Prignitz - kein Billiglohnland

Edelgard Schimko: 'Zu wenig Betriebe haben bisher erkannt, dass die Prignitz kein Billiglohnland ist.'
Edelgard Schimko: "Zu wenig Betriebe haben bisher erkannt, dass die Prignitz kein Billiglohnland ist."

Prignitzer Unternehmen erkennen anders als noch vor einem Jahr das Problem des Fachkräftemangels. Das ist das Ergebnis einer Studie, die konkrete Handlungsempfehlungen gibt. Erste Firmen reagieren mit deutlich höheren Gehältern.

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24. März 2009, 08:09 Uhr

Prignitz | Knapp 1500 Betriebe sind im Auftrag des Wachstumskerns Perleberg-Wittenberge-Karstädt angeschrieben worden, etwa 300 haben geantwortet, und von denen bewerten 47 Prozent die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften als schlecht bzw. sehr schlecht. "Das ist der zweitschlechteste Wert bezogen auf alle abgefragten Standortfaktoren", sagte auf dem gestrigen Pressegespräch Hartmut Siemon, Geschäftsführer der Landesagentur für Struktur und Arbeit Brandenburg GmbH (LASA), die die Studie durchführte. Ebenfalls als sehr schlecht werden die Ausbildungsangebote von Hochschulen und Forschungseinrichtungen bewertet.

Bewusstsein bei Unternehmern geweckt "Das Bewusstsein der Unternehmen für die Fachkräfteproblematik ist geweckt", schlussfolgerte Siemon. Eine positive Entwicklung sei dies, ergänzte Arbeitsministerin Dagmar Ziegler. Sie sei erstaunt, dass sich binnen eines Jahres die Sicht der Unternehmer so sehr gewandelt habe. Bisher hätten sie häufig mit Blick auf die Arbeitslosen und auf ausländische Arbeitnehmer den Ernst der Lage verkannt, sagte Ziegler.

Der Sinneswandel komme gerade noch rechtzeitig, um gegensteuern zu können. Laut Studie hat mehr als ein Drittel der Unternehmen aktuell Arbeitskräftebedarf. Bereits jeder fünfte Betrieb habe Probleme bei der Besetzung von Arbeitsplätzen. Der demografische Wandel verschärft die Lage, die stark rückläufigen Schulabgängerzahlen wirken sich in den nächsten Jahren aus. Dabei ist schon heute jeder achte Arbeitnehmer über 55 Jahre.

"Wir müssen handeln", sagte Rolf Büttner, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Prignitz, und nannte Pläne. So sollen beispielsweise diejenigen Unternehmen gezielt Unterstützung erhalten, die in der Umfrage personelle Probleme eingeräumt haben. Ob Prignitzer Arbeitstest oder andere Projekte, der Landkreis könnte Mitarbeiter vermitteln, sagte Edelgard Schimko, zuständig für Wirtschaftsfragen. Intensivere Zusammenarbeit mit Hochschulen und die Kommunikation von Weiterbildungsangeboten in der Region seien weitere Maßnahmen.

Schule und Wirtschaft stärker verflechten "Wir möchten Projekte der Schulen mit den Betrieben ausbauen", kündigte Büttner an. Beispielhaft führte er die Bildungsgesellschaft Pritzwalk an. Sie arbeite mit einer Firma zusammen, in der wöchentlich Schüler der 9. Klassen Praktika absolvieren. Das sei eine Möglichkeit, frühzeitig Kontakte zu knüpfen, Schülern hiesige Berufschancen zu zeigen.

Aber stärker als bisher müssten Schulen und Lehrer zur Mitarbeit motiviert werden, wenn es um Kontakte zur Wirtschaft geht. Hervorragend gelinge das dem Gymnasium Wittenberge. "Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet diese Schule immer wieder mit Preisen von nationalen Wettbewerben zurückkehrt", sagte Schimko.

Alle Beteiligten stimmten darin überein, dass langfristig der Fachkräftebedarf nicht allein aus der Region heraus zu sichern sei. Ohne Zuzug könne es nicht gelingen. Aber wie Fachkräfte anlocken, wie sich gegen europäische Mitbewerber behaupten?

Ein wesentlicher Faktor sei das Geld: "Die Prignitz ist kein Billiglohnland", brachte es Büttner auf den Punkt. Wer qualifizierte Mitarbeiter sucht, dürfe nicht weniger Gehalt zahlen als in anderen Regionen. "Zu wenig von unseren 6000 Unternehmen haben das bisher begriffen", meinte Edelgard Schimko. Funktio nieren kann es: "Einigen Betrieben ist es gelungen, Prignitzer aus Hamburg zurückzuholen", wissen Büttner und Schimko.

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