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Lokales

21. November 2017 | 11:06 Uhr

Plünderer unter Wasser

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erstellt am 06.Jun.2010 | 07:18 Uhr

 Schwerin | Trophäenjäger, die in der Ostsee vor allem nach Überresten aus dem Zweiten Weltkrieg tauchen, machen Mecklenburg-Vorpommerns Archäologen das Leben schwer. "Wir haben jedes Jahr mehrere Fälle", berichtete Landesarchäologe Detlef Jantzen. Die kriminellen Taucher, die ohne denkmalrechtliche Genehmigung unterwegs seien, beschädigten die geschichtlichen Zeugnisse auf dem Meeresgrund. Deshalb werden Fundorte geheim gehalten.

So erklärte das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach der Entdeckung eines mittelalterlichen Wracks mit Kupferladung im April lediglich, das Schiff liege in größerer Tiefe vor Rügen. "Zum Teil wird da sehr großer Aufwand betrieben", sagte Jantzen über die Trophäentaucher. Mit Unterwasserschweißgeräten würden beispielsweise Schiffsschrauben oder Verzierungen abgetrennt und mitgenommen. Bei einem Kleinst-U- Boot aus dem Zweiten Weltkrieg sei wiederholt versucht worden, die Kuppel aufzubrechen. Sogar ganze Flugzeuge seien schon ohne Genehmigung gehoben worden.

"Es gibt unter Wasser keine Fingerabdrücke"

Entdeckt würden solche Zwischenfälle meist erst später von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, die regelmäßig nach dem Rechten sehen, oder auch von der Wasserschutzpolizei.

Allerdings gelinge es längst nicht immer, die Täter zu ermitteln, berichtete Landesarchäologe Detlef Jantzen. "Der Nachweis ist sehr schwierig, es gibt unter Wasser ja keine Fingerabdrücke." Aber auch Hobbytaucher können ungewollt Schäden anrichten, wie Jantzen sagte - einfach, indem sie sich in der Nähe von wichtigen Fundorten unter Wasser bewegen. "Bei den steinzeitlichen Fundplätzen etwa in der Wismarbucht reicht ein unbedachter Flossenschlag, um Fundstücke durcheinanderzuwirbeln", sagte der Experte.

Veränderte Lage von Fundstücken hinderlich

Dabei gehe immer Information für die Forschung verloren. "Die Dinge liegen dort unten auf dem Meeresgrund so, wie sie von 6000 bis 7000 Jahren zurückgelassen wurden." Um das damalige Leben zu rekonstruieren, sei es wichtig, dass alles so liegen bleibt wie es lag.

Angesichts des großen Interesses von Bevölkerung und Touristen an archäologischen Funden bieten einige Tauchschulen an der Ostsee-Küste inzwischen geführte Tauchgänge zu Wracks an, die mit den Denkmalschützern abgestimmt sind. Vorher gibt es Erklärungen, wie sich die Taucher unter Wasser verhalten müssen. Das Amt habe eine Liste mit zwölf Wracks entlang der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste zusammengestellt und Vereinbarungen zum touristischen Tauchen mit zehn Tauchschulen geschlossen. "Das sind meistens Wracks aus dem 19. und 20. Jahrhundert, damit die Tauchtouristen auch etwas zu sehen bekommen." Bei Wracks aus früheren Jahrhunderten schauten oft nur noch einzelne Planken aus dem Sand.

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