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24 000 Tests jährlich: Genproben helfen bei Verbrecherjagd

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erstellt am 26.Mär.2012 | 09:51 Uhr

Eberswalde | Fahnder in Brandenburg verlassen sich zunehmend auf genetische Fingerabdrücke. Jährlich werden bis zu 24 000 Einzelproben im Land untersucht und anschließend rund 2500 Spuren in die bundesweite Datenbank beim Bundeskriminalamt (BKA) geschickt, teilte das Landeskriminalamt (LKA) in Eberswalde auf Nachfrage mit. Es gab im vergangenen Jahr 1167 Personentreffer und 1223 Spur-Treffer ohne Hinweis auf eine konkrete Person. In den vergangenen zehn Jahren konnten jährlich zwischen 831 und 1954 Personen identifiziert werden. In der DNA-Analyse-Datei des BKA in Wiesbaden sind inzwischen Daten von knapp 750 000 Tatverdächtigen und etwa 200 000 Spuren von Tatorten bundesweit erfasst.

DNA-Analysen haben sich als Standard in der Ermittlung etabliert, sie werden bei allen Straftaten verwendet und nicht nur bei so genannten schweren Fällen oder einzelnen Delikten, sagte die LKA-Sprecherin Karina Schulter. Zunehmende öffentliche Beachtung erlangen die Gentests bei der Aufklärung von alten Fällen. "Mit den modernen Verfahren können heute geringere Spuren ausgewertet werden als früher", so Schulter. Aufgeklärt werden konnten so unter anderem die Sexualmorde an einem Mädchen in Ludwigsfelde 1986, einer Berlinerin 1988 und einer Krankenschwester 1990. Der Massengentest im Fall der 1991 in der Uckermark ermordeten Andrea Steffen aus dem Kinderheim Neubrandenburg führte zwar nicht direkt zum Täter, erhöhte aber den Fahndungsdruck so enorm, dass er sich das Leben nahm.

Drückermord und schwerer Raub

Geholfen haben die Gentests auch beim Dingfestmachen einer Drückerbande, die 2004 eine Rentnerin in Potsdam erschlagen hatte, bei einem schweren Raub mit Todesfolge in Meyenburg 1991 oder der Geiselnahme mit versuchtem Mord in Neuruppin 1994. Als jüngere Beispiele nennt die LKA-Sprecherin den Einbruch in die jüdische Gemeinde Frankfurt (Oder) 2008 sowie sexuelle Missbräuche von Kindern in Potsdam.

Allerdings sei die DNA-Spur lediglich ein Ermittlungshinweis von vielen und führe nicht automatisch zur Aufklärung der Straftat, schränkte die LKA-Sprecherin ein. Deshalb

gebe es für Brandenburg auch keine konkreten Zahlen, wie viele Täter durch die Gentests schließlich überführt wurden. Die Gentests sind aus Sicht des LKA eine Methode mit hoher Zuverlässigkeit. Allerdings seien der DNA-Gehalt und die Qualität der gesicherten Spuren ausschlaggebend.

Datenschützer weisen darauf hin, dass eine DNA-Analyse, die oft als "genetischer Fingerabdruck" bezeichnet wird, nicht mit einem konventionellen Fingerabdruck gleichzusetzen sei. Zwillinge hätten die gleiche DNA, aber verschiedene Fingerabdrücke, heißt es in einer früheren Stellungnahme des Brandenburger Landesdatenschutzbeauftragten.

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