenwärtigen Gefahr für die Tiere ausgegangen. „Um 20.38 Uhr gab es dann eine Rücksprache mit der Rettungsleitstelle, in dem bestätigt wurde, dass die Feuerwehr ein Fahrzeug zum Tränken vor Ort schickt. Diese Art der Hilfe war auf jeden Fall sachgerecht und auch ein Streifenwagen vor Ort hätte letztlich die Feuerwehr anfordern müssen, da entsprechende Einsatztechnik bei der Polizei nicht vorhanden ist.“ Warum aber nicht umgehend ein Polizeifahrzeug zum Ort des Geschehens gefahren ist, um genau dies zu veranlassen, werde derzeit in der Polizeiinspektion Prignitz geprüft. Abschließend verwies Reinhardt darauf, dass der Freitagabend oftmals durch ein erhöhtes Einsatzaufkommen gekennzeichnet ist.

Anscheinend ist die Information irgendwo in der Bürokratie verloren gegangen, denn letztendlich war es der „Ersthelfer“ Rainer Sander, der am Samstagnachmittag selbst das Veterinäramt informierte.

Courage bekommt viel Lob

Unabhängig von der rechtlichen Bewertung des Falles äußerten sich auf Facebook viele Follower der „Prignitzer“-Seite positiv über die Courage von Rainer Sander, der die Tierherde am Freitag durstend entdeckte. „Ein ganz dickes Danke an Herrn Sander und die Freiwillige Feuerwehr Lenzen“, schreibt beispielsweise Diana Nitschke, und Antje Gawenda meint: „Da kann ich nur den Hut vor ziehen. Schön, dass es diese Sorte Menschen noch gibt.“ Vielfach gibt es auch kritische Stimmen in Richtung des Schäfers, viele User fragen, warum es nicht mehr Wasser für die Tiere auf der Weide gab. 

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