Prignitz : 18 Museen werden zum Lernort

Sauerkraut-Workshop für hiesige Grundschulen im Herbst 2016 – als museumspädagogisches Angebot zur Heimatkunde.
Sauerkraut-Workshop für hiesige Grundschulen im Herbst 2016 – als museumspädagogisches Angebot zur Heimatkunde.

Projektmanager Philippe Carasco legt rasantes Tempo vor. Förderer hoffen auf längere Zusammenarbeit

svz.de von
01. September 2017, 08:00 Uhr

Philippe Carasco legt ein ordentliches Tempo vor. Das muss der Berliner Politikwissenschaftler auch. Seit 1. August ist er dabei, museumspädagogische Angebote in der Prignitz zu recherchieren, zu vernetzen und sie quasi mundgerecht für Schüler aller Altersgruppen sowie Pädagogen in der Region und darüber hinaus zu „servieren“. Der erste Projektzeitraum für diese Arbeit, und somit seine befristete Stelle, endet bereits am 31. Dezember dieses Jahres.

Alle Akteure, die in dieser Woche ins Freyensteiner Schloss zur Pressekonferenz kamen, gehen davon aus, dass die Idee im neuen Jahr weiterlaufen und dann richtig Fahrt aufnehmen wird. Philippe Carasco, geschäftsführender Gesellschafter des Berliner Büros für Kulturvermittlung Carasco Petschko GbR, ist optimistisch. Zum Ende der Sommerferien kann er bereits jede Menge Ergebnisse vorweisen. Mit einem eigenen, authentischen Überblick über die 18 im Förderkreis Prignitzer Museen vereinigten Häuser und Gedenkstätten – von Havelberg bis Wusterhausen - und dem Wissen um die Möglichkeiten, die die schulischen Lehrpläne hergeben, geht er ab heute direkt in die Bildungseinrichtungen. Mit konkreten Vorschlägen dazu, wie man die Prignitzer Museen als Lernorte nutzen kann. Erste Station ist das Gottfried-Arnold-Gymnasium in Perleberg. „Die Themenvielfalt ist wirklich unglaublich, und das, was man daraus für Kinder und Jugendliche herleiten kann, alles andere als angestaubt“, lautet ein erstes Resümee des Wahl-Berliners, der die Prignitz schnell kennen und lieben lernte. Dies sei hier keine „Fly-Over-Region“, wie man die Prignitz in der Bundeshauptstadt mitunter deklariert. „Im Gegenteil: Sie ist ein attraktives Ziel, auch für Schulklassen aus Berlin und anderen Gebieten Brandenburgs, wenn man hier allein die archäologischen Schauplätze betrachtet.“ Zum Kulturerlebnis geselle sich in der Prignitz noch das Naturerlebnis hinzu, ergänzt Carasco.

Er sieht sich in seiner Position beim Förderkreis nicht nur als Anbieter museumspädagogischer Offerten und als Vernetzungsstelle, sondern auch als kompetenter Ansprechpartner für die Schulen, bis hin zur Klärung von Details für Klassenfahrten. Wichtig ist ihm überdies, dass man das, was die regionalen Museen und Gedenkstätten zu bieten haben, fachübergreifend anbieten könne – für Grundschüler ebenso wie für Berufsschüler. Mögliche Projektinhalte gibt es bereits: Was wurde früher gegessen und wie haben die Menschen es zubereitet? „Dazu lief im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg ja bereits ein Workshop“, so Carasaco. Im Klosterstift Marienfließ in Stepenitz – dem ältesten Nonnenkloster der Region – entwickelte er die Idee, die Rolle der Frau historisch zu beleuchten. „Das ließe sich hier sogar wunderbar verknüpfen mit Ausstellungsinhalten des nahe gelegenen Modemuseums Meyenburg.“ Darüber hinaus soll der Bogen zum Tourismus geschlagen werden: Mike Laskewitz, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz e. V., lobte die Initiative des Förderkreises, der ja die gleiche Region umfasst, wie der Verein, den er repräsentiert – die Prignitz in ihren historischen Grenzen.

Der Zeitplan bis zum Jahresende ist genau getaktet: Im September steht der Dialog mit den Schulen im Mittelpunkt, im Oktober die Erarbeitung konkreter Formate, November und Dezember sind der Lehrerfortbildung, der Entwicklung eines Programmheftes und eines Internetauftritts gewidmet. „Beim Input für die Pädagogen handelt es sich um eine offiziell anerkannte Fortbildung, die auch mit den entsprechenden Fortbildungspunkten honoriert wird“, macht Philippe Carasco deutlich.

Karin Melzer, Referatsleiterin im Potsdamer Kulturministerium, zeigte sich beeindruckt von den ersten Ergebnissen, verwies darauf, dass die Fortführung der Stelle bis 31. Oktober in ihrem Hauses beantragt werden müsse. „Das passt gut in ein neues Programm, das wir jetzt auflegen“, so Melzer. Praktisch „Gewehr bei Fuß“ stehen die Finanziers aus der Region, die den Eigenanteil für das museumspädagogische Projekt aufbringen: Die Sparkassen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin, die Dr. Wolfgang-Neubert-Stiftung, die Landkreise und Kommunen. Das bestätigten die bei der Sitzung anwesenden Vorstandsvorsitzenden der Kreditinstitute sowie Ingo Michael als Vorsitzender des Stiftungsbeirates. „Die Eigenmittel sind eingestellt“, so Frank Riedel, Vorsitzender des Museums-Förderkreises. Für ihn fand Markus Rück, Vorstandschef der Sparkasse Ostprignitz-Ruppin, besonders anerkennenden Worte: „Was Sie hier leisten, ist eine moderne Form des Fundraisings, es ist für die Prignitz identitätsstiftend – eine ganz große Leistung.“  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen