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Der Prignitzer

18. Oktober 2017 | 15:06 Uhr

1500 Euro für wertlose Produkte

vom

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2011 | 02:37 Uhr

Wittenberge | "Sie sind der Beste!" Mit dieser Aussage lockte der Moderator auf der jüngsten Kaffeefahrt zum Kauf von wertlosen Produkten. Die unfaire Verkaufsmasche bekam ein Wittenberger am Mittwoch am eigenen Leib zu spüren. Was mit einem harmlosen Frühstück begann, endete mit der Unterschrift des Wittenberges unter dem Kaufvertrag von 1500 Euro. Wer darauf erst einmal hereingefallen ist, hat es schwer, aus dem Vertrag wieder herauszukommen, sagt Gabriele Hahn, verantwortlich für Gewerbeangelegenheiten im Rathaus.

Während das Ordnungsamt gemeinsam mit der Polizei noch mittwochfrüh eine derartige Fahrt ins Grüne verhindert (wir berichteten), sitzt Manfred P.* zur gleichen Zeit in einem Reisebus, der ihn gemeinsam mit 35 weiteren Teilnehmern nach Dobbertin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) in eine Gaststätte bringt. Nach einem gemütlichen Frühstück, so Manfred P., beginnt ein Moderator über Reiseangebote zu sprechen. Denn die Veranstalterin Claudia Fischer - so steht es auf der Einladung - betreibt ein Touristikunternehmen und will seine treuesten Kunden belohnen. "Die Angebote klangen alle toll. Aber die wollte ich nicht", erzählt der Senior weiter.

Anschließend versucht der Mann auf der Bühne andere Produkte an den Mann zu bringen. "Mich hatte er auf dem Kicker", ist sich Manfred P. sicher. Der Moderator mit ausgezeichneten Rhetorikkenntnissen spricht ihn immer wieder direkt an, lobt ihn für seine Treue "obwohl ich mit der Firma nie etwas zu tun hatte", wundert sich der geschockte Elbstädter. Der Trick: Ihm wird suggeriert, dass die Produkte Geschenke seien. Er sucht sich Nahrungs-Ergänzungspräparate im Wert von 3000 Euro aus. Außerdem noch eine Weihnachtspyramide und einen Laptop. "Dass das was kostet, davon war nie die Rede."

Auch andere lassen sich von den netten Worten einlullen. Mit Aussagen wie "Das gebe ich ihnen zu einem Spottpreis" oder "Das ist ein ganz spezielles Angebot, weil sie unser treuester Kunde sind", erweicht der Mann die Herzen der Teilnehmer und öffnet auf diese Weise Brieftaschen. Der Verkaufsmarathon ist um 16 Uhr beendet. Manfred P. setzt seine Unterschrift unter den Vertrag. Er übersieht in der Hektik, dass neben den Ergänzungspräparaten, dem Laptop und der Weihnachtspyramide eine Sackkarre, ein weiteres Nahrungsmittelprodukt, eine Taschenuhr, ein Pandabär mit Schleife aus Plüsch und eine Aktentasche aufgelistet sind. Dinge, die er nie wollte und auch nicht braucht. Zusätzlich setzt er seinen Namen unter einer Abbuchungsvollmacht, allerdings ohne Kontodaten anzugeben. "Der Mann setzte mich unter Druck, ich habe einfach unterschrieben", versucht Manfred P. seine Fassungslosigkeit in Worte zu fassen. Eine Erklärung konnte er auch seiner Frau zu Hause nicht liefern, die sofort alarmiert war und sich bei Gabriele Hahn im Gewerbeamt meldet.Sie rät, alles sofort unberührt an den Absender zurückzuschicken und den Kaufvertrag zu widerrufen. In diesem Fall ist dafür die Goltes Vertriebs GmbH und CO. KG mit Sitz in Molbergen im Landkreis Cloppenburg zuständig. "Das Problem war die Sackkarre. Der Veranstalter spekuliert darauf, dass sie benutzt wird und deshalb nicht zurückgeschickt werden kann", weiß sie aus Erfahrung. Sieben Pakete für knapp 50 Euro plus 20 Euro extra für die Verschickung der Sackkarre hat das betrogene Ehepaar bei der Post gelassen. Ob nun ein Inkassoschreiben mit der Zahlungsaufforderung folgt, bleibt abzuwarten

*Name von der Redaktion verändert

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