Preis für Anti-Krebs-Impfung

Ausgezeichnet: Oberarzt Dr. Carl Friedrich Classen (von links.) erforscht mit Diplombiologin Christina Susanne Mullins und Studentin Anne Enders eine alternative Behandlungsmethode zur Chemo- und Strahlentherapie.Universitätsklinik Rostoock
Ausgezeichnet: Oberarzt Dr. Carl Friedrich Classen (von links.) erforscht mit Diplombiologin Christina Susanne Mullins und Studentin Anne Enders eine alternative Behandlungsmethode zur Chemo- und Strahlentherapie.Universitätsklinik Rostoock

von
14. Dezember 2010, 07:55 Uhr

Rostock | Mit ihrer Forschungsarbeit geben sie Menschen Hoffnung auf ein längeres Leben. Das Team um Dr. Carl Friedrich Classen, Oberarzt der kinderonkologischen Station der Rostocker Universitäts-Kinder- und Jugendklinik, testet seit Jahren ein Verfahren, bei dem Hirntumorzellen durch körpereigene Zellen zerstört werden. Für ihr Engagement hat die Rostocker Arbeitsgruppe nun in Wiesbaden von der Stiftung "Tumorforschung Kopf-Hals" den Alexander-Karl-Preis bekommen. Die Auszeichnung ist mit 50 000 Euro dotiert. "Durch ihre wissenschaftliche Arbeit leisten sie einen wesentlichen Beitrag für die Zukunft der Forschung von Tumoren im Hals-Kopfbereich", sagt der Vorsitzende des Kuratoriums, Otto Boehringer.

Bösartiger Hirntumor ist in fast allen Fällen unheilbar. "Trotz Operation, Bestrahlung und Chemotherapie kommen die Glioblastome - bösartige Zellen - häufig wieder", sagt Classen. Deshalb arbeitet er seit Jahren an einem alternativen Verfahren: der Tumorimmunologie. "Wir wollen das Immunsystem gegen den Tumor aktiv machen", so der Oberarzt. Bei der neuen Behandlungsmethode entnehmen Ärzte dem Patienten Zellen des Immunsystems und vom Tumor. "Diese werden im Labor zu sogenannten Dendritischen Zellen gegen den Krebs scharf gemacht und dem Erkrankten anschließend zurückgeimpft", sagt er. Die Immunzellen greifen den Tumor an. Jeder Patient braucht dafür eigene Zellen um seinen speziellen Glioblastome behandeln zu können.

"Bisher sind da allerdings keine Wunder zu erwarten", so Classen. Bei der herkömmlichen Behandlungsmethode, überleben die Erkrankten zwischen ein und eineinhalb Jahre. Nur vereinzelt gebe es Langzeitüberlebende. "Mit dem neuen Verfahren verbessert sich die Chance etwas auf ein längeres Leben", sagt er. Noch befindet sich die Therapie in der Entwicklungsphase. Im Labor züchtet die Rostocker Forschungsgruppe Hirntumorzellen und versetzt sie mit den Dendritischen Zellen. Bis Patienten mit der Anti-Krebs-Impfung in Deutschland tatsächlich behandelt werden, kann noch einige Zeit vergehen. Das sei eine Frage der Förderung, um hochspezialisierte Labors einzurichten, so der Oberarzt. "Im Augenblick laufen Gespräche mit einigen Firmen", sagt er. Bisher kommt das Verfahren nur in Belgien zum Einsatz. Deutschlandweit erkranken jährlich 16 000 Menschen an einem Tumor im Hals- oder Kopf. Ohne die Therapie bleibt ihre Überlebenschance gering.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen