17 Kilometer: Zwei Drittel müssen zur Arbeit pendeln

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16. Juli 2012, 08:18 Uhr

Potsdam/Prignitz | Arbeitnehmer in den neuen Ländern nehmen immer längere Wege auf sich, um zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen. Zwar nahm der Anteil der Binnenpendler in Deutschland von 46 Prozent aller Beschäftigten vor zehn Jahren auf 41 Prozent ab. Dafür steigt aber Pendeldistanz stetig an. Die Entfernung von der Haustür bis zum Büro beträgt im Durchschnitt knapp 17 Kilometer, berichtete das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Zehn Jahre zuvor waren es noch 14,6 Kilometer. "Man kann davon ausgehen, dass die steigende Tendenz anhält", sagte ein Mitarbeiter des Instituts.

In Brandenburg pendeln rund zwei Drittel aller Arbeitnehmer. Von den rund 899 600 Beschäftigten müssen 613 000 ihren Wohnort Richtung Arbeit verlassen. Knapp 41 Prozent fahren dafür sogar in ein anderes Bundesland, wie eine Analyse des Statistischen Landesamtes zeigt. Die Unterschiede in den Kreisen sind dabei sehr deutlich. Am häufigsten setzen sich Beschäftigte in Potsdam-Mittelmark (63 097), Oberhavel (58 248) und Märkisch-Oderland (56 160) ins Auto. Bei den beiden letztgenannten fällt auf, dass die Fahrt vor allem in ein anderes Bundesland führen. Hier macht sich die räumliche Nähe zu Berlin bemerkbar. In Potsdam-Mittelmark arbeiten die Menschen hingegen häufiger in einem anderen Kreis und fahren nicht nach Berlin.

Mit Abstand am wenigsten wird in der Prignitz gependelt. 16 812 Menschen arbeiten nicht an ihrem Wohnort und müssen fahren. Ihre Wege führen vor allem in andere Gemeinden desselben Kreises und sind damit überschaubar. Nur in Karstädt (603) und Wittenberge (970) ging es über die Landesgrenzen hinaus und damit nach Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Aus anderen Bundesländern nach Karstädt kommen hingegen nur 263 Menschen. in Wittenebrge hält es sich fast die Waage (923).

In den neuen Ländern ist ein deutliches Nordost-Südwest-Gefälle zu beobachten. Es sind vor allem die dünn besiedelten Räume in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und der Altmark, die - laut Bericht - überdurchschnittlich hohe Pendeldistanzen aufweisen und in denen auch die Zunahme der Entfernungen am stärksten fortschreitet.

Der neue Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, forderte erst kürzlich in unserer Zeitung die Erhöhung der Entfernungspauschale. Seit der Anpassung im Jahr 2004 auf 30 Cent stiegen die Kosten der Mobilität um ein Drittel, rechnet Reiner Holznagel vor. "Viele Steuerzahler kommen - wegen der Kraftstoffpreise und der höheren Preise für den ÖPNV - mit den 0,30 Euro pro Entfernungskilometer nicht mehr hin. 40 Cent je Kilometer sind überfällig."

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