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Lokales

20. November 2017 | 13:11 Uhr

Poker um "Amflora"

vom

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erstellt am 11.Jan.2011 | 07:38 Uhr

Bütow/Schwerin | In Mecklenburg-Vorpommern, so scheint es, wird ein neues Pokerspiel ausgetragen. Titel: "Amflora" hopp oder top? Denn die Zukunft des Genkartoffel-Anbaus im Nordosten ist wieder ungewiss. Noch vor ein paar Tagen waren die Kritiker von einer Welle der Erleichterung getragen. Das deutschlandweit einzige Versuchsfeld für die Stärkekartoffel im Müritzkreis wird in diesem Jahr nicht mehr bestellt, ließ Versuchsleiter Denis Behrendt am vergangenen Freitag verlauten. Der Vertrag mit dem BASF-Tochterunternehmen Plant Science sei ob der massiven Proteste im vergangenen Jahr gekündigt worden. Die Geschäftsleitung des Bütower Gutes bedauere aber den Schritt, denn Gentechnik sei und bleibe eine Zukunftstechnologie.

Schon zwei Tage später durften sich interessierte Leser dann die Augen reiben. Denn kein Geringerer als der Bütower Geschäftsführer Karl-Heinrich Niehoff drehte den Spieß um. "Das ist völliger Quatsch", kommentierte er die Aussagen seines Versuchsleiters, ohne jedoch auf dessen Aussagen näher einzugehen. Und auch gestern wollte Niehoff den offensichtlichen Widerspruch nicht auflösen. "Da ist zuletzt so viel dazu gesagt worden, da sage ich gar nichts mehr", zeigte er sich im Gespräch mit unserer Zeitung mehr als zugeknöpft.

"Es ist alles möglich"

Widersprüchliche Aussagen auch auf Seiten des Vertragspartners BASF, für den das Gut die industrielle Stärkekartoffel seit vier Jahren anbaut. Das Gut habe die Kooperationsvereinbarung mit dem BASF-Tochterunternehmen Plant Science nicht verlängert, so Plant-Science-Sprecher Peter Gräve am Freitag. "Wir wollen Amflora 2011 auf jeden Fall weiter in Deutschland anbauen. Dazu laufen momentan Gespräche mit mehreren landwirtschaftlichen Betrieben. Es ist alles möglich", relativierte er dann gestern. "Anfang Februar sollen die Verträge abgeschlossen sein. Jetzt nähere Aussagen zu möglichen Kandidaten und Favoriten zu tätigen, wäre hypothetisch", so Gräve. Bütow scheint also weiter im Rennen.

In Schwerin mag man dieses Gerangel nicht kommentieren. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) könne sich da nicht einmischen, so dessen Sprecherin Marion Zinke. Allerdings gehe Backhaus weiter davon aus, dass es in diesem Jahr keinen Genkartoffel-Anbau in Mecklenburg-Vorpommern geben wird. Eine Garantie könne er jedoch nicht geben. Schluss und endlich gelte die 90-Tage-Frist vor dem Anbau und damit der Eintrag ins Standortregister. Damit müsste Niehoff Ende Januar bis Mitte Februar Farbe bekennen.

Keine Besserung erwartet

Auch die Mitglieder der Bürgerinitiative "Müritzregion gentechnikfrei" mutmaßen, ob es auf dem Gutshof quasi über Nacht eine Veränderung gegeben hat, die zum "abrupten Sinneswandel" führte. Vielleicht aber sei es auch nur das "übliche Chaos, das wir das wir seit vier Jahren von dort im Umgang mit Amflora kennen?" Dabei erinnern die Gen-Kritiker an die Ausbringung auf 20 Hektar nicht genehmigten Ackers, zählen die "zentnerweise nach der Ernte unbeaufsichtigt liegen gebliebenen Knollen" auf, sprechen von "unkontrollierten Durchwuchskartoffeln" und einem "hohen Krankheitsbefall" der "Amflora". Und sie lassen auch den Sommer 2010 nicht aus. Seinerzeit habe die BASF in Schweden gezeigt, "wie wenig Kontrolle selbst der weltgrößte Chemiekonzern über die eigenen Gentechnik-Produkte hat, als sich die nicht zugelassene ,Amadea unter ,Amflora mischte". Und dann die "Desinformation - sei es nun aus Unkenntnis oder aus Absicht -, der die Öffentlichkeit permanent ausgesetzt war". Die neueste Wendung lasse da keine Besserung erwarten.


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