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Lokales

24. September 2017 | 03:34 Uhr

Prävention ohne Kostenexplosion

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erstellt am 03.Jun.2010 | 07:34 Uhr

Rostock | Urlaub als Vorsorgemaßnahme - das ist eines der Ziele des Gesundheitstourismus. Wer zum Beispiel zuckerkrank ist, Probleme mit dem Herzen oder dem Bewegungsapparat hat, braucht in den Ferien Hotels mit speziellen Angeboten im Veranstaltungsplan oder in der Küche. Diese Beispiele spiegeln allerdings noch nicht den gesamten Umfang von Gesundheitstourismus wider - eine feste Definition gibt es bisher nicht.

Hotels sollten für Diabetiker spezielle Angebote machen

"Gesundheitstourismus an sich ist Prävention", sagte Professor Horst Klinkmann, Tagungspräsident der 6. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft, die gestern in Rostock zu Ende ging. "Der Begriff wird vielschichtig gebraucht, aber mit Wellness hat er nichts zu tun. In den kommenden Jahren wird es zum Beispiel immer mehr Diabetiker geben - Hotels wären gut beraten, für diese Patienten spezielle Angebote zu machen."

Die Vermeidung von Krankheiten durch Vorsorge muss künftig eine immer größere Rolle spielen, darin waren sich die rund 600 Mediziner, Unternehmer und Politiker auf der Tagung einig. Die immer älter werdende Bevölkerung wird einen immer höheren Bedarf an Vorsorge- und Versorgungsleistungen erfordern. Eine der zentralen Fragen dabei ist die nach der Finanzierung.

Sellering fordert eigenes Präventionsgesetz

Viele Menschen sind durchaus bereit, für ihre Gesundheit in die eigene Tasche zu greifen. Aber um Prävention in angemessenem Umfang zu realisieren, müssten auch die Krankenkassen Geld beisteuern, indem sie mehr Vorsorgeleistungen in ihre Regelkataloge aufnehmen, forderten mehrere Tagungsteilnehmer. Dafür würde eigentlich auch das lange geforderte Präventionsgesetz auf Bundesebene gebraucht, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). "An der Notwendigkeit umfangreicherer Vorsorge gibt es keinen Zweifel", räumte die Vorstandsvorsitzende der Barmer BEK, Birgit Fischer, ein. "Aber wir als Krankenkassen können nicht immer neues Geld in die Hand nehmen, sondern müssen sehen, wie wir das vorhandene zielgerichteter einsetzen." Das Schlagwort "Vom Kostenfaktor zum Wirtschaftsfaktor" für die Prävention machte die Runde. "Es müssen die richtigen Impulse gegen überbordende Kosten gesetzt werden", sagte Hans-Joachim Otto, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der für den kurzfristig ausgefallenen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Bundesregierung vertrat. "Wir brauchen Innovationen, die auch wirklich bei den Menschen ankommen."

Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) möchte Mecklenburg-Vorpommern als führendes Kompetenzzen trum der Gesundheitswirtschaft in Deutschland etablieren. Gerade war ein Projekt aus Greifswald unter den Siegern des Bundeswettbewerbs "Gesundheitsregionen der Zukunft"; "Higc@re" beschäftigt sich mit der Bekämpfung multiresistenter Krankheitserreger und erhält 7,5 Millionen Euro aus dem Bundesforschungsministerium.

Im kommenden Jahr wird die Branchenkonferenz unter dem Motto "Gesundheit grenzenlos" stehen - mit EU-Unterstützung, denn MV ist Teil des europäischen Projekts "Gesundheits-Modellregion Ostseeraum". Für dieses Vorhaben stellt die EU 1,2 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung.

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