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Lokales

15. Dezember 2017 | 20:58 Uhr

Prignitz: Behinderte haben Jobchancen

vom

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erstellt am 02.Sep.2010 | 07:44 Uhr

Prignitz | Auf zehn Praktikumsplätze für Menschen mit Behinderung kann Tom Buchholz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Prignitz, derzeit verweisen. Und er freut sich, dass eine ganze Reihe auch kleinerer Prignitzer Betriebe dafür gewonnen werden konnte, Behinderten damit eine Chance zu geben, sich auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt auszuprobieren. Es gebe sogar mehr Praktikumsangebote, als derzeit belegt werden könnten, machte Buchholz auf "Prignitzer"-Nachfrage deutlich. Denn es sei gerade für diejenigen, die schon längere Zeit in den Werkstätten der Lebenshilfe arbeiten, eine große Umstellung, sich plötzlich in einer völlig neuen Umgebung und unter fremden Menschen zu behaupten. "Darauf müssen wir sie gut vorbereiten", so Buchholz.

Ein richtiger Weg, wie Torsten Uhe, erster Beigeordneter des Landkreises Prignitz, betont. Seit drei Jahren bemühe sich die Kreisverwaltung gemeinsam mit Partnern intensiv um die Integration Behinderter in den ersten Arbeitsmarkt. Kein leichter Weg, nicht nur, was die Bereitschaft von Unternehmen anbelangt, Menschen mit Handicap einzustellen, sondern auch, weil damit gewohnte Pfade verlassen werden. "Bisher ist es so, dass die Quote derer, die von den Schulen für geistig Behinderte (G-Schulen) in die so genannten geschützten Werkstätten wechseln, bei nahezu 100 Prozent liegt. Es gibt aber durchaus Menschen darunter, die in der Lage und auch bereit sind, auf den ersten Arbeitsmarkt vorbereitet zu werden.", macht Uhe deutlich. Deshalb hatte der Landkreis schon im März 2009 alle Beteiligten dieses Prozesses zusammengebracht bis hin zum Integrationsfachdienst, der Agentur für Arbeit und natürlich Wirtschaftsvertretern.

Derzeit, so Uhe, seien etwa 500 Menschen mit Handicap in den Werkstätten der Lebenshilfe in Perleberg, Pritz walk und Wittenberge beschäftigt. Er schätzt, dass etwa zehn Prozent davon geeignet seien, in der freien Wirtschaft zu arbeiten und dabei durchaus auch sehr gute Leistungen zu bringen. Dafür reiche es aber nicht, diese Fähigkeiten schon rechtzeitig in der G-Schule zu erkennen, dafür seien vielmehr auch neue Modelle sowie rechtliche Änderungen notwendig. So gelte beispielsweise das recht gute Bundesprogramm der unterstützten Beschäftigung nur für Behinderte, die zuvor nicht in einer Werkstatt beschäftigt waren. "Wir versuchen derzeit gemeinsam mit der Landesregierung, dieses Modell zu modifizieren, damit es weiter greift", erklärt Uhe.

Ein anderes Problem sei die Tatsache, dass Behinderte in den geschützten Werkstätten rundum abgesichert sind, einen höheren Rentenanspruch als in der freien Wirtschaft haben. Das fördere natürlich nicht den Wechsel in die Wirtschaft. "Brandenburg will eine Gesetzesinitiative starten, um das zu ändern", macht Uhe deutlich. Ebenso müsse ein Weg gefunden werden, der Behinderten das Rückkehrrecht in die Werkstatt sichere, wenn es mit dem Job in der Firma Probleme gibt.

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