Lübz : Positive Reaktionen auf gesundes Essen

Bald gibt es neue Frühstücksbretter, die sie dann selbst belegen: Auch die fünf- bis sechsjährigen Kinder aus der Gruppe von Erzieherin Monika Pingel freuen sich darauf, bei der Zubereitung ihres Essens bald mehr selbst tun zu können. Ilja Baatz
Bald gibt es neue Frühstücksbretter, die sie dann selbst belegen: Auch die fünf- bis sechsjährigen Kinder aus der Gruppe von Erzieherin Monika Pingel freuen sich darauf, bei der Zubereitung ihres Essens bald mehr selbst tun zu können. Ilja Baatz

Ein vom Land beschlossenes Gesetz sieht vor, dass Kindertagesstätten ab Januar eine "Vollverpflegung" - bestehend aus Frühstück, Mittagessen und Nachmittagsvesper - vorhalten müssen.

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30. November 2010, 11:02 Uhr

Sie soll sich an den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientieren, die eine vollwertige und gesunde Verpflegung in den Vordergrund stellt.
"Wir haben zwar den Vorteil, noch eine eigene Küche im Haus zu besitzen, aber die Neuerung bedeutet auch für uns einen höheren Aufwand. Unabhängig davon haben Erzieherinnen wie auch schon Eltern von Krippenkindern auf Versammlungen positiv reagiert", sagt Gisela Böhse, Leiterin der Lübzer Kita "Pfiffikus". Mit gegenwärtig 152 Kindern (davon 42 im Krippenbereich) besetzt, ist sie die größte im Amt Eldenburg Lübz und eine der größten im gesamten Landkreis. Kleinere Häuser hatten in der Vergangenheit Bedenken geäußert, wie sie die Vorschriften umsetzen sollen, was schon beim Einkauf der Waren beginne (wir berichteten kurz).

Gestern haben weitere Eltern in Lübz einen Fragebogen bekommen, der über die Neuerungen aufklärt und auf dem zum Beispiel vermerkt werden soll, welche Nahrungsmittel das Kind bevorzugt und ob Allergien bestehen. Schon jetzt bereiten die Mädchen und Jungen einmal in der Woche ein gesundes Frühstück zu, für das in Absprache mit den Eltern eingekauft wird und die Drei- bis Sechsjährigen ihre Brote selber schmieren. "Erfahrungen in einzelnen Gruppen zeigen, dass die Kinder auch Freude bei der Zubereitung der Mahlzeiten haben", heißt es in dem Fragebogen. Bisher gibt es in der Kita nur Mittagessen, das zwei Euro kostet. Für das künftig mit angebotene Frühstück und die Nachmittagsvesper sind jeweils 50 Cent zu bezahlen. Einen Zwang, die neuen Angebote wahrzunehmen, gibt es nicht. "Wir müssen Erfahrungen sammeln, ob die angesetzten Kosten ausreichen", sagt Gisela Böhse.

Da der Großhandel die Küche eh schon beliefere, werde man versuchen, über ihn auch die zusätzlich benötigten Waren zu kaufen. Die Erzieher sind laut Gesetz nicht dazu verpflichtet, das Essen zuzubereiten. Es gebe auch Lieferanten, die die zusätzlichen Mahlzeiten fertig bringen.

Erwartet habe Gisela Böhse die neuen Vorschriften nicht, doch auch ihre Einrichtung stehe dahinter: "Auf Landesebene haben relativ viele die jetzt genannten Ziele schon vor längerer Zeit freiwillig umgesetzt - Banzkow und Parchim etwa gehören dazu - und gute Erfahrungen gesammelt. Auch wir müssen jetzt unseren Weg finden." Die Leiterin muss mehrere Schulungen der Verbraucherzentrale zum Thema Ganztagsverpflegung durchlaufen und hatte/hat so nicht nur Kontakt zu Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes, das Träger ihres Hauses ist, sondern auch zu anderen verschiedener Größe in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Was die Kinder bisher von zu Hause als Frühstück mitbringen, sei in den weitaus meisten Fällen abwechslungsreich und absolut in Ordnung. Der Vorteil der bald im Kindergarten angebotenen Nachmittagsvesper bestehe unter anderem darin, dass Mitgebrachtes gerade im Sommer nachmittags oft nicht mehr appetitlich sei. Die Mädchen und Jungen lernten auszuwählen, Spaß an der Zubereitung und am Essen selbst. Die Bereitschaft, etwas Neues auszuprobieren und zu akzeptieren, sei in einer Gruppe größer und man lerne in ihr Selbstständigkeit und Tischsitten. "Die Essgewohnheiten fürs ganze Leben entwickeln sich in den ersten sechs Jahren", sagt die Leiterin. "Die Kinder lernen durch Vorbildwirkung der Erwachsenen - auch im Ernährungsbereich."

Die Drei- bis Sechsjährigen, die ihre Brote jetzt nur einmal in der Woche selbst schmieren, werden dies dem Plan zufolge ab dem 10. Januar jeden Tag selbst tun. Bei den Kleineren haben Teller ausgedient, weil bald auch bei ihnen Schnitten frisch zubereitet werden, was auf Tellern schlecht möglich ist. Für alle Kinder waren deshalb unter anderem neue Frühstücksbretter anzuschaffen, die die Kraft von Spülmaschinen für den gewerblichen Bereich aushalten - ein zunächst ungeahnter Kostenpunkt, zu dem sich zum Beispiel die Anschaffung von zusätzlichen Hausgeräten gesellt, um für die neue Art des Umgangs mit Essen einen noch größeren Anreiz zu schaffen.

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