Beachcamp Wittenberge : 20 Nationen in einem Boot

Sich kennenlernen, verstehen, gemeinsam Spaß haben: Auch in der 15. Auflage steht Toleranz beim Beachcamp an erster Stelle.
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Sich kennenlernen, verstehen, gemeinsam Spaß haben: Auch in der 15. Auflage steht Toleranz beim Beachcamp an erster Stelle.

15. Auflage mit mehr als 110 Teilnehmern

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29. August 2015, 08:00 Uhr

Wenn Afrikaner und Kosovaren, Syrer und Polen, Deutsche und Vietnamesen sich beim Volleyball gemeinsam in den Sand werfen, beim Kanufahren ähnlich unbeholfen die Paddel ins Wasser stechen oder beim Fußball nach einer vergebenen Chance die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, dann spielen die verschiedenen Nationen, Kulturen und Religionen keine Rolle mehr. Dann sind sie keine Einheimischen oder Migranten mehr, sondern nur noch junge Menschen, die sich über den Sport besser kennen lernen – und damit das Anliegen, dass der Landessportbund Brandenburg (LSB) mit dem Projekt „Integration durch Sport“ und dem Beachcamp am Wittenberger Friedensteich verfolgt, im besten Sinne umsetzen.

„Das 15. Jahr in Folge mit jungen Menschen aus verschiedensten Nationen hier eine Woche zu verbringen, das kann man nur als Erfolg werten“, sagt Jörg Schneider, der organisatorisch die Fäden in der Hand hält. Über einen der Stützpunktvereine – heute ist es der ESV – kam der Landessportbund einst auf das Strandbad am Friedensteich. „Die 40 Stützpunktvereine sind es auch, aus denen häufig die Teilnehmer für das Beachcamp kommen, sowohl Deutsche als auch Migranten“, sagt Schneider.

Werbung müsste der LSB für das Camp nicht mehr machen. „Die letzte Ferienwoche ist gesetzt, und die Vereine fragen häufig von selbst an, ob sie teilnehmen können.“ Aber auch die Jugendmigrationsdienste sind mit im Boot, sodass auch Migranten, die nicht in Sportvereinen aktiv sind, angesprochen werden.

„Zentrales Anliegen ist es, über den Sport einen Dialog anzuregen“, sagt Schneider. „Und natürlich kann und muss der Sport eine Möglichkeit sein, Menschen aus anderen Ländern, die, aus welchem Grund auch immer, nach Deutschland kommen, in die Gesellschaft zu integrieren.

Dass das funktioniert, bestätigt Pjotr Dziug, Betreuer der polnischen Delegation. „Es geht hier darum, fremde Menschen durch gemeinsamen Sport kennen zu lernen und Vorurteile abzubauen. Die verschiedenen Kulturen und auch die Sprachbarrieren sind am Anfang eine Hürde, aber vor der Hürde steht jeder der Teilnehmer. Gelingt es, sie gemeinsam zu überwinden, stärkt das das Gemeinschaftsgefühl.“

Dem stimmt auch Waldemar Jungbluth, der als Streetworker in Potsdam arbeitet und als russischer Spätaussiedler selbst einen Migrationshintergrund hat, zu. „Hier prallen Kulturen – auch Streitkulturen – und Religionen aufeinander, aber in der Gruppe entwickelt sich eine ganz eigene Dynamik, sodass die Unterschiede am Ende keine Rolle mehr spielen. Allenfalls die Religion trennt noch – aber das auch nur in der Küche“, sagt er und muss lachen. Es habe sogar in einem Jahr eine gemeinsame israelisch-palästinensische Delegation gegeben. „Da entstehen Freundschaften, angesichts derer die Konflikte in der Welt noch sinnloser erscheinen.“

So können die Teilnehmer, wenn sie heute abreisen, auf eine Woche voller sportlicher Aktivitäten zurückblicken, bei denen es – im menschlichen Sinne – nur Gewinner gab. „Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr“, so Jörg Schneider.  

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