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Lokales

15. Dezember 2017 | 13:14 Uhr

Prignitz bangt um Störche

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erstellt am 13.Mai.2010 | 05:48 Uhr

Rühstädt | Kulturgut und Wirtschaftsfaktor ist der Weißstorch in der Prignitz, seine Population jedoch rückläufig. Im storchenreichsten Landkreis Deutschlands Grund zur Sorge und somit Grund, das Phänomen genauer zu untersuchen. Der Naturschutzfonds Brandenburg gab daher auf Anregung des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg im vorigen Jahr ein pflanzen- und ein vogelkundliches Gutachten in Auftrag. Die Initiative reiht sich ein in die Bemühungen der Akteure vor Ort, die Weißstorchpopulation zu stabilisieren. In diesem Jahr nisten 30 Paare in Rühstädt.

Die Untersuchungen der Biologin Dr. Krista Dziewiaty und der Botanikerin Urte Delft sollten die Bedeutung des Elbvorlandes als Lebensraum für die typische Vogelwelt herausstellen. Ihre Ergebnisse präsentierten sie im europäischen Storchendorf. Obgleich die Forschungen nur Momentaufnahmen sein konnten, lieferten sie aufschlussreiche Fakten. So wurde in der zurückliegenden Saison ein beringter Storch aus Wootz beobachtet, der 18 Kilometer einfache Strecke für die Nahrungssuche zurücklegte, ungewöhnlich weit. Im für die Störche schwierigen Jahr 2009 - rund sechs Wochen lang gab es zwischen Anfang April und Mitte Mai keinen Niederschlag - ist dies auch ein Indiz für den Nahrungsmangel, der sich auf den Bestand auswirkt. Einen gedeckten Tisch fand Adebar hingegen auf den Äckern unmittelbar nach der Raps- und Getreideernte vor. Dziewiaty wies darauf hin, dass diese Nahrungsflächen mit dem zunehmenden Mais anbau auf Grund der wachsenden Zahl der Biogasanlagen entfallen würden. Grund ist der späte Erntetermin für Mais.

Herbert Schulz, ehrenamtlicher Weißstorchbetreuer des Nabu in der Prignitz, stellte die Rühstädter Sorgen in einen größeren Gesamtzusammenhang. So sinke der Storchenbestand seit 1996, als absolute Spitzenwerte erreicht wurden, im gesamten Landkreis leicht und falle anderswo sogar stark. Als Beispiele nannte Schulz Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern und bezog sich auf die Entwicklung von 2004 bis 2009. Dabei weisen die Landkreise Müritz ein Minus von 42 Prozent, Parchim von 36 Prozent, Ludwigslust von 26 Prozent auf. Im gleichen Zeitraum sank die Population auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg um 20 Prozent, in den brandenburgischen Nachbarkreisen Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel jeweils um rund zehn Prozent. "Rühstädt liegt im allgemeinen Trend", verdeutlichte Schulz. Dieser Trend sei, wie Rühstädts Bürgermeister Jürgen Herper ergänzte, auch international, in befreundeten Storchendörfern, nachvollziehbar. So wäre die Zahl der Brutpaare im ungarischen Nagybayom von 30 auf zehn, in Velika Polana in Slowenien von elf auf drei gefallen. Erschwerend, so Dr. Dziewiaty, komme für Rühstädt hinzu, dass sich die hiesige Population nicht selbst reproduziere. Der Bruterfolg liege seit Jahren unter dem im Landkreis.

Die Situation in Rühstädt bezeichnete Herbert Schulz als "noch zufriedenstellend", wohl wissend, dass im Hintergrund intensive Bemühungen laufen, das Wahrzeichen der Region zu halten. Beispielsweise habe man vier Jahre lang daran gearbeitet, den Modus des Gewässereinstaus so zu verändern, dass das Wasser länger in der für den Weißstorch relevanten Landschaft verbleibt. "Von diesem Zyklus profitieren wir dieses Jahr erstmals", so Herper. Was nach wie vor fehlt, sind flexible Landesprogramme und somit Landesmittel, die die kleinflächige Grünlandmahd für Landwirte in der Elbtalaue attraktiv machen. Zudem könne der Naturschutzfonds dieses Jahr kein Geld locker machen, um die Forschungen fortzusetzen, so Michaela Jansik, im Fonds zuständig fürs Flächenmanagement.

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