Feldsteinkirche Quitzow : 18 Jahre und schon Kirchenältester

Tobias Guhl am Altar der Quitzower Kirche.
Tobias Guhl am Altar der Quitzower Kirche.

Der Quitzower Tobias Guhl übernahm Amt und Schlüsselgewalt von seinem Großvater Johannes

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13. Januar 2018, 05:00 Uhr

Wer im Perleberger Ortsteil Quitzow in die alte Feldsteinkirche möchte, der kommt an Tobias Guhl nicht vorbei, hat doch der 18-Jährige die Schlüsselgewalt. Diese hat Tobias von seinem Großvater Johannes übernommen, der viele Jahrzehnte der Kirchenälteste im Dorf war. „Ich weiß gar nicht, wie lange er dieses Amt inne hatte“, sagt Tobias. „Ich kannte nur ihn in dieser Funktion.“ Schon als Kind ging er dem Großvater zur Hand. Und als dieser sich dann aus gesundheitlichen Gründen zurückzog und 2015 starb, rückte sein Enkel nach. Damals war er 15, hatte gerade Konfirmation, erinnert er sich an diesen „fliegenden Wechsel“.

Pfarrerin Verena Mittermaier lobt das Engagement des jungen Mannes. „Wir sind unheimlich froh, dass Tobias in Quitzow als Ansprechpartner zur Verfügung steht“, sagt sie. Dabei hebt sie seine Zuverlässigkeit besonders hervor. Auch weil die Anzahl der Gottesdienste in Quitzow überschaubar ist, sei man froh, dass sich Tobias um die Belange der Kirche vor Ort kümmere.

Wenn Gottesdienste sind, bereitet er diese in der Kirche vor und kümmert sich um das Vorläuten. Wenn jemand im Ort gestorben ist, auch dann kümmert er sich um das Totengeläut.

Rasenmähen, Schneeschieben oder die Kirchenbänke sauber machen, zählt Tobias Guhl die Dinge auf, um die er sich außerdem kümmert. Pfarrerin Verena Mittermaier ergänzt diese Liste noch, denn Tobias engagiere sich auch in der Sankt-Jacobi-Gemeinde, zu der die Quitzower Kirchengemeinde gehört. „In den letzten Jahren ist er auch bei der aktiven Konfirmandenarbeit dabei“, weiß sie zu berichten. „Hier ist er als Betreuer dabei. In den zwei Jahren, die ich jetzt in Perleberg bin, erlebe ich Tobias auch immer wieder sehr aktiv in Quitzow.“ Wenn in der Kirche Veranstaltungen anstehen, ist der 18-Jährige dabei, kümmert sich um organisatorische und vor allem um logistische Aufgaben.

In der wärmeren Jahreszeit kommen auch Touristen in das Dorf. Wenn sie die Kirche besichtigen wollen, ist Tobias erster Ansprechpartner. Im Schaukasten an der Kirche steht seine Telefonnummer. Er schließt dann die Kirche auf und gibt Informationen.

Besonders gern erinnert sich Tobias Guhl an das Jahr, als die Tour de Prignitz in Quitzow Station machte. „Zwischen 30 und 40 Radler waren hier, besichtigten die Kirche und stellten mir viele Fragen“, erinnert er sich an diese Herausforderung. Aber auch die hat er gemeistert.

In seinem Alter ist so viel Engagement in der Kirche nicht selbstverständlich. Das bestätigt auch Pfarrerin Mittermaier. „Das Jahrzehnte lange Wirken des Großvaters war für seinen Enkel zentrale Motivation“, so die Pfarrerin.

Und was macht Tobias, wenn er sich nicht in der Kirche engagiert? Dann ist er bei der freiwilligen Feuerwehr und im Perleberger Schützenverein. Seit zwei Jahren ist er Jugendschützenkönig, berichtet er stolz. „Ich möchte den Titel in diesem Jahr zum dritten Mal holen“, so Tobias. Einen Monat vor Pfingsten findet das Königsschießen statt.

Demnächst will Tobias seinen freiwilligen Wehrdienst bei der Bundeswehr antreten. „Dann stehe ich erst einmal nicht zur Verfügung“, informierte er jüngst die Pfarrer von Sankt Jacobi. Wie es dann mit der Funktion des Kirchenältesten und der Schlüsselgewalt weitergeht, war noch kein Thema. Verena Mittermaier ist sich aber sicher, „dass sich dann zeitnah eine Lösung findet“.

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