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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 12:18 Uhr

18 000 Kilometer für Storch und Ibis

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erstellt am 25.Okt.2012 | 09:33 Uhr

Rühstädt / Tokio | Wenn ein Mensch für den Weißstorchschutz insgesamt rund 18 000 Kilometer weit fliegt, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass er aus Rühstädt kommt. Jürgen Herper nahm die Strapaze - die zugleich auch eine sehr schöne Erfahrung für ihn war - vom 8. bis 11. Oktober auf sich. Als Experte war er zu einem internationalen Symposium über Flusslandschaftsschutz und -renaturierung nach Tokio eingeladen. Bereits im März dieses Jahres hatten sich Vertreter des Japanischen Ministeriums für Umwelt, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus in Rühstädt über die erfolgreiche Kooperation von Landnutzern, Storchenclub, Naturwacht, Gemeinde und Biosphärenreservatsverwaltung informiert.

Die Situation des in Japan beheimateten Schwarzschnabelstorches (auch Orientalischer Weißstorch) ist prekärer als die seines Verwandten in Deutschland. "Er war dort ausgestorben. Man züchtete die Tiere dann aus Zoobeständen so lange nach, bis sie ausgewildert werden konnten", fasst Jürgen Herper kurz zusammen, was Jahre intensiver Arbeit kostete. 2005 konnten die ersten Schwarzschnabelstörche in die Freiheit entlassen werde. Die Region Toyooka zwischen Kobe und Osaka gilt dabei als Vorreiter in Japan, ist inzwischen auch eine Touristenattraktion - wie Rühstädt in Deutschland. Beide Orte verbindet seit dem Jahr 2000 eine Partnerschaft. "Ebenso wie wir hier setzte man dort auf Umweltbildung, auf lokale Projekte in Kooperation mit Landwirten, aber auch übergeordneten behördlichen Strukturen", so Herper.

Toyooka macht in Japan Schule. Die Flussrenaturierung sei mittlerweile auch im Großraum Tokio ein Thema, das man vor allem vor dem Hintergrund immer verheerenderer Taifune mit darauffolgenden Flutereignissen nicht mehr einfach so beiseite schieben könne, berichtet der Rühstädter Bürgermeister. Die technischen Lösungen, die man bisher schuf, reichen nicht mehr aus. Am Watarase-River wolle man nun beispielsweise modernes Wassermanagement mit fachlichem Naturschutz in Einklang bringen und in diesem Kontext auch hier wieder Lebensraum für den Storch sowie für den ausgestorbenen Nippon-Ibis - er gilt in Japan als heiliger Vogel - schaffen. Ein kleines Ibis-Auswilderungsprojekt gibt es bislang nur auf der japanischen Insel Sado. Auch in Noda-City werde die Renaturierung angeschoben. Die Stadt liegt zwischen zwei großen Flüssen. "Das alles ist ein Novum für Japan", resümiert Herper, der im Fernen Osten wertvolle Erfahrungen zur Weißstorchansiedlung im Speziellen sowie zu ökologischen und ökonomischen Aspekten des Naturschutzes im Allgemeinen weitergeben konnte. "In Japan besteht ein großes Interesse daran, wie bei uns die Zusammenarbeit der verschiedenen lokalen Akteure funktioniert", macht Jürgen Herper deutlich. Und auch daran, wie man für alle Beteiligten einen gangbaren Weg findet und Einnahmequellen erschließt. "Von den Touristenströmen allein können wir nicht leben", so Herper.

In seinem Reisebericht, den er diese Woche in der Biosphärenreservatsverwaltung gab, machte er keinen Hehl daraus, dass er gemeinsam mit seinen Kollegen vom Storchenclub, aber auch den Biosphärenmitarbeitern und allen Rühstädtern schon ein wenig stolz darauf sei, dass man in einem Land wie Japan und einer Stadt wie Tokio auf die Erfahrungen eines so winzigen Dorfes wie Rühstädt baue. Entwicklungshilfe einmal anders.

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