Polizeisport-Pläne nicht umsetzbar?

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17. März 2010, 08:17 Uhr

Schwerin | Der Entwurf für den neuen "Dienstsport-Erlass" vom Innenministerium sorgt für scharfe Proteste der Polizeigewerkschaft. "Wenn das Innenministerium leistungsfähige Polizisten will, muss es die Voraussetzungen dafür schaffen", sagt Michael Silkeit, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft. Viele Inspektionen im ländlichen Raum hätten kaum die Möglichkeit, auf gut ausgestatteten Sportanlagen zu trainieren, weil diese nicht erreichbar seien.

"In den vergangenen zehn Jahren wurden aus Kostengründen systematisch Verträge mit Schwimmhallen und Sportplätzen aufgekündigt, so dass die Beamten heute gar keine Möglichkeit mehr haben, Dienstsport zu betreiben", kritisiert Gewerkschafter Silkeit.

Die Organisation vernünftiger Rahmenbedingungen vor Ort gestalte sich oft schwierig, bestätigt Detlev Haupt, der seit mehr als 26 Jahren im Polizeisport tätig ist: "Die Polizei besitzt kaum eigene Sportanlagen, die ständige Anmietung verschlingt eine Menge Geld", so Haupt im aktuellen MV-Journal der Polizei. Er habe das Rahmenkonzept für das künftige Gesundheitsmanagement studiert. "Es liest sich wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Klasse! Es muss nur noch mit Herz und Verstand in die Praxis umgesetzt werden."

"Eingriff in Privatsphäre der Beamten"

Anlass der Debatte ist die Empfehlung des Deutschen Polizeikuratoriums zur Neugestaltung des Dienstsports. Demnach sollen die Beamten neben dem obligatorischen Dienstsport auch zu gesunder Ernährung und Lebensweise verpflichtet werden. Auch die Verpflichtung zum regelmäßigen Ablegen des Sportabzeichens war im Gespräch (wir berichteten).

Michael Silkeit wehrt sich gegen derartige Eingriffe in die Privatsphäre. Der Dienstherr habe kein Recht, den Beamten die private Lebensführung vorzuschreiben. Unter den aktuellen Bedingungen sei mehr Sport in der Dienstzeit unmöglich, weil schon jetzt zu wenige Beamte zur Verfügung stünden, um gleichzeitig den Dienst auf der Straße ausreichend gewährleisten zu können.

Silkeit sieht ein weiteres Problem in der verfehlten Einstellungspolitik der vergangenen Jahre: "Dienstsport kann weder die Folgen des Personalmangels noch die Überalterung der Landespolizei kompensieren. Die ,Alten müssen nicht fit gemacht werden, sondern Nachwuchs muss her."

Innenminister Lorenz Caffier reagierte mit Unverständnis auf die Kritik der Gewerkschaft, er sehe keinen Zusammenhang zwischen Personalmangel, Alter und Fitness der Polizisten: "Die Gewerkschaft erweckt fälschlicher Weise den Eindruck, nur junge Kollegen wären in der Lage, den dienstlichen Anforderungen zu entsprechen."

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