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Wittenberger Traditionschor : 125 Jahre und gar nicht alt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Über das Gestern und Heute des Arion-Chors gibt im Jubiläumsjahr Vorstandsmitglied Hans-Herbert Lante Auskunft.

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erstellt am 10.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Mit einem Festkonzert im Kulturhaus haben der Arion-Chor und sein Publikum den 125. Geburtstag der Sangesgemeinschaft begangen. Über Vergangenheit und Gegenwart dieses ältesten Chores von Wittenberge sprach für den „Prignitzer“ Barbara Haak mit Hans-Herbert Lante. Das Vorstandsmitglied fungiert auch als Arion-Chronist.

Was ist über die Gründungszeit des Arion-Chors bekannt?

Hans-Herbst Lante: Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes gründen im Februar 1892 der SPD nahestehende Bürger der Stadt den Männergesangsverein Arion. Der Verein organisierte auch linksgerichtete Veranstaltungen, beispielsweise Ausflüge zum 1. Mai, die von der Polizei aufgelöst wurden. Und ein Pfarrer soll von der Kanzel verkündet haben: „Falls die Arbeitersänger an einer Beerdigung teilnehmen, kommt meine Mitwirkung nicht in Frage.“ Dem Verein wurde von der Kirche untersagt, am Grabe zu singen. Es war eine sehr bewegte Zeit.

Der Arion-Chr war also nicht unpolitisch?
Nein. Wenn man beispielsweise in die Satzung von 1925 guckt, heißt es dort zu den Aufnahmebedingungen: Mitglied kann jede „ehrenhafte“ Person ab 18 Jahren werden, die gewerkschaftlich oder politisch organisiert ist.
Und wie gestaltete sich die künstlerische Entwicklung?
Einen künstlerischen Höhepunkt erreichte unser Verein ohne Zweifel in der Zeit der Weimarer Republik mit einem Männerchor, einem gemischten Chor, einem Doppelquartett und einem Kinderchor, denen insgesamt 320 Mitglieder angehörten. Sicherlich war das auch begründet durch die hohe Arbeitslosigkeit, die Menschen hatten Zeit. Es gab kein Fernsehen und kaum Rundfunk. In jenen Jahren gab es viele Veranstaltungen; die Presse lobte die hohe künstlerische Qualität des Gesangs.
Die Nazizeit beeinflusste auch das Chorleben nachhaltig?
Am 29. April 1933 beschloss die Generalversammlung auf Grund der sich zuspitzenden politischen Lage, sich geschlossen dem Männergesangsverein „Polyhymnia“ anzuschließen, um den Zusammenhalt der Vereinsmitglieder zu sichern. Das wissen wir aus den Chroniken. Beispielsweise hat sich auch Günter Rodegast als Stadtgeschichtler intensiv mit dem Arion-Chor befasst. Im Oktober 1945 bildet sich unser Chor unter dem Namen Städtischer Volkschor Arion wieder. Am 12. Dezember 1945 gestattete der sowjetische Stadtkommandant Mironenko dann die Tätigkeit des Chores.
Ein Gesangsensemble wird wesentlich von den Chorleitern geprägt. Welche Namen muss man unbedingt nennen?

Da ist Heinz Muhs, der den Chor von 1953 bis 1997 leitet. Er prägte den Chor entscheidend, forderte hohe Disziplin.
Von 2009 bis 2012 lag das Dirigat in den Händen von Marcus Merkel. Er war mit 17 Jahren der jüngste Chorleiter, ein Ausnahmetalent und sehr reif für sein Alter. Der Altersunterschied zwischen ihm und uns Sängern war groß, was der gegenseitigen Akzeptanz keinen Abbruch tat. Das Gegenteil: Wir hatten große Erfolge bei Auftritten. In seiner Zeit hat sich der Chor von 17 Mitgliedern auf 30 Mitglieder entwickelt. Heute ist Marcus Merkel als Pianist und Dirigent an der Oper Graz verpflichtet. Von 2013 bis 2015 leitet Clemens Rohde den Chor. Als wir danach ohne Leiter waren und sich die Suche nach einem neuen schwer gestaltete, sprang Kantor Christian Reishaus ein und übernahm unseren Arion-Chor zusätzlich zu seinen umfangreichen Verpflichtungen.
Seit Beginn dieses Jahres ist Angela Sonntag Chorleiterin, fühlt sich als Teil desselben und arbeitet so mit uns. Sie ist anerkannt und ein Glücksfall für den Chor.
Stichwort musikalische Höhepunkte. Was ist zu nennen?

Sehr vieles. Aber ich will mich beschränken. Als besonderer Höhepunkt im musikalischen Schaffen ist uns als Chor das Jahr 2013 in Erinnerung mit dem gemeinsamen Auftritt mit der Dresdner MerQuury Band, der Staatskapelle Schwerin und dem Opernchor auf der Elblandbühne der Alten Ölmühle. Dargeboten wurde „Barcelona“.

Höhepunkt in diesem Jahr ist der gemeinsame Auftritt mit dem Don Kosakenchor Serge Jaroff am 17. Dezember im Kultur- und Festspielhaus. Darüber hinaus sind wir als Chor mit einem Frühlingskonzert, einem Sommerkonzert, einer eigenen Bühne beim Stadtfest, einem Adventskonzert und weiteren Auftritten fester Bestandteil des kulturellen Lebens unserer Stadt Wittenberge.

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