Polizei bremst Wut der Anwohner

Eine aufgebrachte Menge diskutierte den Vorfall mit der Polizei.
1 von 2
Eine aufgebrachte Menge diskutierte den Vorfall mit der Polizei.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin wird keine Beschwerde gegen die Haftverschonung eines 22-jährigen Gadebuschers einlegen. Der junge Mann soll am Wochenende drei Mädchen sexuell belästigt - ihnen pornografische Filme vorgeführt und sexuelle Handlungen vorgenommen haben.

von
29. Oktober 2009, 08:36 Uhr

Gadebusch | Mit der Entscheidung der Staatsanwaltschaft bleibt der 22-jährige Gadebuscher auf freiem Fuß. Aus Sicht von Juristen handelt es sich beim Vorfall in Gadebusch um ein Vergehen und nicht um ein Verbrechen. Auf Anfrage der Schweriner Volkszeitung sagt Staatsanwalt Ralph Ketelböter: "Für eine Beschwerde gibt es keine Aussichten auf Erfolg." Vielmehr sei durch die Verhängung der Kontaktsperre durch das Amtsgericht Schwerin die Wiederholungsgefahr aus rein juristischer Sicht ausgeräumt. Zudem befinde sich der mutmaßliche Täter nicht mehr in Gadebusch.

Dies hielt die mehr als 200 Demonstranten am Dienstagabend nicht davon ab, ihre Forderungen nach Gesetzesänderungen zu artikulieren. "Sperrt ihn weg. Ab in den Knast", forderte beispielsweise Caroline Krohn. Die Mutter dreier Kinder wohnt im Viertel. Sie ist verunsichert. Erst im August soll sich ein bislang unbekannter Mann an einem Kind im Kellerraum des Nachbarhauses vergriffen haben (wir berichteten). Und Enrico Kamrath aus Rehna spricht sich für lebenslange Haft und einen besseren Opferschutz aus.

Forderungen,die Evelyn Hoffmann, die Großmutter der betroffenen Kinder, unterstützt: "Dieser Mann muss in Untersuchungshaft." Sie erzählt, dass der mutmaßliche Täter dem Vater der Kinder selbst vom Vorfall berichtet haben soll. Ein Gegenbesuch des Vaters endete für diesen mit einem Hausarrest - ausgesprochen durch die Behörden.

Gegen 20.30 Uhr, eine halbe Stunde nach dem Start der über Rund-SMS initiierten Demo, spitzt sich die Lage zu. Im Lichterschein von brennenden Fackeln ploppen Bierflaschen. Unbekannte heizen die Situation auf - fordern Sofortmaßnahmen. "Was soll das? Das hat nichts mit einer Mahnwache zu tun. Der Mann befindet sich nicht in seiner Wohnung. Wenn sie schärfere Gesetze wollen, müssen sie diese von den Politikern einfordern", so ein Polizist. Stunden zuvor sollen bereits Unbekannte die Wohnungstür des mutmaßlichen Täters geöffnet haben.

Bürgermeister Ulrich Howest und Ordnungsamtsleiter Jürgen Flotow sind vor Ort. Sie reagieren mit Verständnis gegenüber den Betroffenen. "Die Allgemeinheit muss vor Sexualstraftätern geschützt werden", so Howest. Bürgermeister und Ordnungsamtsleiter fordern ebenso ein besonnenes Handeln seitens der Bürger.

Nicht anders lautet der Wunsch der Polizei, so der Pressesprecher der Polizeidirektion Klaus Wiechmann. Er verteidigt den Einsatz mit 40 Kräften: "Es gab eine anonyme Rund-SMS, deren Ton durch veränderte Wortwahl verschärft worden war. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung für den Einsatz. Unser oberstes Anliegen besteht in der Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung." Dies gelang der Polizei durch präsent sein und Gesprächsangebote.

Ein Zusammenhang mit dem Vorfall im August räumte die Staatsanwaltschaft unterdessen aus. Damals lockte ein Unbekannter ein Mädchen in die Kellerräume eines Nachbarhauses, wo es zum Missbrauch gekommen sein soll. "Die Täterbeschreibung ist eine völlig andere", so Ralph Ketelböter.

Dennoch: Die Gadebuscher sind von den Vorfällen geschockt. Die betroffenen Eltern wollen mit Hilfe eines Anwaltes Widerspruch beim Amtsgericht einlegen. Sie fühlen sich von der Justiz im Stich gelassen.

Die Kinder reagieren auf den Vorfall vom Wochenende verstört. Die Familie möchte die Hilfe eines Psychologen in Anspruch nehmen.

Gestern Abend kursierten erneut Nachrichten von weiteren Demonstrationen in der Rosa-Luxemburg-Straße, auf die sich die Polizei einstellte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen