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Poppendorf will sich selbst mit Strom versorgen

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erstellt am 03.Mai.2010 | 08:32 Uhr

Poppendorf | Der Lärmschutzwall am Ortseingang von Poppendorf soll künftig nicht mehr nur die Straßengeräusche fernhalten, sondern auch zu Poppendorfs Unabhängigkeit beitragen: Dort ist der Bau einer Fotovoltaikanlage geplant. Der grüne Hügel zeigt Richtung Süden - "ideale Voraussetzung, um Sonnenenergie zu nutzen", so Bürgermeister Gerhard Rühse.

"Um die Fläche auf dem Wall maximal zu nutzen, müssen wir etwa 400 000 Euro investieren", rechnet Rühse vor. Dieses Jahr werde die Umsetzung des Plans wohl nicht gelingen, aber die entscheidende Vorarbeit sei bereits geleistet. Der durch die Sonne gewonnene Strom soll nicht gegen Vergütung ins Netz eingespeist werden, sondern "Poppendorf energieautark machen", sagt Rühse. Die Solaranlage reicht dafür nicht aus, ist aber ein erster Schritt in diese Richtung. "Die Fotovoltaikanlage könnte jährlich etwa 22 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen." Auch an die restlichen Haushalte der Gemeinde hat Rühse gedacht. Stichwort Fernwärme: "Die könnte über die Prozessabwärme des Düngemittelwerkes produziert werden." Diesbezüglich müsse allerdings noch verhandelt werden. Doch auch die Kombination aus Solarstrom und Fernwärme kann Poppendorf noch nicht energieautark machen. Der abseits gelegene Ortsteil Bussewitz beispielsweise ist mit Fernwärme nicht mehr erreichbar. Die Lösung: Erdwärme von einem geplanten Blockheizkraftwerk. Es wird durch Gas oder Biomasse gespeist, erzeugt dadurch Strom und durch den Betrieb auch Wärme. Die Idee der Unabhängigkeit sei uralt, so Rühse. "In Bezug auf erneuerbare Energien ist der Gedanke allerdings sehr modern."

Poppendorfs Energiekonzept ist gut durchdacht - und in der Region eher die Ausnahme, weiß Dr. Adelheid Priebe vom Arbeitskreis "Energiewende Rostock". "Einige Gemeinden in Neubrandenburg und den alten Bundesländern haben solche Konzepte bereits umgesetzt", so die Expertin für Solarenergie. In Rostock und im Umland steckt der Wechsel zu erneuerbaren Energien allerdings noch in den Kinderschuhen. In jeder Gemeinde gebe es Möglichkeiten und Potenzial, leider werde auf diesem Weg zu wenig getan. "Darin liegt aber die Zukunft", betont Priebe. Poppendorf macht es vor. "Energie wird immer teurer, die Gas- und Erdölvorkommen nehmen ab, die Erschließung neuer Quellen gestaltet sich oft technisch kompliziert und ist mit hohen Kosten verbunden", erklärt sie. Außerdem steige der Energiebedarf stetig. "Hier muss man langfristig denken", betont Priebe. Das betreffe auch den finanziellen Aspekt: Um die Grundlagen für Ökostrom und -wärme zu schaffen, müsse kräftig investiert werden - und das rechne sich eben erst auf lange Sicht.

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